Sie bedankte sich mit einem trotzigen „Dankeschön, Berlin!“  und verließ die Bühne – Helene Fischers schlimmste Minuten waren vorüber. Vielmehr als ihre verärgerte Verabschiedung war jedoch ohnehin nicht zu hören von ihrem Auftritt in der Halbzeitpause des DFB-Pokal-Endspiels  am Sonnabend. Die Sängerin wurde über Minuten von den Fußballfans ausgebuht und ausgepfiffen. Der Lautstärke nach zu urteilen von allen 74.000.

Im anschließenden Sportschau-Interview nahm es die 32-Jährige  recht gelassen, verwies auf ihr neutrales Verhältnis zu beiden Mannschaften und lächelte  alles weg. Wie  es sich gehört für einen Star. Helene Fischer ist die letzte, der man für dieses Debakel die Schuld geben kann, sie scheint zu wissen, dass der Unmut der Fans nicht ihr galt, sondern dem DFB.

Dem Fußballbund hätte schon im Vorfeld klar gewesen sein müssen, dass in Deutschland zwei Dinge nicht zusammengehen: Rasensport und Showeinlagen. Oder wie es ein Fan beim Kurznachrichtendienst Twitter  zum Ausdruck brachte: „Nix verstanden, weder ihr noch Helene … Die Fans wollen kein Gedudel in den Pausen … die singen selber, wenn sie wollen … und besser.“

Der deutsche Fußballfan ist nun einmal konservativ

Instinktlos war nicht nur die Wahl der Sängerin, die für Glamour, wohl aber kaum für Bodenständigkeit steht, sondern auch überhaupt die Tatsache, einer deutschen Fußballveranstaltung amerikanisches Event-Flair verleihen zu wollen. Der deutsche Fußballfan ist nun einmal konservativ und will in der Halbzeitpause Bier und kein Techno-Geschunkel im Vierviertel-Takt.

Helene Fischer sang gegen das Pfeifkonzert an, es blieb ihr nichts anderes übrig. Die ARD regelte den Ton eilig herunter, hieß es zunächst. Der Sender erklärte später, die Halbzeitshow werde im Auftrag des DFB produziert, die ARD nehme technisch darauf keinen Einfluss. Der Sender Sky war beherzter und blendete gleich zur Werbung über. Wem wollte man da noch etwas Ersparen?

Das Debakel war schon in vollem Schwung und der Beweis erbracht, dass Fußball nicht Football ist und das Pokalfinale nicht der Super Bowl, bei dem Weltstars wie Madonna, Beyoncé oder Lady Gaga für  Pausenspaß sorgen.

Doch anstelle am Tag danach ein paar Scharten auszuwetzen, zeigte sich der DFB wenig einsichtig und ließ recht borniert verlauten: „Wir analysieren nach jedem Pokalfinale die Abläufe, das werden wir auch in diesem Jahr tun. Danach entscheiden wir, was wir beibehalten oder verändern“. Nun denn.