Berlin - Wieder Fans auf den Rängen, fast komplett geimpfte Spieler auf dem Eis und mehr Geld in den Klubkassen - die Deutsche Eishockey Liga (DEL) macht sich nach ihrer Geisterspiel-Saison auf den beschwerlichen Weg zurück in die Normalität. „Nach einem sehr, sehr komischen Jahr gibt es immer noch Unwägbarkeiten“, sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke gut eine Woche vor dem Start in die neue Spielzeit: „Aber es ist nicht ganz so unplanbar wie letzte Saison.“

Kölner Haie dürfen vor bis zu 9300 Zuschauern spielen

Die Rückkehr der Zuschauer unter Coronabedingungen – bis zu 9300 beim Krösus Kölner Haie – soll auch die enormen wirtschaftlichen Einbußen der vergangenen anderthalb Jahre abfedern. Nach einem Einnahmeausfall von 60 Millionen Euro und einem ligaweiten Umsatz von nur noch 84 Millionen in der Vorsaison peilt Tripcke „einen Bereich von 100, 120 Millionen“ an. Vor Corona hatte die DEL 130 Millionen im Jahr umgesetzt, Tendenz steigend. Schon durch die Absage der Play-offs 2020 hatten 20 Millionen gefehlt.

Seit Dienstag ist diese Hochrechnung realistischer. Zuvor konnten zwar die Haie mit einer halbvollen Kölnarena und Aufsteiger Bietigheim Steelers sogar mit einem komplett gefüllten Stadion und 4500 Zuschauern planen, doch die fünf bayerischen Klubs kämpften noch um ihre Fans.

Die bayerischen Profiklubs der Hallensportarten dürfen aufatmen. Die Staatsregierung lockerte bei einer Kabinettssitzung am Dienstag die Bestimmungen für die Zulassung von Zuschauern. Demnach dürfen in Hallen mit einem Fassungsvermögen bis zu 5000 Besuchern alle Plätze nach der 3G-Regel belegt werden - allerdings muss am Platz Maske getragen werden, wenn die Abstände nicht eingehalten werden können.

Geht die Kapazität einer Halle über 5000 Besucher hinaus, stehen noch 50 Prozent der weiteren Plätze zur Verfügung. Den Veranstaltern ist es freigestellt, ob sie auf Masken bestehen. Ohne Masken muss die Zuschauerzahl aber so weit reduziert werden, dass die vorgeschriebenen Abstände (1,5 Meter) eingehalten werden können. Zwischen Sitz- und Stehplätzen wird nicht mehr unterschieden. Veranstalter können eigenmächtig die 2G-Regel anwenden.

Damit herrschen zunächst gleiche Bedingungen für die Klubs der Deutschen Eishockey Liga (DEL), die am 9. September in die neue Saison startet. Bereits am Montag hatten die Eisbären Berlin vermeldet, dass sie ab sofort in der Arena am Ostbahnhof vor maximal 6450 Zuschauern spielen. Das bedeute, dass alle Dauerkarten-Inhaber die Spiele nun vor Ort verfolgen könnten. „Wenn das kein Grund zur Freude ist!“, schrieben die Eisbären in ihrer Mitteilung.

Es gelten allerdings wegen der weiter anhaltenden Corona-Pandemie einige Sonderregelungen sowie einige Auflagen. Dazu gehört auch, dass nur Genesene, Getestete oder Geimpfte zugelassen sind. Das erste Pflichtheimspiel steigt am 9. September gleich mit dem Kracher des Titelverteidigers gegen EHC Red Bull München. Nach der stark verkürzten Corona-Saison, die die Berliner als Meister abschließen konnten, wird ab der kommenden Woche wieder in der gewohnten Doppelrunde gespielt – nach dem Aufstieg von Bietigheim sogar mit 15 Klubs. Sportdirektor Stéphane Richer zeigt sich bereits im Vorfeld angriffslustig und lässt keine Zweifel an der Zielsetzung der Berliner. „Eisbären gehen immer in die Saison, um Meister zu werden“, sagte der 55 Jahre alte Kanadier am Dienstag: „Ziel muss es sein, den Titel zu verteidigen“, betonte Richer.

Zudem ist der Sportdirektor froh, dass seine Spieler nicht ein weiteres Mal vor leeren Rängen auf Titeljagd gehen müssen. „Wir freuen uns sehr, unsere Fans wiederzusehen“, sagte Richer und versprach: „Die Stimmung wird super.“ 

Spieler der Eisbären Berlin zu 99 Prozent geimpft

Damit die Zuschauer auch in den vollen Genuss aller Partien kommen, sollen Spielausfälle durch eine hohe Impfquote vermieden werden. Tripcke sprach von „mehr als 90 Prozent geimpften Spielern und Betreuern“. Manager Stephane Richer vom Meister Eisbären Berlin bezifferte die Quote in seinem Klub gar auf „99 Prozent“. Vor der Saison mussten sich alle Spieler – auch die geimpften – Coronatests unterziehen. Ist der Spielbetrieb aufgenommen, werden nur noch die nicht geimpften Spieler kontrolliert – entweder zweimal pro Woche mit PCR- oder jeden Tag mit Schnelltests. „Das macht es ein bisschen entspannter“, sagte Tripcke.