Berlin - Jude Bellingham gilt als wohlerzogen. „Er ist der reifste, seriöseste 18-Jährige, den ich je gesehen habe“, schwärmte erst kürzlich Mats Hummels über den Teamkollegen. Seit Bellingham vorigen Sommer aus Birmingham zu Borussia Dortmund wechselte, bewährte sich der englische Nationalspieler auf dem Feld und außerhalb. Seit dem Wochenende droht dem Polizistensohn jedoch Ärger.

Zum einen hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und Bellingham zunächst zu einer Stellungnahme aufgefordert. Zum anderen erstattete Schiedsrichter-Beobachter Marco Haase als Privatperson Anzeige in Dortmund und Berlin. Bellingham steht im Zentrum einer Diskussion, deren Ursprung 16 Jahre zurückliegt. Café King, Charlottenburg, Manipulationsskandal, Robert Hoyzer lauten die Stichworte. Welche Rolle spielte Felix Zwayer da noch mal?

Jener Zwayer, den Bellingham nach dem 2:3 der Dortmunder gegen die Bayern nicht nur wegen dessen Elfmeter-Entscheidung kritisierte, sondern auch wegen „vieler anderer Entscheidungen“. Im Interview mit einem norwegischen Sender hatte Bellingham gesagt: „Du gibst einem Schiedsrichter, der schon in Spielmanipulationen verwickelt war, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?“

Huch. Darf ein junger Kerl so etwas sagen? Oder geht das wie Bayern-Chef Oliver Kahn reflexartig fand, „einen gewaltigen Schritt zu weit“? Ist Bellingham unanständig? Oder muss einer wie Zwayer, der vor 16 Jahren selber unanständig war, auch mal mit unwattierten Worten leben? 

Nun fordert also jener Verband eine Stellungnahme, der wusste, dass der Berliner Schiedsrichter Zwayer damals Geld von Betrüger Hoyzer annahm. Jener DFB, der Zwayers Verurteilung nie veröffentlichte und den ehemaligen Hoyzer-Vertrauten, der zum Kronzeugen wurde, in die Beletage der Schiedsrichter-Innung beförderte? Manipulation wurde Zwayer nie nachgewiesen, nein. Aber dafür, dass Gedanken daran bei einem jungen Kerl wie Bellingham gar nicht erst aufkommen, hat der DFB mit seiner Teppichkehr-Taktik leider auch nicht gesorgt.