Leere Ränge, voller Korb: Die Basketball-Bundesliga (BBL) möchte in München die Saison als Turnier beenden.
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BerlinSie haben sich nicht betatscht. Ganz sicher nicht. Sie sind ja keine Fußballer, die sich nach einem Torerfolg umarmen, befummeln, küssen. Geküsst haben sich die deutschen Basketballer vielleicht im Geiste, als die bayerische Staatskanzlei an diesem Dienstag ein Finalturnier genehmigte, mit dem die Bundesliga (BBL) ihre Saison nun beendet. Zehn Mannschaften werden in München in Quarantäne  den Deutschen Meister ermitteln, darunter Titelverteidiger Bayern München und Herausforderer Alba Berlin.

Das mit dem Küssen und Nichtküssen ist keine Nebensächlichkeit. Zu Zeiten von Corona im Allgemeinen nicht und im Speziellen nicht für die Basketballer. Sie haben sich schärfere Regeln auferlegt als die Fußballer, weil sie auch in einer verschärften Notlage stecken. Es geht für sie um Perspektiven, mehr noch: Es geht um den Bestand ihrer Liga, somit um ihren Unterbau, letztlich um ihre Disziplin insgesamt.

Zunächst aber geht es um die Profis. Sportler sind das wichtigste Element einer Sportart; das ist eine Binsenweisheit, doch widersinnigerweise sind Sportler das letzte Glied in der Kette. Sie haben für ihre Gage eine Gegenleistung abzuliefern. Bei Entscheidungen mitzureden, haben sie meist nicht, selbst wenn diese sie selbst betreffen. Die BBL-Akteure sind zudem längst nicht so üppig versorgt wie die Kollegen Kicker. Immerhin: Sie erhalten von den Klubs die Chance, sich für ein Berufsleben nach dem Job am Ball zu rüsten.

Es geht ebenfalls um die Vereine der BBL. Sie wirtschaften zwar solide, geben kein Geld aus, das sie nicht haben, können nicht auf theoretische Einnahmen aus Fernsehrechten spekulieren, auf die Zukunft wetten. Sie sind auf real existierende Zuschauer in den Arenen angewiesen, weshalb von den derzeit 17 Klubs einige vor dem Aus standen, einige vielleicht immer noch stehen.

Es wäre keineswegs paradox, dass die jetzt angestrebten Geisterspiele die Rettung bringen. Größer kann die Aufmerksamkeit für die BBL kaum werden. Als einzige neben den Fußballern würden die Basketballer in Deutschland aktiv sein, sicher auch im öffentlich-rechtlichen TV. Sie gehen mit der Finanzierung des Münchner Turniers in Vorleistung für kommende Spielzeiten.

Es geht deshalb nicht nur um die Basketballer. Handballer, Volleyballer oder Eishockeycracks haben gespannt auf eine Entscheidung von Ministerpräsident Söder und seinem Kabinett gewartet. Sie haben jeweils ihre Saison abgebrochen, doch   im Herbst, wenn der Betrieb in ihren Ligen wieder anlaufen müsste, wird das Coronavirus weiter den Alltag bestimmen. Wissenschaftler sehen dann sogar eine zweite Infektionswelle auf Deutschland zurollen. Die Pandemie verlangt nach Lösungen, die zumindest mittelfristig tragfähig sind.

Das grüne Licht aus München für die BBL-Pläne bedeutet nun, das Turnier findet statt. Wird es organisatorisch ein Erfolg, dann hat es das Zeug zur Blaupause für die nationale Elite in Teamsportarten; unterhalb des professionellen Unterhaltungsfußballs natürlich. Der spielt bekanntlich in einer anderen Liga, sportlich, finanziell, lobbyistisch. Vom Umarmen, Befummeln und Küssen ganz zu schweigen.