Freiburg - Das größte Kompliment kam vom Gästetrainer. Christian Streich musste kurz durchschnaufen und setzte dann zur Lobhudelei an. Es sei ein Wahnsinn, „mit was für einer Power, mit was für einer Einstellung und mit was für einer brutalen Körperlichkeit“ Union Berlin spiele. „Die kämpfen wie die Tiger“, schwärmte der 54 Jahre alte Übungsleiter des SC Freiburg in breitem badischem Akzent. „Des isch brutal und extrem schwer, gege die Fußball zu spiele.“ Das hätten seine Mannen zweimal nicht hingekriegt.

„Purer Kampf“

Nach dem 2:0-Erfolg in der Bundesliga schlugen die Eisernen den SC Freiburg auch am Mittwochabend im DFB-Pokal und zogen nach einem 3:1 erstmals seit knapp sechs Jahren wieder ins Achtelfinale des Wettbewerbs ein. „Es ist schön, wenn du Lob vom Gegner bekommst und auch mal gewinnst“, sagte Union-Trainer Urs Fischer. Das sei zuletzt ja nicht immer der Fall gewesen, als man nach couragierten Auftritten wie in München, gegen Frankfurt oder gegen Bremen oft leer ausging.

Beim 1. FC Union blicken sie nun selbstbewusst auf das brisante Stadtderby am Sonnabend gegen Hertha BSC. „Ein Sieg auswärts in Freiburg“, sagte Torwart Rafal Gikiewicz, „wo immerhin Leipzig verloren hat, dann auch noch drei Tore zu schießen – das gibt uns natürlich ein gutes Gefühl für das Derby.“ Joshua Mees, der im Breisgau erstmals in dieser Saison von Beginn an ran durfte und seinen guten Auftritt mit dem Kopfballtor zur 1:0-Führung krönte, meinte: „Wir gehen mit zwei positiven Erlebnissen in das Hertha-Spiel. Auch in München waren wir schon gut. Jetzt sind wir bereit fürs Derby.“ Der Mittelfeldspieler ahnt, was ihn und die Kollegen ab 18.30 Uhr An der Alten Försterei erwartet: „Purer Kampf! Es ist das erste Stadtderby in der Bundesliga und bedeutet den Fans viel. Es wird mit Sicherheit in jedem Zweikampf zur Sache gehen.“

Zweikämpfe, das können die Unioner. Fischer glaubt, „dass das schon ein Gesicht von uns ist, hart gegen den Ball zu arbeiten und dem Gegner nichts zu schenken“. Der 53 Jahre alte Schweizer fordert nun mit Blick aufs Wochenende: „Die Kampfkraft, für die wir stehen, müssen wir beibehalten.“ Sinnbildlich für das kampfbetonte Spiel der Köpenicker steht Robert Andrich. Der 25 Jahre alte Profi, der vor der Saison aus Heidenheim geholt wurde, ist aus der eisernen Startformationen nicht mehr wegzudenken. Gegen Freiburg machte der Potsdamer kurz vor Schluss das 2:1, ehe Christian Gentner mit dem 3:1 für die Entscheidung sorgte. „Es wurde auch mal Zeit, dass ich treffe“, sagte Andrich, „ich war ja immer nah dran.“ In neun Ligaspielen ging der zentrale Mittelfeldspieler zuletzt leer aus.

Abräumer und Antreiber

Andrich ist ein Schlüsselspieler. Er ist Abräumer und Antreiber zugleich, fegt dazwischen, scheut keinen Zweikampf, spielt robust. Von den Gegnern gibt es dafür nicht gerade Komplimente. Rob, wie sie ihn im Team nennen, verrät: „Ich finde richtig gut, wenn ich auf dem Platz von den Gegenspielern angeschrien werde und die fragen: Was bist du denn für ein Ekliger? Das ist gut. Das sehe ich als Kompliment.“

Im Derby sind auch seine Steherqualitäten gefragt. Für Andrich geht es immerhin gegen jenen Klub, bei dem er von 2003 bis 2015 ausgebildet wurde. Der einstige Juniorennationalspieler erhielt mit 18 einen Profivertrag bei Hertha, konnte sich aber nicht durchsetzen. Nur zweimal stand er unter Jos Luhukay im Kader des damaligen Zweitligisten.

Der extrovertierte Andrich sah seine Karriere in Gefahr, verließ Berlin im Sommer 2015 und wechselte in die 3. Liga zu Dynamo Dresden. Er sagt: „Elf Jahre gehen natürlich nicht spurlos an einem vorbei. Aber das Kapitel Hertha ist für mich abgehakt. Damals sind gewisse Situationen von beiden Seiten nicht so gut abgelaufen. Ich bin jetzt komplett Unioner und will niemandem etwas schenken an dem Tag.“ Andrich, der Eklige, ist heiß auf Hertha: „Wir müssen alle an dem Tag Kämpfer und Fighter sein.“ Das liegt ihnen ja.