Zwei Leistungsträger der Ü30-Kategorie: Michael Parensen (l.) und Neven Subotic.
Foto: Matthias Koch/Imago Images

BerlinIrgendwie hatten sie mit vielen Sachen ja recht, die Lateiner. Zum Beispiel mit ihrem geflügelten Wort „Nomen est omen“, dass der Name zugleich Programm sei. Bei keinem zeigt sich das im Fußball treffender als bei Dino Zoff, dem großen italienischen Torhüter vor Gianluigi Buffon. Satte 40 war der Mann mit der phänomenalen Ausstrahlung, als er 1982 mit einem 3:1 im Finale über Deutschland die Azzurri als Kapitän zum WM-Titel führte. Seitdem ist Zoff, den sie zu Hause Dino Nazionale rufen, der älteste Spieler, der jemals Weltmeister geworden ist. Ein Dino eben.

Nicht nur bei Torhütern ist es so, dass sie wie bei einem guten Wein mit den Jahren zwar älter, oftmals aber zugleich besser werden. Davon, aber auch von Feldspielern der reifen Ü30-Kategorie haben sie beim 1. FC Union mehr als genug und mehr als anderswo in der Bundesliga. Sieben sind es insgesamt, die von Urs Fischer, dem Trainer, im Verlaufe dieses Spieljahres aufgeboten worden sind. Das ist Liga-Spitze und die meisten Oldies, bis auf Ken Reichel (33, zwei Einsätze) und Manuel Schmiedebach (31, drei Spiele) vielleicht, gehören zum Stamm bei den Rot-Weißen. Sogar Michael Parensen ist mit 33 Jahren endlich angekommen in einer Spielklasse, die sich für ihn anfühlt wie der Olymp.

Gikiewicz spielte fünfmal zu Null

Bleiben vier Routiniers, ohne die es in der Alten Försterei derzeit wahrscheinlich längst nicht so gut funktionieren würde. Da ist im Kasten mit Rafal Gikiewicz einer, der beim 2:0 jüngst gegen den FC Augsburg mit seinen 32 Jahren zum fünften Mal in dieser Saison die Null gehalten hat. Nur zwei sind gerade besser in Deutschlands höchster Spielklasse, Manuel Neuer von Bayern München und Lukas Hradecky von Bayer Leverkusen. Der eine, Neuer, ist mit 33 sogar älter als Gikiewicz, der andere, Hradecky, klopft mit seinen 30 an die Ü-Generation an. Na bitte.

Foto: Berliner Zeitung
Union-Kenner

Andreas Baingo begleitet seit mehr als vier Jahrzehnten das Geschehen rund um den 1. FC Union. Für die Eisernen war er sogar selbst einmal am Ball. Immer mittwochs gibt er nun seine Expertise zu dem Fußball-Bundesligsten ab.

Christopher Trimmel, der Kapitän, von dem mancher anfangs glaubte, er sei nicht wendig genug auf der rechten Außenbahn, der als 32-Jähriger jedoch ein souveränerer Anführer ist als jemals zuvor und der mit seinen Standards unglaubliche sechs (!) Tore vorbereitet hat. Oder Christian Gentner, mit 34 Jahren der rot-weiße Super-Oldie, dessen Erfahrung aus nunmehr 395 Bundesligaspielen ähnlich wertvoll ist wie das Talent und die Unbekümmertheit der Jungen.

Fehlt in der Seniorenriege nur noch Neven Subotic, der Tor-Held gegen Augsburg und mit 31 Jahren das, alles ist relativ, Küken dieser reifen Clique. Wie Gentner ist der Abwehrmann in seiner Karriere zweimal Meister geworden. Zufällig mit Borussia Dortmund, dem Gegner am Sonnabend. Es wird ein gewiss emotionales Wiedersehen, zumal der BVB derzeit auf alles andere als auf einer Oldie-Welle surft. Erling Haaland ist dort der Mann der Stunde und zugleich das Babyface der Liga. Mit 19 Jahren ist der Norweger sozusagen der Gegenentwurf zu Subotic. Fußball-Deutschland weiß inzwischen, was das für ein Kerl ist mit fünf Toren in gerade mal 59 Minuten Spielzeit.

Wenn ich schon mit dem ältesten Spieler, der jemals Weltmeister wurde, begonnen habe, muss sich der Kreis mit dem jüngsten, der sich je die WM-Krone aufsetzte, schließen. Um auch zu versuchen, vor dem Spiel der Eisernen in Dortmund BVB-Senkrechtstarter Haaland ein wenig vom Sockel zu holen. 1958 war es, als mit dem 5:2 Brasiliens gegen Schweden der Stern eines 17-jährigen Bürschchens zu strahlen begann: Pelé. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.