DFB-Team macht Rückzieher: Kapitän Neuer spielt ohne „One Love“-Binde

WM in Katar: Der DFB verzichtet wegen drohender Sanktionen auf die „One Love“-Kapitänsbinde. Auch andere europäische Teams geben dem Druck nach.

Hier noch mit „One Love“-Binde: Deutschlands Torwart Manuel Neuer
Hier noch mit „One Love“-Binde: Deutschlands Torwart Manuel NeuerImago/Ulmer/Markus Ulmer

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verzichtet nach der Androhung von Sanktionen durch die Fifa auf die „One Love“-Kapitänsbinde für Manuel Neuer.

Nach Beratungen der Arbeitsgruppe der Europäischen Fußball-Union (Uefa) mit dem Fußball-Weltverband entschieden die sieben beteiligten Uefa-Nationen, das Risiko einer möglichen Gelben Karte oder anderer sportlicher Sanktionen während der WM in Katar nicht einzugehen. Der DFB bestätigte der Deutschen Presse-Agentur eine gemeinsame Stellungnahme.

„Unsere oberste Priorität ist es, Spiele zu gewinnen“

„Dass die FIFA uns auf dem Platz bestrafen will, ist einmalig und geht gegen den Geist des Sports, der Millionen verbindet“, hieß es vom niederländischen Verband KNVB. „Wir stehen zur ‚One Love‘-Botschaft und werden diese weiter verbreiten, aber unsere oberste Priorität ist es, Spiele zu gewinnen. Da möchte man nicht, dass der Kapitän das Spiel mit einer Gelben Karte beginnt.“

Der erste Kapitän, der während der Endrunde offen gegen die Fifa-Regularien verstoßen hätte, wäre Englands Harry Kane im Spiel gegen Iran gewesen. „Wir waren bereit gewesen, Strafen zu zahlen, was normalerweise bei Verstößen gegen Kleider-Regularien der Fall wäre. Dennoch konnten wir unsere Spieler nicht in eine Situation bringen, in der sie eine Gelbe Karte bekommen könnten oder gar gezwungen werden, das Spielfeld zu verlassen“, hieß es in der von der englischen FA verbreiteten gemeinsamen Stellungnahme.

Fußball-Verbände ändern nach Beratungen ihre Meinung

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte bereits am Sonntag von Meinungsverschiedenheiten mit der Fifa gesprochen, aber noch geäußert: „Wir haben gesagt, wir bleiben dabei, dass wir mit der Binde auflaufen. (...) Wir haben mit langem Vorlauf die Fifa immer wieder darauf hingewiesen, dass wir mit dieser Binde auflaufen wollen, es gab keine Reaktion der Fifa dazu.“ Nach Beratungen am Montag änderten die Verbände ihre Meinung.

Die Kampagne war eine im September angekündigte gemeinsame Aktion der Teams aus Deutschland, England, den Niederlanden, Belgien, Schweiz, Wales, Frankreich, Dänemark sowie Norwegen und Schweden, die beide nicht für die WM qualifiziert sind. Frankreichs Kapitän Hugo Lloris hatte frühzeitig angekündigt, die Binde nicht zu tragen.

Die Fifa hatte erst am Freitag eigene neue Kapitänsbinden vorgestellt – zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel. „Die teilnehmenden Mannschaften erhalten während der Spiele über die Armbinden der Mannschaftskapitäne die Möglichkeit, Botschaften zu übermitteln“, teilte der Weltverband mit. Die Botschaften hat die Fifa laut Mitteilung gemeinsam mit drei Organisationen der Vereinten Nationen erdacht.

Streit um „One Love“-Binde: Fan-Organisation kritisiert Fifa scharf

Nachdem die aktuellen Entwicklungen zur „One Love“-Kapitänsbinde am Montag bekannt geworden waren, äußerte die Fan-Organisation Football Supporters' Association (FSA) scharfe Kritik an der Fifa. „Heute werden sich LGBT+-Fußballfans und ihre Verbündeten wütend fühlen. Heute fühlen wir uns verraten“, schrieb die FSA in einem Statement, das am Montag auf Twitter gestellt wurde. „Heute empfinden wir Verachtung für eine Organisation, die ihre wahren Werte unter Beweis gestellt hat, indem sie den Spielern die gelbe Karte und der Toleranz die rote Karte gezeigt hat.“ Die englische Abkürzung LGBT+ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen. Das Pluszeichen ist ein Platzhalter für weitere Identitäten und Geschlechter.

„Nie wieder sollte eine Fußballweltmeisterschaft ausschließlich auf der Grundlage von Geld und Infrastruktur vergeben werden. Keinem Land, das bei LGBT+-Rechten, Frauenrechten, Arbeitnehmerrechten oder einem anderen universellen Menschenrecht zu kurz kommt, sollte die Ehre zuteilwerden, eine Fußballweltmeisterschaft auszurichten“, hieß es.

So erklärt die Fifa das „One Love“-Verbot

Der Fußball-Weltverband Fifa wiederum begründete das Verbot der „One Love“-Kapitänsbinde mit den von allen Teilnehmern anerkannten WM-Regularien. Explizit hob der Verband in einer Mitteilung vom Montag den Artikel 13.8.1 der Ausrüstungsregeln hervor: „Für Fifa-Finalwettbewerbe muss der Kapitän jeder Mannschaft eine von der Fifa gestellte Armbinde tragen.“ Die Fifa unterstütze Kampagnen wie „One Love“, aber dies müsse im Rahmen der allen bekannten Regeln erfolgen.