Teambildende Maßnahme: Die Profis des 1. FC Union basteln sich ein Floß für den Scharmützelsee.
Foto: Matthias Koch

Bad SaarowAn einen wuchtigen Zweikampf oder einen energischen Torabschluss ist bei Anthony Ujah noch nicht zu denken. Zusammen mit Marcus Ingvartsen, bei dem aufgrund von körperlichen Disbalancen immer mal wieder der Rücken oder ein anderes Körperteil zwickt, mühte sich der 29 Jahre alte Stürmer des 1. FC Union am Rande des kleinen Sportplatzes von Eintracht Reichenwalde auf dem Fahrradergometer ab. Immerhin war er nahe bei den Kollegen. Auch schon mal was.

Vom Fitness-Gerät aus konnte er so schon einmal einen ersten Blick auf die Zugänge Nico Schlotterbeck und Cedric Teuchert werfen, die am Sonnabend erstmals mit ihren zukünftigen Kollegen übten. Wenig später wurde auch noch Keita Endo von Manager Oliver Ruhnert im Mannschaftskreis vorgestellt. Ans Mitmachen war bei dem 22-Jährigen wegen einer leichten Zerrung aber ebenso wenig zu denken wie bei dem Nigerianer.

Ujah hatte sich ja kurz nach Saisonende einem Routineeingriff am rechten Knie unterzogen, kam beim Auftakt an Krücken ins Stadion und befindet sich nun im Aufbautraining. Bei all dem ist Vorsicht geboten, weshalb Ujah am Nachmittag nicht an einer teambildenden Maßnahme teilnehmen konnte. Für den Angreifer ging es zurück ins Teamhotel, Füße hochlegen, während sich die Kollegen in Gruppen am Floßbau für einen Ausflug auf den Scharmützelsee versuchten. 

Vorsicht bei Nico Schlotterbeck

Ähnlich vorsichtig agierten die Köpenicker bei Nico Schlotterbeck. Weil Freiburg ja noch nicht richtig ins Mannschaftstraining eingestiegen ist, wurde der 20 Jahre alte gebürtige Waiblinger auch noch nicht voll belastet, sondern immer mal wieder beiseite genommen, um gemeinsam mit den Fitnesstrainern Extraübungen zu absolvieren.

Nicht nur im Hinblick auf die Belastungssteuerung sehen sich die Unioner, die am Sonntag aus Bad Saarow zurückkehrten, auf einem guten Weg. Auch in Sachen Transfers sind schon einige Aufgaben erledigt. Christian Gentner lobte Ruhnerts bisherige Resultate sogar scherzhaft sogar als überragend.  „Wir haben einen Schwaben verloren, zwei dazubekommen. Ich sehe System dahinter. Da muss man Oli schon mal ein Lob aussprechen. Das ist sehr weitsichtig gedacht“, witzelte der 34-Jährige auch mit Hinblick auf das Erstrunden-Pokalmatch in Karlsruhe. Beim Duell mit dem KSC steht auf Unionseite mit Gentner, Nico Schlotterbeck, Grischa Prömel und Sebastian Griesbeck ein Quartett zur Verfügung. „Das sollte doch als Extramotivation  reichen“, scherzte der Routinier,  der Union im Abstiegsfall übrigens laut Selbstauskunft nicht erhalten geblieben wäre, sondern den es dann doch eher wieder heim nach Stuttgart zur Familie gezogen hätte.

Ruhnert selbst legte hingegen in seinen Ausführungen den Fokus auf Keita Endo, bedachte den Neuen mit ungewöhnlich viel Vorschusslorbeeren.  „Wenn du dich mit den Leuten in Japan unterhältst und über die talentiertesten jungen Spieler sprichst, hörst du sehr oft den Namen Keita Endo“, meinte der 48-Jährige und geriet nahezu ins Schwärmen: „Er hat großes Potenzial, er kann uns sehr helfen.“ Wenngleich den Eisernen natürlich bewusst ist, dass man bei einem Spieler aus einem völlig anderen Kulturkreis vor allem eins aufbringen muss – Geduld.

Ebenfalls ein klein wenig mehr Geduld gilt es bei den weiteren Transferbemühungen aufzubringen. Auch wenn Ruhnert in der Zeit in Bad Saarow alles andere als untätig war und man bis zur Abfahrt ins Trainingslager nach Bad Wörishofen (17. August - 25. August) noch Nägel mit Köpfen gemacht haben möchte. „In einigen Tagen bin ich vielleicht noch schlauer. Wir haben da einige Dinge im Auge. Aber Stand jetzt ist es nicht der Kader, mit dem wir in die Saison gehen werden“, meinte der gebürtige Sauerländer. Vor allem im Tor gilt es nachzubessern. Auch im Angriff muss noch zugelegt werden. Selbst wenn bei dem derzeit an einem Magen-Darm-Virus laborierenden Sebastian Andersson in den kommenden Tagen die aus einer Zeit vor Corona und mit anderen Terminen vereinbarte Frist für eine Ausstiegsklausel verstreichen sollte.

Für fünf Millionen Euro könnte der schwedische Nationalspieler den Klub verlassen. Wenn es gen England gehen sollte, wäre noch mehr drin. Das bisher kolportierte Interesse von Celtic Glasgow  und von OSC Lille scheint bei Andersson nicht ganz auf Gegenliebe zu stoßen. Doch wenn er wartet, hat Union das Heft des Handelns wieder in der Hand und ein Abgang wäre frei verhandelbar. Wann genau das ist, da drückte sich Ruhnert um einen klare Aussage.  Nur so viel sagte er: "Wenn diese Option nicht gezogen wird, gehen wir davon aus, dass wir mit Sebastian Andersson planen."