Berlin - Christian Arbeit, der Pressesprecher des Zweitligisten 1. FC Union Berlin, heimste am Sonntag vor dem Duell gegen den FSV Frankfurt im Stadion an der Alten Försterei gleich drei Mal Beifall ein. Zuerst verkündete er per Stadionmikrofon, dass Union als erster Profiklub das Konzeptpapier der Sicherheitskommission der Deutschen Fußball Liga (DFL) unter dem schlichten Titel „Sicheres Stadionerlebnis“ in der vorliegenden Form abgelehnt hat (Jubel auf den Rängen).

Danach ging der Gruß an den FC St. Pauli, der Union sofort gefolgt war (Beifall von den Rängen) und danach verkündete der Sprecher, dass „auch die Kollegen aus Charlottenburg“, also der Stadtrivale Hertha BSC, ebenfalls in den Widerstand gegen die DFL gegangen ist und dem umstrittenen Konzeptpapier in der vorliegenden Form nicht zustimmen kann (erneut starker Beifall von den Rängen).

Es mutet auf den ersten Blick schon ungewöhnlich an, dass ein Verein wie Hertha BSC, der eine ganz andere Klubphilosophie verfolgt als etwa der 1. FC Union oder der FC St. Pauli und auch eine andersgeartete Fankultur besitzt, plötzlich in einem Boot mit den ungeliebten Konkurrenten sitzt.

Es ist auch durchaus ein mutiger Schritt von Hertha, sich in dieser Angelegenheit als einer der ersten von 36 Profiklubs gegen die DFL zu stellen, wenn man die Ereignisse der Relegationsspiele gegen Fortuna Düsseldorf im Mai dieses Jahres im Kopf hat. Damals hatten Hertha-Fans mit dem Werfen von bengalischen Feuern erste Unterbrechungen des dramatischen Duells herbeigeführt, das später durch den vorzeitigen Platzsturm der Düsseldorfer Anhänger zur Farce mutierte.

Gefahr für Prozess der Annäherung

Doch auf den zweiten Blick ist das Verhalten von Hertha BSC nicht ungewöhnlich. Wie Union, wie St. Pauli und inzwischen auch zahlreiche andere Klubs (1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf, FC Augsburg und VfL Wolfsburg) fehlte Hertha bei der Ausarbeitung des brisanten Papiers der Dialog mit den Fans.

Thomas E. Herrich aus der Geschäftsführung der Berliner sagt: „Wir stehen im regelmäßigen Austausch mit unseren Fans und Fanvertretern. Viele einzelne Maßnahmen im Konzeptpapier sind richtig, aber in der Gesamtheit ist das keine tragfähige Lösung. Auch wir werden in Zukunft gegen Gewalt im Stadion restriktiv vorgehen, aber wir suchen stets den Dialog mit der Basis, um Gewalt vorzubauen und zu begegnen.“

Bei Hertha sieht man wegen des Ignorierens der Fans durch die DFL-Vertreter den oft komplizierten Prozess der Annäherung zwischen Klub und Anhang eventuell sogar „konterkariert“. Union spricht derweil drastisch von einer „Bestrafungskeule“.

Empörung in Fankreisen

Im Papier soll es mehrere Maßnahmen geben, die in Fankreisen für Empörung gesorgt haben – etwa die „Errichtung von Containern“ für eine „angemessene Körperkontrolle“ vor den Stadien oder die Einführung eines Fankodexes, was ein striktes Verbot von Pyrotechnik einschließt. Inhaltlich ist das Vorgehen von Hertha BSC, von Union und den anderen Widerständlern richtig und zu begrüßen.

Gestern kündigte die Sicherheitskommission der DFL an, sich bald mit Fan- und Sicherheitsberatern der Klubs sowie Fanvertretern treffen zu wollen. Ein erster Erfolg für die Basis. Das Papier soll überarbeitet werden.