Hansi Flick saß schon wieder im kalten Deutschland auf der Tribüne, als im Nirgendwo von Katar die WM-Planungen vorangetrieben wurden. Das luxuriöse Zulal Wellness Resort ganz im Norden des Emirats erwartete am Wochenende weiteren Besuch des Deutschen Fußball-Bundes, die große Anlage ist von der Hauptstadt Doha aus nur mit dem Auto in etwas über einer Stunde zu erreichen. Hier will Flick mit der deutschen Nationalmannschaft dem Vernehmen nach vor den Vorrundenspielen gegen Spanien, Japan sowie Neuseeland oder Costa Rica einziehen. Weit weg vom Trubel dieser höchst umstrittenen WM 2022.

„Das hat nichts mit Abschotten zu tun, sondern es geht einfach darum, wo wir die besten Voraussetzungen haben“, sagte Flick nach der Auslosungsshow am Freitagabend. Noch gebe es zwei Alternativen. Das Ressort im Norden, das ließ sich auch bei DFB-Direktor Oliver Bierhoff raushören, ist aber klarer Favorit.

Hotelkomplex in Ruwais

Die Straße dorthin führt zu dem Hotelkomplex der kleinen Hafenstadt Ruwais – und sonst ins Nichts. Die braunen Hinweisschilder stehen noch in der Wüste, grün wird es erst an der Einfahrt der abgeschirmten Anlage. Das benachbarte Trainingsgelände gleicht einer Burg, die Bedingungen scheinen auf höchstem Standard zu sein. Nebenan ist ein übergroßer Fußball mit der goldenen Zahl „2022“ aufgebaut.

Das würde zum DFB passen, der das Quartier Campo Bahia in Brasilien heute noch gerne als Faktor für den WM-Titelgewinn 2014 nennt. Vier Jahre später ging die Basiswahl mit dem Watutinki-Komplex weit außerhalb Moskaus grandios schief.

Weitere Gespräche zu Menschenrechtsfragen

Wie viel Wohlfühlatmosphäre ist nötig für eine erfolgreiche WM? Und kann sich Luxus in Katar überhaupt gut anfühlen? Für die am Wochenende noch in Doha verbliebene DFB-Delegation waren weitere Gespräche zur Menschenrechtsfrage geplant. Der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte angekündigt, sich vor Ort ein Bild machen zu wollen.

Keine acht Monate vor dem WM-Beginn stellen immer wieder Aussagen von Experten – aber auch aus Katar selbst – die Tauglichkeit des Emirats als Gastgeber infrage. Ein katarischer Sicherheitsverantwortlicher sprach sich gegen das Zeigen von Regenbogenfahnen aus, weil er mögliche Angriffe befürchtet. Die Regenbogenfahne steht weltweit als Symbol für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.

Wie groß dieses Thema ist, hatte die vergangenen EM gezeigt. Homosexualität ist in Katar gesetzlich verboten. Die Fifa teilte erneut mit, dass Regenbogenfahnen im Stadion erlaubt seien.