Der neue Eisbären-Torwart Justin Pogge spielte zuletzt in der zweiten schwedischen Liga.
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BerlinEigentlich war alles wie immer: Als erster Profi des Eisbärenteams lief Torwart Sebastian Dahm aufs Eis der Arena, ihm folgte mit Basecap statt Helm Ersatz-Keeper Maximilian Franzreb, der wieder den Platz ganz rechts auf der EHC-Bank einnahm, um von dort aus das Spiel seiner Kollegen zu verfolgen. 

Schon vor dem 3:2-Sieg gegen die Augsburger Panther war allerdings klar, dass dieses Gespann womöglich zum letzten Mal zusammen einen Spieltag bestreiten wird. Denn Stunden vorher vollzog sich, worüber schon länger spekuliert wurde: Die Eisbären haben mit dem Kanadier Justin Pogge einen neuen Schlussmann verpflichtet. Als Reaktion auf die  Diskussion über die Qualität des Duos Dahm/Franzreb. „Wir analysieren ständig unser Team und den Transfermarkt. Dabei sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir auch auf der Torwartposition mehr Tiefe brauchen“, sagt Sportdirektor Stéphane Richer. 

Justin Pogge soll die neue Nummer eins werden

Pogge, 33 Jahre alt, absolvierte zuletzt zehn Partien in der zweiten schwedischen Liga, nachdem er zuvor in der SHL, der Topliga des Landes, bei Rögle BK angestellt war.   In seiner Karriere hütete Pogge immerhin sieben Mal das Tor eines NHL-Teams, in der Saison 2008/2009 für die Toronto Maple Leafs. Nachdem er 2004 von dieser Franchise beim Draft in der dritten Runde ausgewählt wurde und zwei Jahre später mit dem U20-Team seines Heimatlandes die Junioren-Weltmeisterschaft gewann, kam er vor allem in der Farmteam-Liga AHL zum Einsatz. Deshalb entschied er sich, 2012 nach Europa zu wechseln, wo er in Italien, in der KHL für Slovan Bratislava und eben in Schweden Erfahrungen sammelte.  „Er kommt mit viel Europa-Erfahrung“, sagt Richer, „er wird sich schnell bei uns einleben und um die Position der Nummer 1 im Tor kämpfen.“

Zum Jahreswechsel liest sich die Eisbären-Bilanz mit Platz vier ordentlich, der Sieg gegen Augsburg war der sechste in den letzten acht Spielen. Trotz Chancenplus und spielerischer Überlegenheit war es allerdings ein mühsamer Gang. Leo Pföderl und PC Labrie glichen nach Rückständen jeweils aus (15./38.).  In der 43. Minute sorgte Maxim Lapierre in Unterzahl für die erste Führung. Diese reichte aus, um trotz schwindender Kräfte den Sieg im letzten Spiel des Jahres zu sichern. Mit einem neuen Torwart versprechen sich die EHC-Verantwortlichen, dass sich in brenzligen Situationen die Qualität noch erhöht.

Mit 1 609 Minuten und 34 Sekunden Einsatzzeit stand Dahm vor der Partie gegen Augsburg 86,08 Prozent der gesamten Spielzeit im Tor, seine Abwehrquote lag bei 90,66 Prozent, im Schnitt kassierte er pro Spiel 2,68 Gegentore. Aber er genießt nicht die Anerkennung, die ein Torhüter als Rückgrat der Mannschaft braucht. Nach dem 4:5 in Schwenningen Anfang Dezember zählte Serge Aubin seine Schlussmänner an. „Wenn wir uns auf der Torwartposition nicht steigern, wird es schwer“, sagte er.

In ebendieser Partie stand Franzreb im Tor, dem es  nicht gelungen ist, sich als Alternative, geschweige denn als ernsthafte Option für die Zukunft zu empfehlen. Mit inzwischen 23 Jahren ist der gebürtige Tölzer kein Eishockeyprofi mehr, dem man  mehrere Fehler als Teil der Ausbildung zugesteht. Mit einem Gegentorschnitt von 2,77 rangiert er statistisch in ähnlichen Gefilden wie Dahm. Dennoch kam er insgesamt nur siebenmal zum Einsatz, häufig auch erst dann, wenn Dahm nach einem schlechten Start frühzeitig aus dem Tor genommen wurde.

Offiziell soll  Pogge den Konkurrenzkampf entfachen. Natürlich ist mit dieser Verpflichtung die Hoffnung verbunden, einen Keeper zu haben, der aufgrund seiner Leistungen keine Diskussionen über die Hierarchie im Tor zulässt. Der mit außergewöhnlichen Paraden ein Spiel entscheiden kann, wenn die Durchschlagskraft mal fehlt.