BerlinAm Mittwoch ist Danny Teichfischer wie jeden Tag von Tegel-Ort in sein Büro nach Tegel gefahren, wo er bei einer Wohnungsbaufirma als Teamleiter einer Hausreinigung arbeitet. Dann klingelte sein Handy. Noch mal. Und wieder. Erst war sein Fußballtrainer vom Nordberliner SC dran. Dann gratulierte ihm der Teammanager. Jemand vom Berliner Fußball-Verband (BFV) rief an, jemand vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), der RBB, die Zeitung. Am Abend, nach all den Anrufen, kam sich Teichfischer vor, „wie so’n kleiner Star“.

Worum es ging? Um etwas, das Teichfischer im Amateurfußball besonders wichtig findet: um Fair Play. Mit seiner Geste in einem Landesligaspiel gegen den Lichtenrader BC setzte sich Teichfischer gegen die 20 weiteren Nominierten aus den jeweiligen Landesverbänden durch und überzeugte die Jury unter Vorsitz von DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann: Der DFB zeichnete den 34-Jährigen mit seiner Fair-Play-Medaille aus. Damit ist der Stürmer des Nordberliner SC Deutschlands anständigster Amateurfußballer 2020.

„Da ich ja schon im Januar vom Berliner Fußball-Verband ausgezeichnet wurde, habe ich gar nicht damit gerechnet, noch einmal ausgezeichnet zu werden“, meint Teichfischer. Umso überraschter war er. Denn eigentlich ging es um eine Partie, die im Sommer 2018 stattfand. Es stand 1:1 zwischen dem Nordberliner SC und dem Lichtenrader BC. Irgendwann nach der Halbzeitpause prallte Lichtenrades Torhüter mit einem Teamkollegen von Teichfischer zusammen. „Es hat geknallt, beide sind liegen geblieben. Ich hatte den Ball und hätte ihn ins Tor schießen können. Es wäre das 2:1 gewesen, was wohl für einen Sieg gereicht hätte. Aber ich wollte einfach, dass die beiden behandelt werden. Der Zusammenstoß sah schlimm aus. Da habe ich den Ball ins Aus gespielt“, sagt Teichfischer.

Bei dem Zusammenprall hatte sich niemand groß verletzt. Die Partie endete unentschieden. Und während Teichfischer aus dem eigenen Team gefragt wurde: „Hey, was hast’n da gemacht?“, bedankte sich Lichtenrades Torhüter nach dem Spiel. Lichtenrades Trainer sagte: „Danke, das hätte nicht jeder so gemacht.“

Bei den Profis wird Florian Kastenmeier ausgezeichnet

In der Kategorie Profi ging der Fair-Play-Preis des DFB an Torhüter Florian Kastenmeier von Fortuna Düsseldorf. Er hatte nach dem Abpfiff des verlorenen DFB-Pokalviertelfinales gegen den damaligen Regionalligisten 1. FC Saarbrücken lange darauf gewartet, seinem Gegenüber Daniel Batz zu gratulieren und war nicht wie meist üblich schnell in der Kabine verschwunden. Batz hatte fünf Elfmeter pariert, vier davon im Elfmeterschießen.

„Fair Play gehört für mich in den unteren Klassen noch viel mehr zum Fußball“, sagt Teichfischer, „denn da gibt es keinen vierten Schiedsrichter und keinen Videobeweis, der alles überwachen kann.“ Ob es für die Medaille ein Preisgeld gibt? Das weiß Teichfischer nicht. „Aber ich will nächstes Jahr heiraten“, sagt er, „da wäre ich natürlich froh.“