Für die meisten, die es mit Hertha BSC halten, ist diese Wahrheit ein Graus, und doch bleibt auch nach der Hauptversammlung festzuhalten: Ohne Lars Windhorst geht es nicht. Ohne den umstrittenen Kapitalgeber ist für die Charlottenburger ein Aufschwung, womöglich noch nicht einmal ein Aufschwüngchen denkbar und machbar.

Oder man nimmt in Kauf, dass die Hertha auf Dauer ein Underdog ist. Denn ein anderer Sugar Daddy, der die Hertha aus der vertraglich fixierten Abhängigkeit mit Windhorst löst, wird sich nach dem Chaos der vergangenen Monate so schnell nicht finden lassen.

Das hat der 45-Jährige in seiner Rede am Sonntag zwar nicht konkret gesagt, ein Teil der Basis des Klubs, die sich in der Halle 20 der Messe Berlin versammelt hatte, hätte dergleichen ja womöglich als Anlass für einen spontanen Aufstand nehmen können. Nach ein paar bösen Zwischenrufen stellte Windhorst allerdings auch unumwunden fest, dass ein „Windhorst raus“ keinen Sinn mache, weil er ja in keinem Gremium des Klubs vertreten sei. Sein eingesetztes Kapital erachte er als nicht rückzahlbar. Und zum Wohle von Hertha werde er noch mehr Geld investieren, aber nur, wenn es tatsächlich einen richtigen Neustart gebe. Ein Neustart, durch den aus seiner Sicht das Erreichen der Renditeziele wahrscheinlicher wird.

Verlust in Höhe von 50 Millionen Euro prognostiziert

So handelt also auch er aus einer Drucksituation heraus, im Besonderen im Hinblick auf einen für die Saison 2022/23 prognostizierten Verlust in Höhe von 50 Millionen Euro, wird er sich deshalb auch weiterhin einmischen wollen. Es ginge ihm nicht darum mitzuentscheiden, erklärte er am Sonntag, aber ich „möchte mitdiskutieren“. Die entscheidende Frage dürfte sein, ob sich dahingehend zwischen dem am 26. Juni neu gewählten Präsidenten und der Windhorst-Fraktion ein Konsens finden lässt.