Berlin - Die acht Kästen Berliner Weizensaft waren am Donnerstagabend schon vor der Rückfahrt mit dem Doppeldeckerbus leer: getrunken, geschüttelt, als klebrige Duschen verspritzt. Die Party der BR Volleys nach dem fünften Meistertitel begann gleich in der Kabine des VfB Friedrichshafen, die eigentlich eine Art aufgepeppter Baucontainer war. Nach dem dritten Sieg der Finalserie schlitterten Sergej Grankin, Benjamin Patch und all die anderen Berliner Meister-Volleyballer bäuchlings zwischen den Umkleidebänken durch die Bierspur über den Boden.

Zuspieler Pierre Pujol wechselt in die italienische Liga

Dann mussten Trainer Cedric Enard und schließlich sogar Manager Kaweh Niroomand zum Diver antreten - auf Geheiß von Feierbiest Pierre Pujol, der mit den Berlinern bereits 2018 deutscher Meister geworden war. Nach einer Saison bei Ajaccio kehrte er zurück, um nach der wegen Corona abgebrochenen Vorsaison erneut die deutsche Meisterschaft zu feiern. Pujol verlässt den Klub allerdings nun Richtung Italien. Er schließt sich dem Team von Piacenza an. Aber seinen Abschiedsauftritt werden sie bei den BR Volleys wohl nicht so schnell vergessen

Der 36 Jahre alte französische Zuspieler und Vizekapitän riss im Bus das Mikrofon sofort an sich und dirigierte wie sonst am Netz lautstark, bestimmt und eloquent die Titelparty: Erst beorderte er Teamkollegen und Volleys-Mitarbeiter einzeln mit der Aufforderung „Speech“ zu einer Rede aufs obere Deck. Dann mussten auf sein Geheiß alle singen: Patch intonierte Beyoncé; Cody Kessel, der später am Abend die Rolle des DJs übernahm, sang Evergreens.

Eder Carbonera bevorzugte eher rockigere Töne. Der 37 Jahre alte Brasilianer, der mit dem Glanz des Olympiasiegs von 2016 nach Berlin kam, erst spät in der Saison sein wirkliches Leistungsniveau erreichte und in den Playoffs dann eine sichere Stütze im Mittelblock wurde, kehrt in seine Heimat zu Sesi São Paulo zurück. Er verlässt die BR Volleys nach einem Jahr und einem Titel ebenso wie seine Landsleute Renan Michelucci und Davy Moraes, die beide in der französischen Liga weitermachen.

Als bester Sänger im Team widmete Tim Carlé der 11. Meisterschaft der Berliner mit Pujol den ziemlich romantischen Song „Shallow“, den Bradley Cooper im Film „A star is born“ singt. Nächste Saison, so hoffen die BR Volleys, soll ihr Stern nicht nur in der Bundesliga, sondern möglichst auch in der Champions League aufgehen. Dafür haben Manager Niroomand und Trainer Enard erneut ein schlagkräftiges Team zusammengestellt.

Außenangreifer Cody Kessel bleibt in Berlin

Klar ist bisher, dass die Stammformation um Zuspieler Grankin, Diagonalangreifer Patch, Mittelblocker Anton Brehme und die Angreifer Samuel Tuia sowie Kessel bleibt. „Cody hat in den Playoffs gezeigt, warum er so wertvoll ist. Er gehört zu den Spielern, die als Botschafter der Mannschaft, als Gesicht sehr wichtig sind“, sagte Manager Niroomand.

Robin Baghdady soll ausgeliehen werden, um Spielpraxis zu sammeln, Libero und Nationalspieler Julian Zenger wechselt zu einem neuen Klub. Ob Denis Kaliberda, 30,  bleibt, ist noch offen. Auf der Busfahrt vom Bodensee nach Berlin jedenfalls war der Nationalspieler in der letzten Reihe eher ein stiller Genießer der Feier, weshalb er von Pujol mit entsprechenden Kalibarda-Songs aufgezogen wurde. Der Franzose jedenfalls hatte auf seiner letzten Busfahrt mit den BR Volleys so viel Spaß, dass seine Stimme am nächsten Tag eine Oktave tiefer klang als sonst.