Wie wichtig die makellose Eröffnungsfeier einer Weltsport-Veranstaltung ist, lässt sich am besten erkennen, wenn es zu Fehlern kommt. In Sotschi wollte sich im Februar eine Schneeflocke nicht öffnen und zum olympischen Ring werden. Der Rest der Show war perfekt. Aber in Erinnerung blieb doch die Panne. Daran lässt sich ermessen, wie groß die Aufgabe von Daphné Cornez ist.

Die Belgierin, eine blonde Mittdreißigerin, ist die Regisseurin der Eröffnungsfeier der Fußball-WM am Donnerstag in São Paulo. Eine fehlerlose Eröffnung empfiehlt sich besonders dann, wenn die Veranstaltung politisch umstritten ist. Nach der Panne von Sotschi geriet das Gerücht in die Welt, der fünfte, nicht entfaltete Ring stehe in der olympischen Symbolik für den amerikanischen Kontinent – in der russisch-amerikanischen Eiszeit war diese Interpretation verlockend. Das Internationale Olympische Komitee sah sich zu einer Klarstellung gezwungen.

Jennifer Lopez hat schon mal abgesagt

Auch die WM in Brasilien ist umstritten. Die Kosten, die Korruption, die Arbeitsbedingung auf den Baustellen, die Spaltung des Landes und die Proteste auf den Straßen trüben die Vorfreude. Eine rauschende Eröffnungsfeier könnte das in den Hintergrund treten lassen. Allerdings musste Cornez einen Rückschlag hinnehmen: Jennifer Lopez hat am Wochenende ihren Auftritt bei der Eröffnungsfeier abgesagt. Nun wird der WM-Song „We are one“ zum Show-Finale ohne die US-Popikone gesungen werden.

Cornez hat für die Zeremonie 25 Minuten und mehr als 600 Tänzer zur Verfügung. Die Feier solle ein Tribut an Brasilien und seine Schätze Natur, Menschen und Fußball sein, hat sie angekündigt. Probenbilder zeigen Trampolinspringer, Akrobaten und Capoeira-Kämpfer. Cornez kennt alle Facetten der Bühne. Ihre Mutter war Clown, ihr Vater Opernsänger. Der Vater nahm sie schon als Kind als Sängerin mit auf die Bühne. Nach der Schule besuchte sie das Konservatorium im belgischen Mons. Aus der Darstellerin wurde eine Regisseurin.

Sprung nach Brasilien

Sie fing an mit historischen Spektakeln in ihrer Heimat. Irgendwann entdeckte Franco Dragone die Frau, ein internationaler Unterhaltungs-Unternehmer aus Belgien, der für den Cirque du Soleil inszeniert hatte. Mit ihm erarbeitete sie die Eröffnungsfeier der Südamerika-Spiele 2010 in Kolumbien. Der Weg von dort nach Brasilien war nicht mehr weit. „Es ist ein großes Privileg, dank anderer Menschen meine Fantasie Wirklichkeit werden zu lassen“, hat Cornez ihren Beruf einmal beschrieben. In Brasilien darf sie das gleich zweimal. Auch die Schlussfeier am 12. Juli in Rio wird sie inszenieren.