Echt? Es geht wieder weiter? Alba-Profi Martin Hermannsson.
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BerlinIn Island startete die Woche am Montagvormittag mit einem Positiverlebnis. Während wenig später in Berlin Salomon Kalous Facebook-Freunde eine virtuelle Reise der besonderen Art durch die Kabine von Hertha BSC live verfolgen durften, hatte Martin Hermannsson bei Instagram ein Foto in seiner Story hochgeladen. Der Aufbauspieler von Alba Berlin präsentierte darauf seinen neuen Haarschnitt und strahlte. Auch in Reykjavik durften Friseure ihre Scheren am Montag wieder ansetzen.

Kalou wurde am Abend von Hertha suspendiert, Martin Hermannsson ist nun auch optisch für eine Fortsetzung der Saison in der Basketball-Bundesliga (BBL) gerüstet. „Ich denke, dass wir ein Team haben, das den Titel gewinnen kann. Aber es gibt noch ein paar Fragen, die beantwortet werden müssen“, sagt er.

Die BBL hat eine Antwort bereits gegeben: auf die Frage nach dem möglichen Standort des geplanten, dreiwöchigen Turniers. Sollten die Behörden dem Konzept der BBL zustimmen, würden sich die zehn Mannschaften, die die Saison unter veränderten Bedingungen fortsetzen wollen, in München zusammenfinden. Neben dem Deutschen Meister hatten sich auch Alba Berlin, Frankfurt und Bonn, das nicht beim Turnier teilnehmen möchte, um die Ausrichtung beworben, zogen aber wohl vor allem aus finanziellen Gründen den Kürzeren.

Denn: die Heimspielstätte der Münchner wird vom FC Bayern betrieben. Es entstehen dadurch, anders als bei einer Anmietung der Arena am Ostbahnhof in Berlin, keine weiteren Kosten zur Ausrichtung des Turniers. „Wir bedanken uns bei der BBL für ihr Vertrauen und hoffen nun mit allen Klubs, dass die zuständigen Behörden das Sicherheitskonzept der BBL genehmigen“, sagte Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic, „wir werden das weiterhin nach Kräften unterstützen.“ Eine Frage ist damit beantwortet, viele weitere bleiben. Und die beschäftigen auch die Spieler von Alba Berlin. „Auf der einen Seite bin ich froh, dass ich wieder eine Chance bekomme Basketball spielen zu können, aber auf der anderen Seite schießen wieder so viele Fragen durch meinen Kopf“, sagt Peyton Siva.

Der Aufbauspieler weilt mit seiner Frau und den beiden Töchtern in Florida. Dort hält sich die kleine Familie an die Bestimmungen, es geht sogar immer nur ein Elternteil einkaufen, einer bleibt bei den Kindern. Es gibt viel Zeit zum Nachdenken. „Wie läuft das mit den Reisen? Kann für ausreichend Sicherheit der Spieler gesorgt werden? Müssen wir für zwei Wochen in Quarantäne und wie läuft das Training? Wird die Liga verantwortungsvoll mit Verletzungen oder Erkrankungen umgehen?“

Peyton Siva hat noch eine Menge Fragen, die in den kommenden Tagen beantwortet werden sollen. Für etwas Klarheit sorgte bereits eine Videokonferenz in der vergangenen Woche. Albas Sportdirektor Himar Ojeda hatte alle Spieler versammelt und ihnen ein paar Informationen geben können. „Wir sollen drei Wochen in einem Hotel sein“, erzählt Martin Hermannsson. Laut Münchens Geschäftsführer Pesic soll es sich dabei um ein exklusives Hotel für alle Mannschaften handeln, in dem keine anderen Gäste sein werden.

Die Verhaltensregeln für alle Teams und Angestellten sind ebenfalls klar festgelegt. „Jeder, der in dem Hotel arbeitet, der Busfahrer und jeder andere darf das Hotel nicht verlassen“ sagt Hermannsson. „Wir können nicht rausgehen, können nicht in den Supermarkt, unsere Freundinnen, Frauen und Familien sind nicht dabei.“ Für die Spieler wird es ein Pendeln zwischen dem Hotel und der Halle. Ein ähnliches Leben, wie jenes, das sie bereits aus der eng getakteten Saison mit Euroleague und Bundesliga kennen.

„Diese drei Wochen werden schon relativ schnell vorbeigehen“, glaubt Hermannsson, „aber das ist ja nicht alles.“ Denn: Wenn er und seine Teamkollegen wieder nach Berlin kommen, geht es für sie zunächst in eine 14-tägige Quarantäne. Anschließend sollen zwei Wochen trainiert und danach das Turnier gespielt werden. Es müssen also erst einmal ein paar organisatorische Hürden genommen werden, damit die Saison überhaupt fortgesetzt werden kann. Für die deutschen Spieler und die in Deutschland gebliebenen Ausländer aber kann die Vorbereitung schon etwas früher starten, benötigen sie doch keine 14-tägige Quarantäne. Aber: im Detail gilt weiterhin zu klären, wie trainiert werden soll. In Gruppen, einzeln oder doch schon bald wieder als gesamtes Team? Mit oder ohne Körperkontakt?

Viele Spiele, wenig Zeit

In jedem Fall unter strenger Kontrolle und Einhaltung von Hygieneregeln. „Ich denke, dass die BBL genau schauen wird, dass alle gesund bleiben und sich niemand ansteckt. Wenn die Sicherheit gewährleistet ist, bin ich bereit zu spielen“, sagt Martin Hermannsson. Eine Einteilung der beiden Fünfergruppen, auch wenn sie teilweise schon anderweitig veröffentlicht wurde, gibt es noch nicht. Das und auch über den genauen Modus soll an diesem Mittwoch entschieden werden.

„Es ist schwierig, wir müssen relativ viele Spiele unterbringen. Wir wollen die Spieler nicht überlasten und haben nicht viel Zeit“, hat BBL-Geschäftsführer Stefan Holz der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Mit großem Interesse werden er und die Verantwortlichen der BBL-Klubs auf den Mittwoch schauen. In einem weiteren Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten stehen weitere Lockerungen im Sport auf der Tagesordnung. Sollte die Fußball-Bundesliga, die als erste und bis vor gut einer Woche einzige deutsche Profiliga eine Fortsetzung des Spielbetriebs angestrebt hatte, Grünes Licht für eine Wiederaufnahme der Saison bekommen, dürften auch die Chancen der Basketballer steigen.

Davon ist Martin Hermannsson bis vor zwei Wochen nicht ausgegangen. Erst recht nicht, „als auch die Handballer die Saison vorzeitig abgebrochen hatten. Ich war mir sicher, dass wir auch nicht weiterspielen werden und habe etwas runtergefahren“, erzählt er. Obwohl er aber seit fünf Wochen nicht mehr in einer Halle gestanden und nicht mehr geworfen hat, „bin ich jetzt gedanklich so weit, dass ich mich damit beschäftige, wieder Basketball zu spielen“.

Und auch frisurentechnisch hat sich der Isländer wieder in Form gebracht. Anders als Salomon Kalous Video konnte man Martin Hermannssons neue Frisur am Dienstagvormittag allerdings nicht mehr sehen. Nach 24 Stunden löscht sich eine solche Story automatisch. Das hat mit Kalous Video nicht ganz geklappt. Auch wenn es bei Facebook relativ flott gelöscht wurde, geistert es noch immer auf anderen Kanälen durch die Welt des Internets. Und verbreitet dort Schrecken, bei allen, die auf eine Fortsetzung der Saison hoffen. Im Fußball und Basketball.