Budapest - Der laute Nieser eines TV-Reporters im Sitzungssaal „Töhötöm“ brachte Hansi Flick nur kurz aus dem Konzept. Grinsend versteckte der Bundestrainer sein Gesicht unter seinem Trainingsshirt und setzte den Weg zum Mikrofon unbeirrt fort.

Vor der für die Grundstimmung um die Fußball-Nationalmannschaft so bedeutsamen Partie an diesem Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) in Mönchengladbach gegen Europameister Italien verbreitete Flick gute Laune - und eine klare Erwartungshaltung.

„Mir tun die vier Unentschieden...“, sagte Flick in Budapest, er brach seinen Satz ab und fuhr mit eindringlicher Stimme fort: „... ich finde das einfach nicht gut, weil ich gewinnen möchte.“ Die vierte Nations-League-Partie binnen zehn Tagen ist die letzte Chance für die angestrengte DFB-Auswahl, nach der Sommerpause mit der wohligen Erinnerung an einen Sieg in die finalen Monate vor der WM in Katar zu starten.

Flick vertraut dem Team

„Ich habe schon gedacht, dass wir ein bisschen weiter sind“, sagte Flick beim Blick zurück auf die vier 1:1-Spiele mit dem ernüchternden Auftritt am vergangenen Samstag in Ungarn. Aber, das schob Flick schnell hinterher, es gehe nicht um die grundsätzliche Spielphilosophie. „Das hat mit dem Vertrauen in die eigene Qualität zu tun“, betonte der Bundestrainer, der wieder als Starkredner auftrat.

Den seit Wochen rätselhaft formschwachen Leroy Sané nahm Flick in Schutz, er bescheinigte dem 26-Jährigen „einfach ein sensationelles Potenzial“. Das Team müsse darauf hinarbeiten, dass Sané auf dem Platz wieder so helfen könne, wie es möglich scheine. „Wir Trainer sind dazu da, um Potenziale der einzelnen Spieler zu bewerten“, sagte Flick, der seine Gedanken zur Startaufstellung nicht weiter erläuterte.

Abschlusstraining in Budapest

Beim Abschlusstraining am Vormittag bei strahlendem Sonnenschein auf dem Gelände des Budapesti VSC hatte Flick alle 25 Spieler versammeln können - auch den gegen Ungarn wegen Wadenproblemen fehlenden Serge Gnabry. Bei der Einheit vor der Industriekulisse im Budapester Osten sei nicht mehr „allzu viel gemacht“ worden, berichtete der Chefcoach. Gegen Italien „zählt es nochmal, da wollen wir alle Körner drin haben“.

Es bleibt eben doch manchmal einfach im Fußball: Mit einem Sieg könnte die DFB-Auswahl den ersten Platz in der Gruppe 3 der Liga A erobern. Die Zeit bis zu den September-Spielen in der Nations League würde ruhiger, die Zustimmung zu Flicks Erneuerungsplan gewiss sein. Bei einer Niederlage droht aber der Absturz auf den Abstiegsrang - und damit ein Stimmungsumschwung ins Negative.

„Wir werden im November bei der WM eine Mannschaft haben, die sich den Herausforderungen stellen wird“, sagte Flick. Rückschläge seien auch dazu da, „damit man die Dinge das nächste Mal besser macht. Und das wollen wir versuchen.“ An dem insbesondere aus dem Spielerkreis offensiv formulierten Titelziel müsse nicht gerüttelt werden. „Ich finde, man kann sich schon Ziele setzen - ob man die dann erreicht, ist wieder etwas anderes“, sagte Flick.

Neuer: „Wissen auch, was wir richtig gemacht haben“

Seiner Spieler und er „wollen dann auch Spiele entscheiden, wenn es darauf ankommt“. In den vergangenen Monaten war ein halbes Dutzend neuer Spieler zum Kader gestoßen. Immer wieder führte Flick „die Entwicklung“ an.

Das 1:1 im Hinspiel am 4. Juni in Bologna war auch von der Art und Weise enttäuschend, das 1:1 am folgenden Dienstag in München gegen England schon deutlich besser. Dann der Rückschritt in Budapest. „Die Enttäuschung hat überwogen, aber dennoch müssen wir nicht den Kopf in den Sand stecken“, sagte Kapitän Manuel Neuer. „Wir haben gute und schlechte Seiten unserer Mannschaft gesehen und wissen auch, was wir richtig gemacht haben.“

Am Sonntagabend war die Mannschaft ohne Trainerteam in Budapest gemeinsam essen. Neuer berichtete von „einer guten Stimmung und Atmosphäre“ innerhalb des Teams. „Wir wissen, dass die Motivation und der Hunger da sind“, sagte Neuer, der sein 113. Länderspiel bestreiten soll. Gerade gegen die unbequeme italienische Mannschaft „wäre es ein super Abschluss für uns, wenn wir die drei Punkte einfahren und sagen, wir haben eine große Mannschaft geschlagen“. Dieses Erfolgserlebnis, betonte der Kapitän, „brauchen wir einfach“.