DFB-Frauen: Freude mit Berger - Bangen mit Oberdorf

Zum Abschluss eines ungewöhnlichen Jahres verlieren die DFB-Frauen gegen Weltmeister USA. Der Blick geht längst voraus auf das WM-Turnier 2023.

Harrison-Martina Voss-Tecklenburg machte den deutschen Nationalspielerinnen bei der Abschlussbesprechung noch mal ein „großes Kompliment für dieses sehr abwechslungsreiche, intensive und auch erfolgreiche Jahr“.

Dann ging es für die Vize-Europameisterinnen nach der lehrreichen USA-Reise von New York aus auf den Rückflug. Für die Bundestrainerin begann am Montag bereits die nächste Phase der Vorbereitung auf die Fußball-WM 2023 in Australien und Neuseeland. Sorgen gab es dabei zunächst um Lena Oberdorf.

Denn die DFB-Frauen mussten am Sonntagabend in Harrison einiges einstecken. Drei Tage nach dem 2:1-Sieg in Fort Lauderdale gegen die Weltmeisterinnen setzte es dieses Mal eine 1:2-Niederlage. Die Wolfsburgerin Jule Brand traf vor 26.317 Zuschauern in der Red Bull Arena zunächst für das Gäste-Team (18. Minute). Sophia Smith und Mallory Pugh drehten dann das Spiel (54./56.). Nach einer souveränen ersten Halbzeit wurde die deutsche Auswahl nach der Pause von den Amerikanerinnen ziemlich durcheinander gewirbelt.

„Leichter Bruch“ nach Oberdorf-Aus

„Einen leichten Bruch“ im Spiel ihrer Mannschaft stellte Voss-Tecklenburg nach dem frühen Aus von Oberdorf fest (33.). Die so wichtige defensive Wolfsburger Mittelfeldspielerin musste mit einer Schulterverletzung zum Röntgen ins Krankenhaus. „Sie ist auf die Schulter gefallen. Wir hoffen, dass es nicht so schlimm ist“, sagte die Bundestrainerin über die 20-Jährige. Ihre Ausfallzeit ist weiter unklar. „Eine genaue Diagnose soll nach Rückkehr und weiteren Untersuchungen in Deutschland erfolgen“, teilte der Deutsche Fußball-Bund mit.

„Wir haben einen sehr, sehr guten Start in diesem Spiel gehabt“, bilanzierte Voss-Tecklenburg. Nach der Pause habe man aber Fehler gemacht und teilweise unsauber agiert - „das hat die USA mit ihrer herausragenden Qualität bestraft“. Dass auch Abwehrspielerin Kathrin Hendrich, deren Defensivkolleginnen Sjoeke Nüsken und Nicole Anyomi (beide Eintracht Frankfurt) gehörig ins Schwimmen geraten waren, räumte die Bundestrainerin ein: „In der zweiten Halbzeit hat vieles nicht mehr gestimmt.“

Genau daraus erhoffen sich Voss-Tecklenburg und ihr Trainerteam einen enormen Lerneffekt. Während sich die Spielerinnen nun wieder in den Bundesliga-Alltag stürzen und es für die Asse vom VfL Wolfsburg und FC Bayern München auch in der Champions League weitergeht, plant der DFB-Stab für Februar ein Trainingslager in Spanien und ein Heim-Länderspiel. Derweil läuft die Beobachtung der WM-Vorrundengegner Marokko, Kolumbien und Südkorea.

Berger-Rückkehr freut DFB-Team

Beim Turnier vom 20. Juli bis 20. August hofft Voss-Tecklenburg auch auf die Erfahrung von Ersatzkeeperin Ann-Katrin Berger. Die 32-Jährige vom FC Chelsea kam im zweiten Spiel gegen die USA anstelle von Stammkeeperin Merle Frohms zum Einsatz und wurde im zweiten Durchgang von Almuth Schult abgelöst. Berger hatte nach der EM in England öffentlich gemacht, dass bei ihr eine Schilddrüsen-Krebserkrankung zurückgekehrt ist.

Nach einer Radiojodtherapie steht sie aber schon länger wieder auf dem Platz, auch wenn die Ergebnisse der Behandlung noch ausstehen. Mit glücklichem Gesicht lauschte Berger nun der Nationalhymne. „Ich habe dieses Lächeln genauso gesehen. Das hat mich sehr gefreut, weil ich weiß, dass es was Besonderes war heute für sie nach der Krebserkrankung, hier vor 26.000 Fans zu spielen. Und das sind die eigentlich wichtigen Momente“, sagte die Bundestrainerin.