Eisbären-Verteidiger Jonas Müller rechnet sich gute Chancen auf Platz drei aus.
Foto: Andreas Gora/Imago Images

Berlin-HohenschönhausenSerge Aubin hat sich zu Beginn dieser Woche noch etwas intensiver als üblich dem Videostudium gewidmet. Weil er wegen des Todes seines Vaters am vergangenen Wochenende nach Kanada gereist war, sah er weder das 3:2 in München nach Penaltyschießen noch das 2:1 gegen Schwenningen live. Allerdings bereitete ihm Freude, was er im Nachgang zu sehen bekam. „Ich bin sehr zufrieden, wie die Jungs das gelöst haben. Sie waren im richtigen Wettkampfmodus.“ Insbesondere der Charaktertest gegen den Tabellenletzten aus dem Schwarzwald offenbart den Reifeprozess, den die Mannschaft während dieser Saison durchlaufen hat. Verteidiger Jonas Müller sagt: „Wir hatten schon Schwierigkeiten in dieser Saison, wenn wir die Topteams geschlagen haben und dann am nächsten Spieltag gegen Krefeld oder so gespielt haben.“

Mit Leichtsinn oder gar Motivationsproblemen sollten die Eisbären in den letzten beiden Spielen vor der einwöchigen Spielpause nicht zu kämpfen haben. Denn vor allem die Partie am Freitagabend in heimischer Halle gegen die Straubing Tigers (19.30 Uhr)     wird intensiv geführt werden wie eine Play-off-Partie.   Platz drei, auf dem die Niederbayern mit sieben Punkten Vorsprung und einem Spiel mehr stehen, ist das höchste Ziel, das die Eisbären in der Hauptrunde noch erreichen können. „Man hat das natürlich alles schon mal durchgerechnet“, sagt Müller, „wenn wir gegen Straubing und unser Nachholspiel gewinnen, sind wir nah dran.“ Für Aubin ist diese Zielstellung eher zweitrangig. Für ihn geht es vielmehr darum, „sich mit einem Team zu messen, das über uns steht“. Um sich weiter für die Ausscheidungsrunde zu stählen.

Eisbären-Torwart Justin Pogge strahlt Sicherheit aus

Nach den letzten Eindrücken fügen sich die einzelnen Bausteine im Team immer besser zusammen, je näher die entscheidende Saisonphase rückt. Der erst zum Jahresende 2019   verpflichtete Torwart Justin Pogge strahlt inzwischen Ruhe aus, entschärft Großchancen und entscheidet somit Spiele. „Es hat ein bisschen länger gedauert als gehofft, bis ich mich an die Mannschaft gewöhnt habe. Und auch die Mannschaft hat sich an mich gewöhnen müssen“, sagt er.

Und die Balance aus Offensivdrang und defensivem Verantwortungsgefühl pendelt sich immer besser ein. Was auch damit zu tun hat, dass Aubin in seinen Planungen   nur auf Louis-Marc Aubry verzichten muss. Florian Busch, der seit geraumer Zeit krankgeschrieben ist, sowie Sean Backman, der nach einer Gehirnerschütterung, die er beim Spiel in Nürnberg am 31. Oktober erlitten hat, noch nicht mal im Kraftraum trainieren kann, werden in dieser Saison nicht mehr auflaufen. Und noch immer besteht ja die Möglichkeit, einen Spieler zu verpflichten.

„Wir wollen mit einem guten Gefühl in die Pause gehen“, gibt Aubin als Ziel vor, der nicht nur per Video, sondern   live und inmitten aller Emotionen die Fortschritte seines Ensembles beobachten möchte.