Die Berlin Volleys entscheiden dramatischen Pokalkrimi für sich

Erst im Tiebreak setzt sich der deutsche Meister BR Volleys gegen die SVG Lüneburg durch. Im Halbfinale des DVV-Pokals treffen die Berliner auf Giesen.

Zuspieler Johannes Tille (Mitte) hat die BR Volleys zum Pokalsieg über die SVG Lüneburg geführt. 
Zuspieler Johannes Tille (Mitte) hat die BR Volleys zum Pokalsieg über die SVG Lüneburg geführt. imago/Andreas Gora

Zwölf Matchbälle... allein diese Anzahl von Bibbermomenten sagt eine Menge aus, über die dramatische Stimmung, die am Donnerstagabend in der Max-Schmeling-Halle herrschte. Es war schon deutlich nach 22 Uhr, ehe sich die Anspannung in Jubel auf der einen und Enttäuschung auf der anderen Seite verwandelte: die BR Volleys hatten sich im Viertelfinale des deutschen Volleyball-Pokals mit 3:2 (25:22, 22:25, 22:25, 25:23, 27:25) gegen die SVG Lüneburg durchgesetzt. Die 4187 Zuschauer hatten den Höhepunkt des Krimis alle im Stehen erlebt. Die BR Volleys brauchten nicht nur die zwölf Matchbälle zum Sieg. Sie wehrten beim 24:25 auch einen Matchball des Gegners ab.

Im Halbfinale treffen die BR Volleys auf Giesen

„In der letzten Saison bin ich mit Herrsching gegen die Netzhoppers mit 25:27 im Tiebreak ausgeschieden. Diesmal auf der Gewinnerseite zu stehen, ist ein tolles Gefühl. Lüneburg hat unheimlich stark Block-Abwehr gespielt und wir brauchten auch das Quäntchen Glück heute. Spätestens im Tiebreak der Verlängerung war es ein absolutes 50:50-Match. Es herrschte eine geniale Energie in der Arena und ich bin einfach froh, dass wir es irgendwie gepackt haben“, sagte Berlins Zuspieler Johannes Tille.

Im Halbfinale treten die BR Volleys am 21. Dezember bei den Grizzlys Giesen an. Das ergab die Auslosung unmittelbar nach Spielende.

Die Berliner wurden erneut von Co-Trainer Lucio Oro betreut, da der mit dem Coronavirus infizierte Chefcoach Cedric Enard noch nicht freigetestet ist. Beide Mannschaften erwiesen sich in der Anfangsphase als ebenbürtig. Erst in der Schlussphase des ersten Satzes verschafften sich die Volleys nach einem Punkt von Ruben Schott zum 21:18 einen leichten Vorteil. Ein Aufschlagfehler des ansonsten stark auftrumpfenden Lüneburgers Lukas Maase brachte den Gastgebern die 1:0-Satzführung.

Im zweiten Durchgang verschliefen die Berliner den Beginn völlig (2:7) und mühten sich dann erfolglos, den Satz noch zu ihren Gunsten zu drehen. Die Lüneburger blieben im weiteren Verlauf stabil in ihrem Abwehrverhalten und suchten im Angriff den Abschluss weitaus konsequenter als ihr Gegner. Auch das Kurzdebüt des erst am Montag neu verpflichteten Zuspielers Arash Dosanjh beim Stande von 17:21 in Satz drei half den BR Volleys nicht so recht auf die Sprünge.

Das Temperament von Cody Kessel belebt Berlins Spiel

Belebend auf das Spiel der Gastgeber wirkte indes die Einwechslung von Angreifer Cody Kessel. Auch dank der temperamentvollen Aktionen des US-Amerikaners retteten sich die Volleys mühsam in den Tiebreak. Dort lagen sie schon 7:4 in Führung, büßten diesen Vorsprung aber durch 1:6 Punkte in der Folge wieder ein. Am Ende entschieden die Berliner das Spiel glücklich für sich.

„Ich bin ein bisschen überwältigt von meinen Emotionen und mir fehlen die Worte zu diesem Spiel. Es war wie schon in der Bundesliga und noch besser, einfach ein großartiges Match und bestes Entertainment“, sagte Berlins Außenangreifer Kessel, der mit einem kleinen Eckchen seines guten Herzens auch mit den Volleyballern seines früheren Klubs aus Lüneburg mitlitt.