Frust statt Leichtigkeit: Christopher Trimmel und dem 1. FC Union fehlt die Lockerheit der Vor-Corona-Zeit.
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Berlin-KöpenickUrs Fischer klingt in seinem Schweizer Singsang auch dann noch kontrolliert, wenn er sauer ist. Die Enttäuschung über den Auftritt des 1. FC Union Berlin im Geister-Derby bei Hertha BSC war bei dem Aufsteiger-Trainer aber nicht zu überhören. «Wir werden uns zusammensetzen, um gerade zu besprechen, was in der zweiten Halbzeit passiert ist», kündigte Fischer eine intensive Wochenend-Aussprache mit der Mannschaft nach der 0:4-Pleite im Olympiastadion an.

Null Punkte und null Tore in zwei Spielen nach der Corona-Zwangspause lassen die Abstiegssorgen der Eisernen in der Fußball-Bundesliga wieder wachsen. Fast trotzig wies Fischer auch auf die schon vor der Unterbrechung erreichten 30 Punkte hin: «Ich meine, unser Ziel können wir immer noch erreichen. Es gilt, alles dran zu setzen, dafür zu arbeiten», sagte der 54-Jährige.

Die große Frage bei den Köpenickern ist, wo die Leichtigkeit der Vor-Corona-Zeit geblieben ist. Gegen die Bayern (0:2) akzeptierte man die Überlegenheit des Kontrahenten. Gegen die Hertha reichte es nur für 45 Minuten robusten Widerstand. «Nach dem ersten Gegentor haben wir komplett den Kopf verloren», bemängelte Fischer.

Am Mittwoch schon kommt der 1. FSV Mainz 05 ins Stadion an der Alten Försterei. Die Gelegenheit für eine schnelle Wiedergutmachung ist gegen einen Kontrahenten aus der eigenen Tabellenregion also günstig, aber eben auch dringend notwendig. «Ich werde mir das Spiel genau anschauen und etwas vorbereiten, um den Jungs zu helfen», versprach Fischer Aufbauarbeit.

Ein Lamento über die fehlende Atmosphäre in Zeiten der Geisterspiele mag Fischer nicht akzeptieren. «Es ist nicht der Fußball, den wir gewohnt sind. Wir profitieren auch von den Fans. Nur wir haben sie nicht, und wir werden sie auch in den nächsten sieben Spielen nicht haben. Wenn wir uns dahinter verstecken, kommen wir nicht weiter», sagte der Trainer.

Einen mentalen Leistungsabfall wollte auch Mittelfeldmann Grischa Prömel trotz der miserablen zweiten Halbzeit nicht erkennen. «Natürlich sind wir selbstbewusst. Uns ging es die ganze Zeit nur um den Klassenerhalt, das ist nach dem Spiel nicht anders», sagte er. Das Restprogramm macht den Unionern durchaus Hoffnung. Nach Mainz kommen auch noch die in noch größerer Abstiegsgefahr schwebenden Teams des SC Paderborn und Fortuna Düsseldorf im Juni in die Alte Försterei.