Satou Sabally (links) lebt derzeit ihren amerikanischen Traum.
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BerlinEs ist so etwas wie die sportlich-europäische Version des amerikanischen Traumes: Ein junges sportliches Talent wechselt aus Europa an ein US-College, um sich dort für eine der großen amerikanischen Profiligen zu empfehlen. Und während man an den eigenen sportlichen Fähigkeiten feilt, ist man auch noch mittendrin in der berühmten College-Kultur der USA.

Die Berliner Basketballerin Satou Sabally lebt derzeit genau diesen sportlichen Traum. Vor drei Jahren ist die heute 21-Jährige aufgrund der größeren sportlichen Perspektive aus Deutschland an die renommierte University of Oregon gewechselt. Dort hat sie in den vergangenen Jahren für viel Furore gesorgt und galt zuletzt als eine der besten Collegespielerinnen der gesamten USA. Jetzt wagt sie den Sprung in die amerikanische Profiliga (WNBA). Sie tut dies als erst vierte deutsche Spielerin überhaupt und mit der Prognose, dass sie dort eine große Karriere hinlegen könnte.

Mit einem Zufall hat alles begonnen

Begonnen hat dabei alles mit einem Zufall: Neun Jahre war Sabally alt, als ein Basketballtrainer sie auf einem Berliner Spielplatz entdeckte. Ihm war aufgefallen, dass sie für ihr junges Alter sehr groß war und so lud er sie kurzerhand zu einem anstehenden Mädchentag des Deutschen Basketball Bunds ein. Sabally nahm die Einladung an und begann kurz darauf mit dem Basketballspielen. Zwölf Jahre später spielt sie nun nicht mehr auf Berliner Spielplätzen, sondern in großen Arenen.

Sabally ist dabei beileibe nicht nur eine Spielerin unter vielen. Im Gegenteil: Seitdem sie mit dem Basketballspielen angefangen hat, ist sie besser als die meisten anderen Spielerinnen auf dem Parkett. Das war in Deutschland so, wo Sabally schon mit 14 Jahren in der zweiten Bundesliga debütierte, und das ist nun auch in den USA so. Während andere Spielerinnen als sogenannte Freshmen in ihrem ersten Collegejahr eher wenig Spielzeit bekommen, glänzte Sabally in Oregon von Anfang an – mit beeindruckend guten Statistiken und einem ungemein ansehnlichen Spielstil.

Kelly Graves, Saballys Trainer am College, bezeichnete ihr Spiel einst als „poetry in motion“, ein sich bewegendes Gedicht. Was den Trainer zu dieser schmeichelhaften Metapher inspiriert hat, wird offensichtlich, sobald man Sabally einmal selbst beim Spielen zuguckt. Trotz ihrer Größe von immerhin 1,89 Meter bewegt sie sich schnell, flüssig und mit viel Eleganz über das Parkett. Hand- und Richtungswechsel inklusive eigentlich komplizierter Dribblings lässt Sabally dabei genauso einfach aussehen wie Würfe von hinter der Dreierlinie. „Sie hat uns hunderte neuer Fans beschert, weil es so unglaublich ist, ihr zuzugucken“, sagt ihr Trainer.

Sabally gilt als sehr vielseitig

Neben ihrem Trainer hat Sabally es auch den Basketballexperten in den USA angetan. Und noch viel wichtiger: Auch die Verantwortlichen der WNBA-Klubs zeigen sich von ihr begeistert. Beim diesjährigen Draft – dort werden jährlich die talentiertesten Nachwuchsspielerinnen verpflichtet – wird Sabally in der Nacht auf Sonnabend wohl als eine der ersten Spielerinnen ausgewählt. Laut Expertenprognosen schon von den als zweites ziehenden Dallas Wings. Aber auch Engagements bei den an Position drei und vier ziehenden Indiana Fever und Atlanta Dream sind möglich. So oder so wird mit der Verpflichtung durch ein WNBA-Team für Sabally ein „Kindheitstraum in Erfüllung gehen“, wie sie selbst sagt.

Aber nicht nur für den wegen des Corona-Virus in diesem Jahr rein digital ausgetragenen Draftabend, sondern auch für die Karriere danach wird Sabally in den USA einiges zugetraut. Holly Rowe, Draftexpertin vom Fernsehsender ESPN, beispielsweise bezeichnet die Berlinerin als „die wohl vielseitigste Spielerin im diesjährigen Draft“. Rowe bescheinigt Sabally das Potenzial, ihr zukünftiges Team ohne große Anlaufzeit besser zu machen, und erklärt auch gleich warum: „Sie hat einen guten Körper und kann rebounden. Sie ist eine großartige Werferin und hat einen starken Zug zum Korb entwickelt.“

Es ist die Kombination ihrer Fähigkeiten, die Sabally auszeichnet und die sich ihr aller Voraussicht nach auch finanziell bezahlt machen wird. Mindestens 68 000 US-Dollar verdienen die Spielerinnen der WNBA jährlich. Das ist zwar nur ein Bruchteil dessen, was ihre männlichen Kollegen bekommen, aber eben auch um Längen mehr als die Gehälter, die im deutschen Frauenbasketball gezahlt werden. Sabally kann und will das Geld nun unter anderem nutzen, um ihrer Familie etwas zurückzugeben. Das Verfolgen ihres sportlichen Traumes hat sich für Satou Sabally also in jederlei Hinsicht bezahlt gemacht.