Maxim Lapierre überzeugte nicht nur gegen Ingolstadt, sondern gehört zu den Anführern im Team.
Foto: Andreas Gora/dpa

BerlinIngolstadts Trainer Doug Shedden wirkte nach dem 2:6 seiner Mannschaft am Sonntag in Berlin reichlich frustriert.   „Vor 16 Tagen waren wir zum letzten Mal hier und hatten ein aufregendes Spiel nach 2:4-Rückstand noch gewonnen“, dozierte er, „wir haben damals einen guten Kampf abgeliefert.“ Kurzfristig hatten die Oberbayern die Eisbären sogar von Platz vier verdrängt. Seit diesem Freitagabend im Januar „sind wir aber nicht mehr das gleiche Team“, sagte Shedden. „Die Jungs haben hier vor der Heimreise noch ein paar Burger gegessen, und ich weiß nicht, was da drin war. Aber wir haben unseren Willen und unser Zweikampfniveau verloren.“ Die Länderspielpause komme nun genau richtig, um sich neu zu besinnen.

Die Eisbären freuen sich ebenfalls auf die Auszeit, die Kai Wissmann und Sebastian Streu bei einem Nachwuchslehrgang der Nationalmannschaft in der Schweiz verbringen werden. Am kommenden Sonntag wird auf der Alten Eisbahn in Lankwitz dann das Training wieder aufgenommen. Maxim Lapierre, der gegen Ingolstadt zwei Tore erzielt und ein weiteres vorbereitet hatte, sagte nach dem Spiel: „Wir hatten viele Verletzungen in den letzten Monaten, einige Jungs mussten entsprechend viel Eiszeit nehmen. Die Pause jetzt ist wichtig, um den Kopf etwas freizubekommen und mal ein paar Tage nicht aufs Eis zu gehen.“ Dennoch bestätigte er die Grundstimmung der Eisbären nach 42 Partien: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Mit 74 Punkten stehen sie auf Rang vier und damit bei einem Spiel weniger neun Zähler und drei Ränge vor Ingolstadt. Die Stimmung der beiden Mannschaften vor dem Schlussakkord der Hauptrunde könnte gegenteiliger also nicht sein.

Die Eisbären haben eine Antwort parat

Am Freitag wirkten auch die Berliner angefressen. Im Duell mit den Straubing Tigers wollten sie den Rückstand auf Platz drei verkürzen, was misslang, 1:2 lautete das Ergebnis aus ihrer Sicht. „Ich wollte nach diesem Spiel eine Reaktion sehen, die Jungs haben diese Herausforderung angenommen“, lobte Eisbären-Headcoach Serge Aubin. Die Enttäuschung war zwar nicht vergessen, aber in dieser   intensiven Form zu antworten, war ein wichtiges Signal vor den Play-offs. Auch in der K.-o.-Runde wird es darauf ankommen, Rückschläge innerhalb kürzester Zeit wegzustecken und   binnen weniger Stunden Lösungen zu finden, ein anderes Gesicht anzubieten. „Die Jungs haben einen herausragenden Job gemacht, was das Zweikampfniveau angeht“, sagte Aubin.

Ich wollte nach diesem Spiel eine Reaktion sehen, die Jungs haben diese Herausforderung angenommen.

Serge Aubin

Die Eigenschaft, aus negativen Erlebnissen positive Energie zu ziehen, zeichnet die Eisbären über die ganze Saison hinweg aus. Insgesamt gab es nur zwei kritische Phasen. Gleich zu Beginn, als sie an den Spieltagen vier bis sechs  drei empfindliche Niederlagen gegen die Topteams München und Mannheim sowie beim Kellerkind Iserlohn kassierten. Was sich aber damit erklären lässt, dass nach dem Neustart unter Aubin und der Integration zahlreicher Spieler die Feinabstimmung fehlte. Die zweite Episode, in der es drei Niederlagen am Stück gab, folgte Ende November/Anfang Dezember mit insgesamt 16 Gegentoren gegen Wolfsburg, Köln und Schwenningen. Hier reifte das Gefühl bei den Verantwortlichen, dass es auf der Torwartposition eine Veränderung braucht, die es dann kurz vor dem Jahreswechsel mit der Verpflichtung Justin Pogges gab. Zudem schwor sich die Mannschaft auf ein anderes Defensivverhalten ein.     Krisenszenarien, die mit Ausnahme der Saison 2017/2018 jede Spielzeit seit dem letzten Meistertitel 2013 prägten, entwickelten sich nicht im Ansatz. Was für das Fundament dieses Kaders spricht.

Die Ausgeglichenheit des Kaders stellte auch Cheftrainer Aubin bei seiner letzten Pressekonferenz vor dem Kurzurlaub heraus.   „Alle Reihen haben   einen richtig guten Job gemacht“, lobte er. Natürlich ragte Lapierre mit drei Scorerpunkten heraus. Jeder weiß, dass Marcel Noebels, der nach 42 Spielen 21 Tore und ebenso viele Vorlagen   vorweisen kann, den Unterschied machen kann. Aber auch die vierte Reihe   ist ein wichtiger Faktor. Dennoch mahnt Aubin. „Es gibt noch jede Menge Raum für Verbesserungen.“

Verbesserung der Special Teams

Trotz der beiden Überzahltore und des wegweisenden Treffers in Unterzahl gegen Ingolstadt zielte er vor allem auf die Verbesserung der Special Teams ab. „Heute haben wir gesehen, dass du Spiele gewinnen kannst, wenn die Special Teams funktionieren. In den Play-offs gibt es nur wenige Fünf-gegen-fünf-Tore.“ Statistisch sind die Berliner hier von den Werten eines Spitzenteams noch weit entfernt. Bei der Powerplay-Quote rangieren sie auf dem zwölften Platz (15,98 Prozent), unmittelbar vor Iserlohn und den seit Wochen sieglosen Kölnern. In Unterzahl sieht es   besser aus. 83,71 Prozent aller Unterzahlen überstehen sie unbeschadet, das ist ligaweit Platz fünf. Allerdings liegen sie damit   hinter den Mannschaften, die wahrscheinliche Gegner in den Play-offs werden: Straubing, Bremerhaven, München und Mannheim.

Ein weiterer Punkt, an dem es laut dem Bandenchef zu arbeiten gilt, ist die Konstanz innerhalb eines Spiels. „Wir werden besser und wir haben viele gute Momente, aber wir können uns steigern“, sagt Aubin, „wir müssen 60 Minuten   konzentriert spielen.“ Selbst gegen Ingolstadt gab es   trotz früher Führung kritische Phasen. Center Lapierre, der bereits in seiner ersten Saison zu den Anführern im Team gehört, bringt es auf den Punkt. „Wir müssen versuchen, in der letzten Saisonphase perfekt zu sein.“ Und im besten Fall auf Burger verzichten.