Berlin - In der letzten Minute hielten es die Eisbären-Profis nicht mehr aus, auf der Bank zu sitzen. Und als schließlich die Schlusssirene so lustvoll dröhnte, flogen die Helme, Schläger, einfach alles, was einen Eishockeyprofi daran hindert, die Kollegen zu herzen und zu umarmen. Zu realisieren, dass der Moment eingetreten ist, für den man das ganze Jahr gearbeitet, geschwitzt, manchmal auch gelitten hat. „Es war eine schwierige Saison. Es ist unglaublich, dass wir das geschafft haben“, sagte Sportdirektor Stéphane Richer.

Nun ist Nummer acht also vollbracht! Dank eines 2:1 (1:1, 1:0, 0:0) gegen die Grizzlys Wolfsburg sind die Eisbären wieder dort, wo sie nach dieser herausragenden Saison auch hingehören: zurück auf dem Eishockeythron. Und nicht weniger wichtig: Mit diesem Titel dürfen sich die Bären wieder alleiniger Rekordmeister der Deutschen Eishockey Liga nennen. 

Die erste Ehrung des Abends wurde Ryan McKiernan zuteil. Mit sieben Toren und herausragenden Defensivleistungen wurde der US-Amerikaner zum wichtigsten Spieler dieser Playoffs gekürt. Und dann lag es an Frank Hördler als Kapitän, zusammen mit seinen Assistenten Kai Wissmann und John Ramage, die Silbertrophäe zu wuchten, ehe das Feuerwerk krachte und der Goldregen auf das Eis niederrieselte. Ehe es dann, und das war dann doch das Betrübliche an diesem Abend, auf die Siegerehrung in einer verwaisten Arena ging. „Diese Meisterschaft ist der Wahnsinn“, sagt Marcel Noebels und Leo Pföderl, Schütze des Siegtores gibt die Devise für die Nacht aus: „Im Feiern waren wir schon immer klasse.“

Gegenmittel zum Coronablues

Es war vor allem der Charakter, der diese Mannschaft zum Champion dieser besonderen Saison getragen hat. In jeder K.-o.-Runde standen die Berliner mit dem Rücken zur Wand, mussten eine Auftaktniederlage in die jeweilige Serie wegstecken. Aber das hat sie keinesfalls runterzogen, sondern noch stärker und williger werden lassen.

Und sie hat das beste Gegenmittel gegen den Coronablues gefunden, indem sie mit ihrer Art Eishockey zu spielen begeisterte und als eingeschworener Haufen alle Widrigkeiten regelrecht beiseite checkte. 

Das galt auch für dieses dritte Spiel gegen Wolfsburg: Die Brisanz nahm gleich zu Beginn zu, weil der Wolfsburger Ausgleich zum 1:1 nicht hätte zählen dürfen. Unmittelbar nach dem EHC-Führungstreffer durch Mark Olver (2.) checkte Eisbären-Kapitän Frank Hördler Valentin Busch, der dabei seinen Helm verlor. Den anschließenden Pass auf Mathis Olimb, der 25 Sekunden nach dem 1:0 traf, hätte nicht gespielt werden dürfen. Was EHC-Coach Serge Aubin dann auch emotional bei den Schiedsrichtern bemängelte. Gerade in einem Finale kann eine derartige Fehlentscheidung besonders schmerzen.

Leo Pföderl sorgte für die Entscheidung

Aber die Eisbären sorgten selbst dafür, dass diese Szene nicht in besonderer Erinnerung bleiben wird. Wie groß der Wille war, den Meisterpokal zum ersten Mal seit 2013 wieder in den Händen zu halten, zeigte Kai Wissmann, als er das 2:1 vorbereitete. Der Verteidiger, der für gewöhnlich zu den unauffälligeren EHC-Profis zählt, erkämpfte im Fore-check den Puck, kurvte hinter das Wolfsburger Tor und bediente Pföderl mustergültig zum Siegtreffer.

Und bis zur Erlösung durch die Schlusssirene zeigten die Eisbären das, was sie so oft ausgezeichnet hat: Sie gaben keinen Zentimeter des Berliner Eises preis, scheuten keinen Zweikampf, opferten sich füreinander auf. Um dann im Augenblick des Saisonendes übereinander herzufallen.