DFB-Pokal: Der 1. FC Union Berlin gewinnt 6:0 beim Viertligisten Germania Halberstadt

Halberstadt - Sie waren überall. Wohin das Auge reichte. Ob auf der Autobahn A2, auf den vielen Raststätten entlang der Strecke oder dann auch am Wasserturm in Halberstadt. Rund 3 000 in Rot und Weiß gekleidete Union-Fans begleiteten ihre Eisernen zum ersten Pflichtspiel der neuen Bundesliga-Saison nach Sachsen-Anhalt. Und ein Teil davon harrte schon zwei Stunden vor dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal bei Germania Halberstadt, das letztlich souverän mit 6:0 (1:0) gewonnen wurde, an eben diesem Wasserturm aus. So, als wollte man ein demonstratives Zeichen setzen: Mit uns nicht!

Ein ortsansässiger Vereinssponsor hatte vor dem Match beim Viertligisten nämlich für Wirbel gesorgt, indem er ein großes Plakat am mittlerweile verwaisten Wahrzeichen der 43 000 Einwohner fassenden Kreisstadt im Landkreis Harz anbringen ließ mit der Aufschrift: „Herzlich willkommen, liebe Union-Fans. Viel Erfolg in der 1. Bundesliga, aber heute werdet Ihr leider weinend nach Hause fahren.“ Um der Quintessenz Deutlichkeit zu verleihen, wurde das Wort weinend in kursiver Schrift geschrieben. Natürlich wurde die Aktion des Halberstädter Geldgebers von rot-weißer Seite mit einem Augenzwinkern aufgenommen. „Wo wird man heutzutage noch so persönlich begrüßt?“, sagte ein Fan aus Köpenick und lachte, während er genüsslich an seinem Bier nippte.

Hymne der Eisernen ertönt

Auch später dann, im Friedensstadion, sollten er und die mitgereisten Fans nett empfangen werden. „Beste Grüße gehen dorthin, wo Fußball noch ehrlich gespielt und gearbeitet wird“, sagte der Stadionsprecher in Richtung des Auswärtsanhangs. Kurz vor Anpfiff ertönte dann sogar die eiserne Vereinshymne „Eisern Union“.

Im ersten Pflichtspiel nach dem Bundesliga-Aufstieg setzte Trainer Urs Fischer auf das bewährte 4-2-3-1-System mit fünf Zugängen von Beginn an. Auf Routinier Neven Subotic, den aus St. Etienne geholten Königstransfer, verzichtete der Schweizer Übungsleiter noch. Der Innenverteidiger, der lange verletzt war, wurde mit Blick auf den Bundesliga-Auftakt in einer Woche gegen RB Leipzig geschont. So standen von den insgesamt elf Neuen zunächst Keven Schlotterbeck, Sheraldo Becker, Marius Bülter, Christian Gentner und Marcus Ingvartsen in der Startformation.

„Die Saison ins Rollen bringen“, hatten die Union-Fans mit einem riesigen Transparent gefordert, das sich vor dem Anstoß über die gesamte Gegengerade erstreckte. Und die Spieler folgten dem Aufruf. Der Neu-Bundesligist hatte die Partie schnell unter Kontrolle, entwickelte aber zunächst keine zwingenden Torchancen. Erst ein Standard in der 27. Minute musste her, um die 1:0-Führung zu bringen. Den Eckstoß von Christopher Trimmel verwandelte Schlotterbeck mit einem wuchtigen Kopfball. Damit untermauerte der 22 Jahre alte Innenverteidiger, der von Freiburg ausgeliehen ist, seine Startelfambitionen. 

Besiegter Fluch

In der Folge hatte Union durch einen Lattenschuss von Christopher Lenz (34.) und Christian Gentner (39.), dessen Schuss von Torwart Florian Sowade an den Pfosten gelenkt wurde, gute Möglichkeiten.

Lange waren peinliche Pleiten im Pokal ein eiserner Begleiter. „Pokal ist doch nur einmal im Jahr“ lautete vor Jahren mal das Motto der Anhänger. In den vergangenen drei Spielzeiten überstand man allerdings stets die erste Runde – und das sollte so bleiben. Im zweiten Durchgang hatte der Außenseiter vor 5 966 Zuschauern wie aus dem Nichts noch die Chance auf den Ausgleich, doch Dennis Blaser scheiterte völlig frei vor Rafal Gikiewciz.

Geglückte Generaplrobe

Folglich zog Union das Tempo an und sorgte durch einen Doppelschlag von Sebastian Andersson (65.) und Christopher Lenz (67.) für das 2:0 und 3:0. Die eingewechselten Joshua Mees (71.), Robert Andrich (76.) und Anthony Ujah (89.) stellten letztlich den 6:0-Endstand her.

Union, der Pokalfinalist von 2001, hat damit die Generalprobe vor dem Premierenspiel in der Bundesliga bestanden und zugleich Prämien in Höhe von 526 500 Euro eingestrichen. 175 500 gab es für die Teilnahme an Runde eins und weitere 351 000 für den gestrigen Sieg.
Und wer dann mit einem weinenden Auge nach Hause gefahren ist, dürfte dann auch endgültig geklärt sein.