Die Fußballprofis wie Herthas Santiago Ascacibar wollen nicht mehr nur alleine oder in Kleingruppen trainieren.
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Frankfurt am MainAuf einer der größten Baustellen des deutschen Fußballs herrscht in Krisenzeiten kein Stillstand: Im Frankfurter Stadtteil Niederrad sind die Umrisse der Akademie, die ab 2021 Heimstätte für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) sein soll, zu erkennen. Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), hatte eine von hier aus gesteuerte Nachwuchsarbeit als wichtigstes Zukunftsprojekt bezeichnet. Das sagte der Liga-Chef, bevor das Coronavirus den deutschen Fußball infizierte.

Ein Jahr nach dem ersten Spatenstich keimt die Hoffnung, dass bei den Profis bald der Ball wieder rollt. Nach einer Runde am Donnerstag von   Kanzlerin Angela Merkel und den Länderchefs verdichten sich die Indizien, dass der Profifußball Vorreiter spielen darf. Merkel kündigte für Mittwoch eine Entscheidung an, „in welcher Folge und welcher Art und Weise auch unter gegebenen Bedingungen bestimmte sportliche Betätigungen möglich sind“.

Die DFL will sich laut Mitteilung „entlang des vorgelegten medizinisch-organisatorischen Konzeptes weiter auf eine Saison-Fortsetzung im Mai vorbereiten“. Einige Ministerpräsidenten äußern sich aber weiter skeptisch, wie der Bevölkerung zu erklären ist, dass Schulen und Sportanlagen auf absehbare Zeit geschlossen bleiben, während in den Stadien – wenn auch in einer Dauer-Quarantäne – gespielt wird.

Deutschland wäre Vorreiter für Europa, aber ist die Bundesliga deswegen Vorbild? „Man wird neidisch, wenn man sieht und hört, wie in Deutschland trainiert wird, wann angefangen wurde und seit wann die Spieler zumindest in Zweiergruppen trainieren dürfen“, sagte Jürgen Klopp, Coach des FC Liverpool, in einem Podcast seines früheren Vereins Borussia Dortmund.

Wenn die Bundesligen grünes Licht bekämen, bliebe das Wie zu regeln: Die meisten Trainer pochen zwar vorher auf mindestens 14 Tage Mannschaftstraining, aber offenbar steht ein Neustart mit einem Freitagsspiel am 15. Mai im Raum. Ansonsten würde es ein oder zwei Wochen später in diesem Monat losgehen. Das avisierte Saisonende am 30. Juni könnte auch dann locker mit Hilfe von Englischen Wochen gehalten werden.

Erste Coronatests sind bei den Vereinen angelaufen. Angesichts einer weiterhin nicht genutzten Anzahl an Testkapazitäten dürfte auch die öffentliche Empörung abnehmen, gesunde Berufssportler zu testen.

Dieselbe Prozedur soll danach auch für die Akteure aus der Dritten Liga und Frauen-Bundesliga greifen, die vom DFB ausdrücklich als Profi-Spielklassen betrachtet werden. Deren Konzept unterscheidet sich für diese beiden Ligen nur in Nuancen. Das Geld für deren Testungen kommt aus jenen Zuwendungen in Höhe von 7,5 Millionen Euro, die die DFL aus dem Solidartopf weitergeleitet hat. Die Frauen-Bundesliga hat am Donnerstag bei nur einer Enthaltung (1. FC Köln) ebenfalls für eine Saisonfortsetzung gestimmt. Man wolle den „roten Faden der DFL in Sachen Krisenbewältigung folgen“, teilte der Vorsitzende des Ausschusses Frauen-Bundesligen, Siegfried Dietrich, mit. Der als Manager des 1. FFC Frankfurt früher nicht unumstrittene Frontmann hat es geschafft, die Frauen auf Linie zu bringen. Dietrich hält es für wichtig, „Gesicht zu zeigen“.

Die Dritte Liga ist in dieser Frage zerstritten. Auch weil nur zehn Klubs für eine Saisonfortsetzung stimmten (acht wollten lieber abbrechen), hat der DFB für den 25. Mai einen Außerordentlichen Bundestag einberufen. Hintergrund ist, dass ein Saisonabbruch in den höchsten DFB-Ligen formal allein vom Bundestag als höchstes Organ beschlossen werden kann. Erste Drittklässler würden am liebsten die Krise dazu nutzen, sich lieber heute als morgen unter das DFL-Dach zu begeben. Die Verortung in den DFB-Strukturen sei ein schwerer Geburtsfehler gewesen, heißt es. Doch auf dem Bundestag kommt dieses Ansinnen bestimmt nicht auf die Agenda.

Die erste Zusammenkunft in der Verbandsgeschichte, bei der 262 Delegierte von überall aus in digitaler Form ihr Stimmrecht ausüben, wird eine gewaltige organisatorische Herausforderung. Schließlich geht es auch um Haftungsbeschränkungen für die Vertreter, Organe und Ausschussmitglieder beim DFB. Es ist nämlich ein ganz heikler Punkt für viele Funktionäre, bei einer befürchteten Klagewelle nicht persönlich in Regress genommen zu werden. Zudem soll auf dem Bundestag verhindert werden, dass die föderale Fußball-Struktur mit den Regional- und Landesverbänden zu einem Flickenteppich von unterschiedlichen Auf- und Abstiegsregelungen führt.