Peking - Erst flossen bei Franziska Preuß Freudentränen, dann hüpfte sie mit ihren Staffelkolleginnen jubelnd Hand in Hand auf das Podest. Die Bronzemedaille bei den Olympischen Winterspielen in China war für die deutschen Biathletinnen nach viel Kritik und teilweise ganz schwachen Auftritten in den vergangenen Monaten wie eine Erlösung. Vanessa Voigt, Vanessa Hinz, Preuß und Denise Herrmann belohnten sich am Mittwoch im eisigen Zhangjiakou für eine starke Teamleistung und mussten sich mit 37,4 Sekunden Rückstand nur Olympiasieger Schweden und dem russischen Team geschlagen geben.

„Es viel so viel Druck von den Schultern gefallen. Wir waren einfach nur noch am Schreien und Kreischen“, sagte Startläuferin Voigt. Die 24-jährige Thüringerin stand mit Hinz und Preuß im Ziel, als Herrmann mit letzter Kraft ankam und minutenlang bäuchlings im Schnee liegen blieb. „Eine Team-Medaille ist immer etwas ganz Besonderes. Bei den Weltmeisterschaften haben wir es jetzt immer richtig gut hingekriegt, aber Olympia 2018 ging richtig in die Hose“, sagte Herrmann.

Die zweite Medaille im neunten von elf Rennen

Vor vier Jahren wurden die favorisierten Deutschen in Pyeongchang nur Achte. Nun war es im neunten von elf Rennen die zweite Medaille in den Bergen im Nordwesten von Peking. Gleich im ersten Einzelrennen hatte Denise Herrmann vergangene Woche Gold über 15 Kilometer geholt. „Es haben alle einen richtig, richtig guten Job gemacht. Das hat mich motiviert. Wir sind verdient auf dem dritten Platz“, sagte Herrmann.

Noch bleiben am Freitag und Samstag die Massenstarts der Männer und Frauen, um die Bilanz aufzubessern. Nur zweimal Edelmetall hatte es für die DSV-Biathleten bislang nur bei Olympia 2014 gegeben. „Es ist sehr emotional für das ganze Team, auch das Team hinter dem Team“, sagte Preuß. Die Männer hatten in ihrem Staffelrennen am Dienstag Gold vor Augen, bis Schlussläufer Philipp Nawrath im letzten Schießen noch in eine Strafrunde musste. Am Ende gab es Platz vier. „Die Männer haben es genau so drauf und verdient. Es hat irgendwie dieses Quäntchen Glück gefehlt. Ich hätte es ihnen so gegönnt“, sagte Hinz.

Harte Arbeit bei schneidender Kälte

Die Bronzemedaille gab es, weil es gelang, den Gold-Favoriten Norwegen auf Abstand zu halten. „Dass wir eine Medaille holen, auf das haben wir uns eingeschworen, das war unser großes Ziel, und wir sind super happy“, sagte Frauen-Bundestrainer Kristian Mehringer. Im Weltcup hatten seine Frauen zuletzt enttäuscht und schienen phasenweise außer Form.

Zuvor hatte es 2010 in Vancouver letztmals eine Staffel-Medaille für die DSV-Frauen gegeben. Auch in Kanada war es Bronze, der bislang letzte Olympiasieg ist schon 20 Jahre her. „Krass, dieses Ding kann mir jetzt keiner mehr wegnehmen. Wir haben alle so hart dafür gekämpft. Es ist unglaublich, dass wir bei Olympia eine Medaille haben“, sagte Hinz.

Vorangegangen war harte Arbeit bei schneidender Kälte. Voigt begann bei strahlendem Himmel im Liegendschießen wie alle Favoritinnen ohne Fehl und Tadel. Die als gute Schützin bekannte Debütantin bei Winterspielen traf auch stehend alle fünf Scheiben sofort und blieb in der Spitzengruppe. Voigt übergab als Führende an Vanessa Hinz. Auch Hinz kam liegend ohne Nachlader aus, stehend musste die 29-jährige Bayerin beim letzten Schuss zweimal nachladen.

Die Schwedinnen ziehen davon und gewinnen Gold

Hinz schickte Preuß als Vierte auf die Strecke. Die durch eine Fußverletzung und eine Corona-Infektion lange ausgebremste Preuß blieb im Liegendschießen fehlerfrei. Die 27-Jährige, die vor den Winterspielen als aussichtsreichste deutsche Biathletin galt, brauchte beim letzten Schuss im Stehen drei Versuche. So betrug der Rückstand auf die Spitze 37 Sekunden, als Preuß auf Rang vier an Herrmann übergab.

Auch Herrmann traf liegend den letzten Schuss nicht sofort, sodass Schweden davonziehen konnte. Stehend patzte sie beim ersten Schuss, verteidigte aber Bronze vor Norwegens Olympiaheldin Marte Olsbu Röiseland. „Vor zwei Monaten hätte keiner gedacht, dass ich überhaupt hier dabei bin und jetzt habe ich meine Medaille. Cooler könnte es nicht sein“, fand Voigt.