Die klare Niederlage im DFB-Pokalfinale machte es für Turbine Potsdam deutlich: Der Abstand zu den reicheren Spitzenteams im deutschen Frauenfußball wird für die Brandenburgerinnen immer größer. „Als reiner Frauenfußball-Verein müssen wir mit weitaus weniger Geld auskommen, als die Lizenzvereine“, beschrieb Turbine-Trainer Sofian Chahed den Ist-Zustand und forderte in Richtung Vereinsführung: „Insofern müssen wir auf den Zug aufspringen und ich bin gespannt, was sich das Präsidium einfallen lässt.“

Zwar erhält Potsdam im Rahmen einer Kooperation mit Hertha BSC finanzielle Unterstützung im mittleren sechsstelligen Bereich, doch reicht dies allein nicht, um die Spitze zu attackieren. Mit 0:4 verlor das Team gegen Seriensieger VfL Wolfsburg am Sonnabend in Köln. Trotz einer teils couragierten Leistung blieb Turbine chancenlos auf den Sieg. Wettbewerbsübergreifend kassierten die Potsdamerinnen in den zurückliegenden drei Partien gegen Eintracht Frankfurt (0:2), Bayern München (0:5) und Wolfsburg drei satte Niederlagen ohne Tor.

Potsdams Gegnerinnen feiern mit Meloncello

Ansätze waren im RheinEnergie-Stadion zu sehen. Karen Holmgaard besaß in einer guten Startphase die große Chance mit einem Alleingang zur Führung. „Wenn Karen den macht, sieht es vielleicht ein wenig anders aus“, sagte Chahed. „Aber ich finde, auch so haben wir ein ordentliches Spiel gemacht. Am Ende siegte die Erfahrung über unsere junge Mannschaft und der Wolfsburger Sieg geht völlig in Ordnung.“

Die Wolfsburgerinnen, allen voran Torhüterin Almuth Schult, die nach neun Jahren beim VfL in die USA zum Angel City FC wechselt, feierten mit Bier, Sekt und oranger Meloncello – den Melonenlikör hatte Alexandra Popp von ihrem Lieblingsitaliener mitgebracht. Wie jedes Jahr. Denn seit 2015 ist die Pokaltrophäe im Besitz der Wölfinnen.

Im Team von Turbine Potsdam steht wieder ein Umbruch bevor

Potsdams Kapitänin Isabel Kerschowski, die mit dem Pokalendspiel ihre erfolgreiche Karriere beendete, sagte: „Nach meiner Meinung fällt der Sieg zwei Tore zu hoch aus.“ Mit Wehmut blickt die Berlinerin zurück. „Wir werden nie wieder so als Team zusammenkommen. Schade, dass es so ausgehen musste.“

Denn Turbine steht im Sommer wieder ein Umbruch bevor. Sara Agrez (Wolfsburg), Melissa Kössler (Hoffenheim), Luca Graf (RB Leipzig), Gina Chmielinski, Dina Orschmann und Zala Mersnik verlassen Potsdam. Dazu ist der Verbleib von Torjägerin Selina Cerci und Malgorzata Mesjasz unsicher. Es sieht so aus, als ob Pokalendspiele für den sechsmaligen Meister und dreimaligen Pokalsieger künftig noch schwieriger erreichbar sind.