Ball annehmen, Kampf annehmen: Der deutsche Volleyballer Simon Hirsch im Spiel gegen Slowenien.
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BerlinEs war nicht so schwierig, sich vorzustellen, wie es Georg Grozer am Dienstagabend im Mannschaftshotel in Berlin-Wedding gegangen sein musste. Er saß dort mit seinen Töchtern. Und vermutlich sprang er gleich im ersten Satz der Partie zwischen den deutschen und den slowenischen Volleyballern mindestens zehnmal auf – wenn seine Wade es erlaubte. Die war ja am Montag dick bandagiert, als er nach Deutschlands Sieg über Belgien beim Olympiaqualifikationsturnier die Max-Schmeling-Halle verließ.

Wie schwer hatte sich Deutschlands wichtigster Antreiber, Punktegarant, Führungsspieler verletzt, fragten viele besorgt? Schon am Dienstagnachmittag gab Bundestrainer Andrea Giani Entwarnung: „Bei Georg ist soweit alles in Ordnung. Er wird heute, wie auch andere Spieler, geschont und wir sind positiv gestimmt, dass er am Donnerstag wieder auflaufen kann.“

Hirsch ersetzt Grozer

Also mussten im letzten Gruppenspiel gegen Slowenien andere, jüngere Spieler zeigen, was die Zukunft des deutschen Volleyballs bietet, wenn die Generation Grozer ihre Nationalmannschaftskarriere beendet. Schließlich war schon nach Tschechiens Niederlage gegen Belgien klar, dass die 3:0-Siege gegen eben diese Teams den Deutschen den Einzug ins Halbfinale gesichert hatten. Trotz der 2:3 (34:32, 20:25, 25:19, 21:25, 12:15)-Niederlage gegen Slowenien kann die deutsche Mannschaft in Ruhe die letzten Partien der Gruppe B abwarten. Denn erst der späte Mittwoch wird zeigen, ob sie am Donnerstag (20.10 Uhr, Sport1) im Halbfinale auf Frankreich, Bulgarien oder Serbien trifft.

Im ersten Satz hatte Trainer Giani aus der bisherigen Stammformation nur Zuspieler Lukas Kampa, Libero Markus Steuerwald, Außenangreifer Christian Fromm und Mittelblocker Tobias Krick aufgestellt. Als Grozer-Ersatz musste sich Simon Hirsch, auf Außen der frühere BR-Volleys-Profi Ruben Schott beweisen.

Die Mannschaft legte furios los, Fromm schmetterte zwei Asse übers Netz. Deutschland führte 9:2 und 17:12, aber dann hatte sich Slowenien, der diesjährige EM-Zweite, besser auf die Angriffe eingestellt. Es begann die Phase, in der es Grozer besonders in den Fingern gekribbelt haben muss: Deutschland wehrte sieben Satzbälle ab. Nach einem Ass von Kampa segelte der nächste slowenische Angriff ins Aus: 34:32, Gianis Mannschaft hatten den dritten Satzball zur 1:0-Führung genutzt.

Ab dem zweiten Durchgang durften sich noch mehr Stammspieler ausruhen. Dafür empfahlen sich Moritz Karlitzek, später auch die Berliner Julian Zenger und Moritz Reichert sowie  Marcus Böhme und Jan Zimmermann für weitere Einsätze. Die junge Truppe kämpfte im Tiebreak bravourös. Zusammen mit  Grozer ist in diesem Turnier, in dem sich nur der Sieger für Olympia qualifiziert, noch einiges möglich.