Wer überträgt ab der Saison 2021/2022 die Bundesligapartien auf welchem Medium?
Foto: Oliver Zimmermann/Imago Images

Frankfurt am MainVernunft als oberstes Gebot: Mit einer neuen Prämisse geht Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), in die Verhandlungen über die Medienrechte für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25. „Gesundes und nachhaltiges Wachstum wäre mir lieber als irrationales Wachstum als Folge einer strategischen Bieterschlacht.“ Wie schon die Vereinsbosse Karl-Heinz Rummenigge (FC Bayern) und Hans-Joachim Watzke (Borussia Dortmund) angedeutet haben, stellt sich die Liga darauf ein, dass „auch Medienmärkte irgendwann an Grenzen kommen“, so Seifert, der von einem „neuen Realitätsbewusstsein“ sprach. „Wir haben schon ein hohes Umsatzniveau erreicht.“ Utopisch sei eine Steigerungsrate wie bei der letzten Rechtevergabe vor vier Jahren, als die Einnahmen sprunghaft um 83 Prozent auf insgesamt 4,6 Milliarden Euro schnellten.

Entscheidend wird die Phase vom 27. April bis 8. Mai, wenn täglich ein Paket versteigert wird. Die letzte Entscheidung fällt dann die Liga-Versammlung am 11. Mai. Seifert, 50, sprach am Dienstag von der „wahrscheinlich kompliziertesten und wertvollsten Rechtevergabe seit der Erfindung des Fernsehens.“ Das wertvollste Sportrecht in Deutschland umfasst pro Saison 617 Spiele der Bundesliga und Zweiten Liga inklusive Relegation und Supercup.

Mehr Wachstum durch neue Plattformen

Erneut sollen die Live-Rechte für die Preissteigerung sorgen, wenn Interessenten wie Sky, DAZN, Amazon, Telekom oder Discovery um vier Pakete buhlen: Die Konferenz am Sonnabend, die Einzelspiele am Sonnabend, den Supercup sowie die nun in einem Paket zusammengefassten Partien am Freitag und Sonntag. Das Bundeskartellamt hat bekanntlich weiter auf der „No exklusive owner rule“ bestanden: Falls ein Anbieter alle vier Live-Pakete erwirbt, bekommt in einer weiteren Auktion ein zweiter Anbieter die Chance, die Spiele parallel im Internet oder Mobile-TV zu übertragen. Damit wird die große Abhängigkeit von nur einem Medienunternehmen verhindert. Zur Rolle des größten Finanziers Sky, der sich die Rechte derzeit im Schnitt 876 Millionen Euro pro Saison kosten lässt, sagte Seifert: „Sky ist ein wichtiger Partner, es ist aber nicht unsere Aufgabe, dass Sky zum Zuge kommt.“

Einiges an Wertzuwachs verspricht sich der Vermarktungsprofi von „digitalen Innovationen“: etwa mit der Möglichkeit, während einer laufenden Partie sich die Torwiederholungen auf dem Smartphone anzusehen. Auch sollen zusammenfassende Clips künftig direkt nach Abpfiff zu sehen sein. Dazu erwerben die Rechteinhaber gleichzeitig ein umfangreiches Paket an Marketingleistungen. Die DFL möchte den Spagat schaffen, die Live-Berichterstattung im Pay-TV zu stärken und die Free-TV-Berichterstattung auszubauen. Seiferts Versprechen: Wir werden den Regelspielplan im Wesentlichen erhalten und auf Spiele am Montag verzichten. Das ist ein Novum in Europa.“

Tatsächlich halten sich die Neuerungen in Grenzen: Die zehn Entlastungsspiele für die Europa-League-Starter, die bisher zur Hälfte am Sonntag um 13.30 Uhr oder am ungeliebten Montag um 20.30 ausgetragen wurden, finden künftig alle am Sonntag um 19.30 Uhr statt.