Saarbrückens Christopher Schorch und Daniel Batz jubeln nach dem Viertelfinale gegen Düsseldorf.
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Saarbrücken/BerlinEs waren bereits vier Siege für die Ewigkeit, doch nun versucht sich der 1. FC Saarbrücken im DFB-Pokal daran, eines der größten Wunder in der Geschichte des deutschen Fußballs zu vollbringen. Ein Viertligist im Finale und das unter diesen Umständen, das wäre wie die „Wiedergeburt Jesu Christi“, sagt FCS-Trainer Lukas Kwasniok. Angesichts der fehlenden Spielpraxis, wenig Trainings und eines leeren Stadions erscheint ein Erfolg im Halbfinale am Dienstag (20.45 Uhr/Sky und ARD) gegen Champions-League-Anwärter Bayer Leverkusen utopisch.

„Wenn man ehrlich ist, haben wir keine Chance“, sagt Mittelfeldspieler Tobias Jänicke: „Aber das ist ein Halbfinale. Wenn man da steht, dann will man natürlich auch ins Finale und die verschwindend geringe Chance nutzen.“ Auch Kwasniok gibt sich kämpferisch. „Die Chance ist bei einem Prozent. In 99 von 100 Spielen werden wir nicht als Sieger vom Platz gehen. Aber der 9. Juni kann ein ganz besonderer Tag werden. Wir wollen ihn zu einem Feiertag machen im Saarland“, sagte der Coach dem Saarländischen Rundfunk.

Kwasniok: „Wettkämpfhärte können wir nicht simulieren“

Für dieses Vorhaben hat der gebürtige Pole seit Wochen an einem Schlachtplan gefeilt. „Der wird in die Richtung gehen, dass wir einfach voller Überzeugung unser eigenes Tor verteidigen. Wir wollen eine Schlacht liefern und dem Gegner den Willen rauben, gegen uns ein Tor zu erzielen“, sagte der ehemalige Jenaer: „Wir müssen mit allem, was wir haben, verteidigen und dann hoffen, dass wir vorne einen reinstolpern.“

Sorgen bereitet ihm nach dem vorzeitigen Abbruch der Regionalliga Südwest allerdings die fehlende Wettkampfpraxis, das letzte Pflichtspiel ist für den ersten Viertligisten im Halbfinale des DFB-Pokals am Dienstag bereits 94 Tage her. „Die Wettkampfhärte können wir nicht simulieren“, gibt Kwasniok zu: „Wir werden uns in den ersten 15 Minuten an das Gefühl gewöhnen müssen, überhaupt wieder ein Spiel zu haben. Insofern hoffen wir, dass wir die ersten 15, 20 Minuten schadfrei überstehen und uns dann nach und nach in dieses Spiel reinbeißen.“

Bosz warnt vor Nachlässigkeiten

Als kleiner Vorteil bleibt trotz der fehlenden Fans, die auf dem historischen Siegeszug gegen Jahn Regensburg, den 1. FC Köln, den Karlsruher SC und Fortuna Düsseldorf noch ein „Faustpfand“ (Jänicke) waren, aber die Dorfplatzatmosphäre in Völklingen. „Vielleicht ist es sogar noch ein bisschen schlimmer, wenn gar keine Zuschauer da sind. Wir müssen es zu unserem Vorteil nutzen, dass das keine Arena ist, wie sie die Leverkusener kennen“, sagt Jänicke.

Für Bayer dürfte es drei Tage nach dem Spitzenspiel in der Bundesliga gegen Bayern München (2:4) tatsächlich die größte Herausforderung werden, sich in diesem Ambiente gegen einen scheinbar klar unterlegenen Gegner zu motivieren. Doch Trainer Peter Bosz, dem Kai Havertz weiter mit muskulären Problemen fehlt, duldet bei aller Überlegenheit keine Nachlässigkeiten. „Pokalfinale!“, antwortete der Niederländer kurz und knapp auf die Frage nach der Motivation für seine Spieler.