Berlin - Den Plan für die mögliche Siegerparty wollte Stefan Kuntz noch nicht verraten. Doch der Glaube an ein erfolgreiches Turnier ist bei Deutschlands Nachwuchs-Fußballern vor dem Start der K.-o.-Phase der U21-EM riesig. „Ich habe keine Angst vorm Scheitern“, sagte der U21-Coach vor dem Viertelfinal-Duell mit Dänemark am Montag (21.00 Uhr, ProSieben) in Szekesfehervar. Zwar erwartet Kuntz einen „starken Gegner“, das Halbfinale traut er seiner Elf aber zu. „Unsere Jungs sollen sich mit den Besten messen“, sagte er. „Um einen weiteren Karriereschritt zu machen, müssen sie ins Halbfinale kommen.“

Gehypte Stars spielen in anderen Mannschaften

Die Frage nach einer Feier in Pandemie-Zeiten nach dem möglichen Titelgewinn beantwortete der 58-Jährige trotzdem zurückhaltend. „Das klären wir mit unserem Arzt, wenn es so weit ist“, sagte Kuntz der Bild am Sonntag. Seine Auswahl hat sich aber längst selbstbewusste Ziele gesteckt. „Als Mannschaft können wir alles erreichen“, sagte Mittelfeldspieler Niklas Dorsch, der gegen Dänemark nach seiner zweiten Gelben Karte in der Gruppenphase gesperrt fehlen wird. „Wir haben eine Riesen-Chance, jetzt sogar nach dem Titel zu greifen.“

Zum vierten Mal in Serie könnte Deutschlands Fußball-Nachwuchs den Sprung in ein EM-Halbfinale schaffen. Allerdings verfügt die aktuelle Generation längst nicht über so viel Bundesliga-Erfahrung wie ihre Vorgänger, die 2017 den Titel eroberten und 2019 den Einzug ins Finale schafften. Und auch die Anzahl gehypter Stars ist geringer als etwa bei Frankreich oder den Niederlanden. Ein erfolgreiches Turnier wäre daher auch ein Triumph für den Ex-Europameister Kuntz, der bis zur Verpflichtung von Hansi Flick lange als Bundestrainer gehandelt wurde und sein Gespür im Umgang mit Talenten bereits bewiesen hat.

Florian Wirtz ist zurück in der U21

Dass im deutschen Team der Glaube an die eigene Stärke und der Zusammenhalt in den vergangenen Monaten enorm gewachsen sind, ist auch ein Verdienst von Kuntz. „Bei einer EM-Endrunde ist alles drin“, sagte Nico Schlotterbeck, der gegen Dänemark wie schon in der Gruppenphase mit Amos Pieper die Innenverteidigung bilden dürfte. „Wenn wir unsere Leistung auf den Platz bekommen, sind wir eine sehr gute Mannschaft.“ Nur ein Gegentor ließ das Team in der Gruppenphase zu, mehr Optimierungsbedarf sieht Kuntz daher in der Offensive.

Hier liegen viele Hoffnungen auf Florian Wirtz, der nach seiner erstmaligen Nominierung für die A-Nationalmannschaft im März zurück in der U21 ist. „Flo ist natürlich ein belebendes Element. Da hat es in der Gruppenphase noch ein bisschen Verbesserungsbedarf gegeben, von daher freuen wir uns, dass er dabei ist“, urteilte Kuntz. Angst vor der Verantwortung hat der erst 18 Jahre alte Leverkusener nicht. „Natürlich gibt es einen gewissen Druck“, sagte der Jüngste im Team. „Aber ich versuche, ihn in Spaß, Freude und Zuversicht umzuwandeln.“

Einen zusätzlichen Schub können sich die deutschen Nachwuchs-Kicker von der Kulisse erhoffen: In Ungarn sind bei der U21-EM volle Stadien erlaubt, bis zu 14.000 Fans könnten am Montag in Szekesfehervar dabei sein, gleiches gilt für ein mögliches Halbfinale gegen Frankreich oder die Niederlande am Donnerstag. Das Finale steigt am 6. Juni in Ljubljana, wo 50 Prozent der Plätze im Stadion besetzt sein dürfen. An den möglichen dritten Endspieleinzug in Serie denkt Final-Experte Kuntz vor dem Duell mit Dänemark noch nicht – vorbereitet ist er aber trotzdem: „Meine Zigarren sind dabei“, sagte er grinsend mit Blick auf sein lieb gewonnenes Ritual nach großen Erfolgen.