Berlin - Als die deutsche Dressur-Equipe am Dienstag bei den Olympischen Spielen in Tokio zu Mannschaftsgold ritt, war Madeleine Winter-Schulze kurz im TV-Bild zu sehen und wurde dabei als Mäzenin von Isabell Werth vorgestellt. Das ist ein wenig untertrieben. Tatsächlich ist die inzwischen 80-jährige Berlinerin seit Jahrzehnten die einflussreichste Frau im deutschen Pferdesport. Und sie ist keineswegs nur die schützende Hand hinter Isabell Werth, die der feinfühligen Reiterin seit 2001 immer wieder die Auswahl der besten Nachwuchspferde ermöglicht hat. Als Sponsorin, Beraterin und Funktionärin der deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) war sie seit den 1990er-Jahren auch mit dem Olympiasieger Ludger Beerbaum verbunden, der für einige Jahre die internationale Szene des Sprungreitens dominierte.

Wer bei Wikipedia nachschlägt, stößt auf die Berufsbezeichnung Unternehmerin, was auf ihre Aktivitäten im Sport durchaus zutrifft, die neben der puren Leidenschaft stets auch von geschäftlichen Interessen getragen war. Madeleine Winter-Schulze hat es über 50 Jahre verstanden, immer wieder mit Gewinn in Sportpferde zu investieren, auch wenn diese mitunter wohl nur mit Ruhm und nicht in harter Geldwährung zurückzahlten.

Die unternehmerische Ader und das nötige Kleingeld aber stammt von ihrem Vater, dem bereits 1959 verstorbenen West-Berliner Autohändler Eduard Winter. Tochter Madeleine – ihre Schwester war die 2020 verstorbene Grand Dame des deutschen Trabrennsports Marion Jauß – war gerade 18, als sie mit einem Pferd namens „Coca Cola“ deutsche Meisterin in der Dressur wurde. Das Pferd war nicht einfach nur Opfer einer lustigen Namensgebung. Vater Eduard Winter war zu der Zeit Generalvertreter für Coca-Cola in Berlin, und ein bisschen wehte wohl auch der Hauch von Billy Wilders Film „Eins – zwei – drei“, in dem es ebenfalls um Coca-Cola in Berlin geht, durch das mondäne Leben der Madeleine Winter. Heute ist es geradezu anrührend, die eher damenhaft-zurückhaltende Frau mit der am Hals baumelnden Akkreditierung – und nach dem Silber für Isabell Werth und Bella Rose – mit gelöstem Lächeln am Dressur-Karree zu erleben.