„Ich bin enttäuscht über die Entscheidung des Vereins“: Achim Beierlorzer.
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MainzAchim Beierlorzer, 52, ist auf einem Tiefpunkt angelangt: An diesem Montag verkündete der FSV Mainz 05 die Trennung von seinem schwer angezählten Cheftrainer. Die Entlassung sei das Ergebnis einer Analyse der sportlichen Situation durch Sportvorstand Rouven Schröder und den Vorstandsvorsitzenden Stefan Hofmann, teilte der Bundesligist mit.

Trainingsstreik vergangene Woche, die 1:4-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart, zudem galt das Binnenverhältnis zwischen Trainer und Mannschaft als zerrüttet: Man habe sich mit der Frage beschäftigt, „in welcher Form wir der aktuellen Entwicklung Rechnung tragen und wie wir der Mannschaft kurzfristig und perspektivisch neue Impulse geben können“, ließ Schröder, 44, verlauten. Er hatte Beierlorzer vor zehn Monaten kurz nach seiner Entlassung beim 1. FC Köln mit einem Vertrag bis 2022 nach Mainz gelockt, obwohl dessen Referenz rheinabwärts mit Platz 17 nach elf Spieltagen arg überschaubar wirkte. Die Nullfünfer übergibt Beierlorzer nach zwei Spieltagen kurioserweise jetzt auf demselben Rang. 

Für das anstehende Auswärtsspiel bei Union Berlin (Freitag 20.30 Uhr) setzen die Nullfünfer auf eine interne Lösung, die zugleich die billigste Variante für den in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckenden Nischenklub bedeutet: Der bisherige Assistenz-Trainer Jan-Moritz Lichte übernimmt bis auf weiteres, wie es hieß.  Der 40-jährige Fußballlehrer gehört seit drei Jahren zum Trainerstab, drängte bislang aber nicht in die vordere Reihe. 

Es kann indes nicht schaden, wenn ein in seinen Grundfesten erschütterter Verein erst einmal allen Protagonisten ein bisschen Zeit gibt. Kaum ein Standort benötigt die nächste Länderspielpause so sehr wie die Rheinhessen, die in ihre schwerste Sinnkrise seit zwölf Jahren ununterbrochener Erstklassigkeit geraten sind. Dass unter die Chaostage kein schneller Schlussstrich gezogen werden kann, machte Schröder deutlich. Die Analyse der aktuellen Situation sei nicht abgeschlossen.

Auch der Manager steht wegen seiner Kommunikationspannen vor allem gegenüber dem nicht leicht zu führenden Profikader in der Schusslinie. Aber Schröder hat deshalb keine Entlassung zu fürchten, weil es zum einen eklatant an sportlicher Kompetenz im Vorstand fehlen würde, zum anderen besitzt er einen Vertrag bis 2024, dessen Auflösung sich der Klub schlicht nicht leisten kann.