Wasserball-Bundestrainer Hagen Stamm bereitet seine Mannschaft auf das vorgezogene Endspiel um Olympia vor.
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BerlinDas Telefonat mit Hagen Stamm unterbricht immer mal wieder. „Sorry, ich bin im Aufzug, der Bus wartet vor dem Hotel“, sagt der Wasserball-Bundestrainer, der in diesen Tagen mit der Männer-Nationalmannschaft die Europameisterschaft in Budapest bestreitet. Sein Team hat nach der deutlichen 9:17-Auftaktniederlage gegen Kroatien spielfrei. Aber natürlich werden die Kolleginnen unterstützt, die gegen Frankreich (5:17) ebenfalls klar ihre Grenzen aufgezeigt bekommen.

Am Donnerstagvormittag ist Stamm hingegen nicht zu sprechen. Um 10 Uhr steht das aus deutscher Sicht vorgezogene Endspiel gegen die Slowakei an. Wer in diesem Duell gewinnt, zieht in die Play-offs ein und erhält sich die Chance auf eine Top-Acht-Platzierung bei der EM, die Bedingung, um am Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele im März teilnehmen zu dürfen. Wahrscheinlich reicht sogar ein Platz unter den ersten Zehn noch aus, um den nächsten Schritt zu gehen, weil andere Kontinente ihre Kontingente nicht ausschöpfen. „Wir haben genau durchgerechnet, dass das reicht“, sagt Stamm.

Aller Fokus auf das Slowakei-Spiel

Aufgrund der so wichtigen   Partie gegen die Slowakei ist die deutliche Niederlage gegen Kroatien längst abgehakt. Der Olympiazweite und WM-Dritte ist ein Gegner, den ein deutsches Team ohnehin nur bezwingen kann, „wenn Ostern und Weihnachten zusammenfallen“, wie Stamm weiß.     „Wir müssen alles darauf ausrichten, um 10 Uhr richtig wach zu sein.“

Um 6.30 Uhr werden die Spieler geweckt, sofern sie das nicht selbst hinkriegen. Anschließend geht es dann gemeinsam in den rund 20 Meter langen Hotelpool, um sich einzuschwimmen. Bevor Stamm seine Spieler zur letzten Besprechung um sich schart, darf natürlich auch die Stärkung beim Frühstück nicht zu kurz kommen, ehe es im Becken zur Sache geht.

Aufgrund des Aufwärtstrends, den Stamm seit seinem Rücktritt vom Rücktritt mit zu verantworten hat, gehen die deutschen Wasserballer favorisiert in dieses Spiel. Bei der WM im vergangenen Jahr gelang zum ersten Mal seit   sechs Jahren wieder der Einzug in ein WM-Viertelfinale.   Allerdings trübten schon in der Vorbereitung zahlreiche Verletzungen die Aussichten. Mit Stamms Sohn Marko, Ben Reibel und Dennis Strelezkij haben gleich drei Spieler mit Beschwerden zu kämpfen, die bei den Wasserfreunden Spandau unter Vertrag stehen, die Stamm als Präsident anführt. Der Hannoveraner Tobias Preuß musste wegen einer Schulterverletzung absagen. „Ich habe das noch nie so extrem erlebt wie in diesem Jahr“, sagt der Bundestrainer.   „In Serbien können sie das kompensieren, aber wir haben hier maximal 15 Spieler und keine Alternativen.“ Zudem begann die unmittelbare Turniervorbereitung erst am 17. Dezember.

Zwei Spieler waren schon mal bei Olympia

Dennoch ist der gesamte Tross, der aus sieben Berlinern und sechs Auswärtigen besteht, überzeugt, die Prüfung Slowakei zu meistern, um „vielleicht in einen richtigen Flow zu kommen“, wie es Stamm umschreibt. Im abschließenden Gruppenspiel wartet Montenegro, das ebenfalls nur an einem durchweg gelungenen Arbeitstag zu bezwingen ist. Stamm erinnert in diesem Zusammenhang allerdings gerne an die EM vor zwei Jahren in Barcelona. Nach einer herben Klatsche zum Auftakt (1:14 gegen Italien) folgte ein umkämpfter 10:9-Sieg gegen Georgien, ehe das deutsche Team mit einem 4:4 gegen Ungarn einen Achtungserfolg erzielte. „Ich erkenne viele Parallelen“, sagt Stamm.

Entscheidend wird am Ende nur sein, dass   die Chance erhalten bleibt, nach zwei Fehlversuchen endlich wieder bei Olympischen Spielen dabei zu sein. Ein Gefühl, das außer dem Bundestrainer mit Marko Stamm und Julian Real nur zwei Spieler des aktuellen Kaders kennen.