Düsseldorfs Torwart Mathias Niederberger ist schwer zu bezwingen.
Foto: Moritz Eden/City-Press

BerlinDass der letzte Hauptrundenspieltag der Eisbären durch eine gewisse Ungewissheit geprägt war, hatte nichts mit der sportlichen Leistung in den vergangenen 52 Spielen zu tun. Nach dem 4:3 gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven herrschte weitgehend Zufriedenheit mit dem, was die Mannschaft   seit September gezeigt hat. Über „dieses Kapitel“, wie Trainer Serge Aubin die erste Saisonphase rückblickend nannte, sagte Kapitän André Rankel später: „Unser Ziel war von Anfang an das Heimrecht, das haben wir geschafft, das macht uns auch selbstbewusst. Wir hatten immer mal Phasen, in denen es nicht so lief, aber wir haben immer einen Weg gefunden, um da wieder rauszukommen und zu zeigen, was wir wirklich können.“

Aber natürlich war auch in den Katakomben der Arena am Ostbahnhof am Sonntagnachmittag das Coronavirus das beherrschende Thema. Wie in der Schweiz bereits praktiziert, drohen   auch in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) Geisterspiele oder womöglich sogar Spielabsagen. Ausgerechnet jetzt, wo sich alle, die mit dem Eishockeysport verbunden sind, auf die Play-offs und den   Titelkampf freuen.   „Ich bin kein Spezialist in diesen Dingen, das müssen die Fachleute entscheiden“, sagte EHC-Sportdirektor Stéphane Richer, „es wäre richtig schade für uns und vor allem für die Jungs, wenn das ausfallen würde. Aber wir müssen abwarten und werden weiter trainieren.“

Die Eisbären verloren dreimal gegen die DEG

Immerhin konnte in den vergangenen Tagen schon mal reichlich Videomaterial über die Düsseldorfer EG zusammengetragen werden, denn wirklich überraschend kommt dieser Gegner im Viertelfinale, das am 17. März starten soll, nicht. Und nach den Erfahrungen aus der Hauptrunde mit einem 0:4 und 1:2 auf fremdem Eis sowie einem 3:1 und einer 1:2-Niederlage vor zehn Tage in heimischer Halle stehen die Eisbären vor einer gewaltigen Herausforderung. Harold Kreis, Chefcoach der DEG, ließ am Sonntag auf Rückfrage entsprechend durchblicken, dass die Berliner dem Stil seiner Mannschaft liegen.

„Sie haben die beste Abwehr der Liga, weil sie das mannschaftlich sehr geschlossen spielen“, sagte Aubin mit der Erwartung, „dass wir viele Spiele mit einem Tor Unterschied sehen werden.“ Für die Eisbären wird es   bis zum Show-down darum gehen, an der eigenen Effizienz zu arbeiten. Mit 169 Toren stellten die Berliner zwar die viertbeste Offensive der Liga. Im letzten Vergleich mit den Rheinländern offenbarte sich, was passiert, wenn trotz optischer Überlegenheit der Erfolg ausbleibt.     Düsseldorf markierte das 1:0, das die Eisbären zunächst ausgleichen konnten. Dennoch wirkten die Berliner angefressen und kassierten in der Verlängerung das Tor zur Niederlage. „Es wird ein Geduldspiel, in dem wir schauen müssen, dass wir dranbleiben und nicht frustriert sind“, blickt Rankel voraus. „Wir müssen unser Spiel durchziehen, wir müssen darauf achten, was wir tun.“

Torwart Niederberger wird umworben

Erschwerend kommt hinzu, dass die Gäste mit Mathias Niederberger den aktuell besten DEL-Torwart zwischen den Pfosten stehen haben. Alle gängigen Statistiken führt der Nationalkeeper an. Kein Wunder, dass die Eisbären ihn gerne zur kommenden Saison verpflichten würden. Die Bildzeitung berichtete als erstes Medium davon, dass der Vertrag unterschrieben worden ist. Eine Bestätigung ist bis zum Ende dieser Serie natürlich nicht zu erwarten.

Vor allem im Powerplay, in dem sie statistisch nur Platz zwölf nach der Hauptrunde belegen, müssen die Berliner zulegen, um in einem umkämpften Spiel den Unterschied zu machen. Und   die Disziplin sollte zurückkehren. Dass Jonas Müller im ersten Viertelfinale fehlen wird, weil er nach dem vorletzten Spieltag zu zwei Spielen Sperre verdonnert wurde, steht sinnbildlich für die meisten Strafminuten der Liga (677) − Düsseldorf sammelte 223 Minuten weniger.   Rankel sagte: „Wir haben noch mal acht, neun Tage Pause. Da geht es darum, dass wir uns voll auf die Play-offs vorbereiten.“ Vorausgesetzt natürlich, dass ein Virus nicht alles über den Haufen wirft.