Die Eisbären erzielen das 3:1: Auf Vorarbeit von Lukas Reichel und Maxim Lapierre befördert PC Labrie den Puck ins gegnerische Tor.
Foto: Matthias Renner/City-Press

Berlin-FriedrichshainUnter den 12.508 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof tummelten sich am Sonntag nicht nur die Fans der Eisbären und ihres Gegners ERC Ingolstadt. Knapp 20 Scouts der Teams aus der nordamerikanischen Profiliga NHL, die ab Montag internationale Talente bei einem U19-Turnier im Wellblechpalast zu Hohenschönhausen beobachten, gesellten sich dazu. In erster Linie vermutlich, um Lukas Reichel mal wieder unter die Lupe zu nehmen, der gute Aussichten hat, beim kommenden NHL-Draft ausgewählt zu werden.

Der 17 Jahre alte Stürmer wusste beim 6:2 (3:1, 2:1, 1:0) der Berliner zu überzeugen, zwei Tore bereitete er mit vor. Allerdings stahl ihm Nebenmann Maxim Lapierre etwas die Show. Der Mittelstürmer, 34, fälschte beim 1:0 nach 57 Sekunden einen Schuss von Jonas Müller ab. Nach zwischenzeitlichem Ausgleich durch Kris Foucault in Powerplay (11.), sorgte er mit einem Spieler weniger auf dem Eis für die erneute Führung. Beim 3:1 in Überzahl konnte Lapierre die Vorlage Reichels nicht verwerten, leitete den Puck mit den Schlittschuhen aber so geschickt weiter, dass PC Labrie sich als Torschütze feiern lassen durfte.

Eisbären müssen auf Constantin Braun verzichten

Das zweite Drittel startete für die Hausherren ohne Constantin Braun wegen einer Unterkörperverletzung, aber mit einer vierminütigen Überzahl. In der letzten Aktion vor der Pause hatte EHC-Stürmer Leo Pföderl einen hohen Stock von Dustin Friesen ins Gesicht bekommen; entgegen aller Befürchtungen war er weiterhin mit von der Partie. 51 Sekunden, ehe der bestrafte Ingolstädter zurückkehrte, lag der Puck ein viertes Mal im gegnerischen Tor, Ryan McKiernan hatte ihn mit einem satten Schuss dorthin befördert.

Unmittelbar nach dem 5:1 durch Marcel Noebels, der seinen 21. Saisontreffer markierte und somit im Schnitt in jedem Spiel einen Punkt erzielte, kam dann aber Hektik auf. 26 Sekunden später war Eisbären-Keeper Justin Pogge bezwungen. Eine gute Minute später schickten die Schiedsrichter Fabian Dietz wegen eines sogenannten „unkorrekten Körperangriffs“ für den Rest des Spiels in die Kabine. Die Unterzahl, die sich wegen eines Ingolstädters von fünf auf drei Minuten reduzierte, überstanden die Eisbären aber. "Das war ganz entscheidend", sagte Berlins Trainer Serge Aubin.

Es war die vielleicht entscheidende Phase, um sicherzugehen, dass der Heimsieg gegen den Mitbewerber um die ersten vier Plätze in der Hauptrunden-Tabelle, die Heimrecht im Play-off bedeuten, nicht mehr gefährdet ist. Nach der unglücklichen 1:2-Heimniederlage gegen die Straubing Tigers am Freitag bestand die Gefahr, dass die Eisbären mit einem nicht ganz so guten Gefühl in die Länderspielpause gehen müssen. "Kämpferisch haben die Jungs einen herausragenden Job gemacht. Das müssen wir uns in Erinnerung bewahren", fand Aubin.

Spielerische Highlights hatte das letzte Drittel, das die Ingolstädter im Tor mit Timo Pielmeier statt Jochen Reimer bestritten, wenige zu bieten. Viele kleine Unterbrechungen und Nickligkeiten ließen den Schlussakkord zäh wirken. Nur gelegentlich waren alle zwölf Mann auf dem Eis. 81 Sekunden vor der Schlusssirene erhöhte Austin Ortega aber noch auf 6:2 und sorgte dafür, dass sowohl die NHL-Scouts als auch die EHC-Fans einen letztlich souveränen Sieg zu sehen bekamen.