Frankfurt - Im Frauenfußball ist es selbst für Nationalspielerinnen immer noch nicht so einfach, den Fokus allein auf die schönste Nebensache der Welt zu richten. „Lena Oberdorf geht noch zur Schule, Klara Bühl hat gerade ihr Abitur gemacht und Johanna Elsig ihre Masterarbeit geschrieben“, sagte Martina Voss-Tecklenburg, als die Bundestrainerin aus dem höchsten Bankentower Frankfurts ihren Kader für die Frauen-WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) präsentierte. Die 17-jährige Oberdorf von der SGS Essen soll wie die Freiburgerinnen Bühl, 18, und Giulia Gwinn, 19, Unbekümmertheit ins deutsche Team tragen. „Wir wollen ja in den nächsten Jahren noch einige Turniere spielen“, sagte Voss-Tecklenburg, die sonst auf Experimente verzichtet.

Wenn es bei der WM mit den Gruppenspielen gegen China (8. Juni), Spanien (12. Juni) und Südafrika (17. Juni) ernst wird, müssen die Stützen funktionieren: Spielmacherin Dzsenifer Marozsan, die wie Carolin Simon am Sonnabend in Budapest mit Olympique Lyon das Champions-League-Finale gegen den FC Barcelona bestreitet; Sara Däbritz und Melanie Leupolz vom FC Bayern oder Alexandra Popp und Svenja Huth, die nächste Saison gemeinsam für Wolfsburg am Ball sind.

Debatten im Internet

Am meisten Überraschung steckte in einem Fernsehspot, der am Tag der Kaderbekanntgabe bereits kurz vor der ARD-Tagesschau gesendet wurde. Vorurteile nimmt die Kampagne mit Selbstironie auf: unter anderem, dass zum EM-Gewinn vor 30 Jahren überreichte Kaffeeservice und die Tatsache, dass viele der aktuellen Spielerinnen einer größeren Öffentlichkeit unbekannt sind. „Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt“, hieß es da.

Noch provokanter der Spruch, der in den sozialen Netzwerken Debatten anstieß: „Wir brauchen keine Eier – wir haben Pferdeschwänze.“ Mit so viel weiblichem Wagemut hat sich die DFB-Elf noch nie auf die Schippe genommen. Zur Heim-WM 2011 hatten ARD und ZDF noch die Botschaft „Dritte Plätze sind nur was für Männer“ plakatiert, was den deutschen Fußballerinnen nach dem vorzeitigen Aus im Viertelfinale prompt auf die Füße fiel.

Tour de France

Die Bundestrainerin verzichtet auf klare Zielvorgaben für ihre Tour de France, die das Team in der Gruppenphase nach Rennes, Valenciennes und Montpellier führt: „Wir möchten uns für die Olympischen Spiele 2020 qualifizieren, wofür wir unter die besten drei europäischen Teams gehören müssen.“ Aus Sicht der 51-Jährigen müssen „wir dafür Minimum ins Viertelfinale, vielleicht sogar ins Halbfinale kommen.“