Hoffenheims Robert Skov geht gegen Unions Christopher Trimmel ins Dribbling.
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HoffenheimEs ist den Fans des SV Werder dringend davon abzuraten, sich die Aufzeichnung oder auch nur ein paar Ausschnitte des Bundesligaspiels zwischen der TSG Hoffenheim und dem 1. FC Union noch einmal zu Gemüte zu führen. Nichts lässt sich dabei nämlich ausmachen, was ihnen Hoffnung für das kommende Wochenende machen könnte. Beim Saisonfinale müssen aus Bremer Sicht fatalerweise ja zwei Dinge optimal laufen, damit man doch noch den Relegationsrang erreicht. Ein eigener Sieg gegen Köln. Und eine Niederlage von Fortuna Düsseldorf an der Alten Försterei. Wie die Köpenicker am kommenden Sonnabend spielen, geht also nicht nur sie selbst etwas an.

Trainer Urs Fischer ließ dann auch durchblicken, dass ihm genau das bewusst ist. Eine „Reaktion auf die Leistung von heute“ versprach er nach dem 0:4 in Hoffenheim. „Es gilt noch mal zuzulegen, um auch das letzte Spiel nach Möglichkeit zu gewinnen.“ Dazu wird allerdings eine enorme Leistungssteigerung nötig sein, zumal die Düsseldorfer im für sie mutmaßlich wichtigsten Spiel der Saison ähnlich engagiert auftreten dürften wie am Sonnabend die TSG Hoffenheim, die vor Anpfiff noch um die Teilnahme an der Europa League bangen musste.

Union spielte in der sonnendurchfluteten Arena an der Bundesautobahn 6 ohne jede Spannkraft. Mitte der zweiten Halbzeit war ein halbes Dutzend Journalisten sogar kurzzeitig im Glauben, einen Pfiff des Schiedsrichters überhört zu haben. Doch dass zehn Eiserne in diesem Moment ohne jede Bewegung auf dem Platz standen, lag nicht an einer etwaigen Spielunterbrechung. Zu diesem Zeitpunkt stand es allerdings auch schon 0:4.

Ihlas Bebou (11.), der starke Andrej Kramaric (27.), Munas Dabbur (45.+2.) und Christoph Baumgartner (68.) hatten getroffen, ohne dass das größere Betriebsamkeit bei den Gästen ausgelöst hätte, die ja in der vergangenen Woche absolut verdientermaßen den Klassenerhalt hatten feiern können. „Es kann schon sein, dass die Feier ein paar Körner gekostet hat“, sagte Mittelfeldspieler Robert Andrich. „Aber die wird es jetzt nicht geben. Vielleicht reicht es dann ja für das Wochenende.“

Aus der trägen Masse, die den quicklebendigen Hoffenheimern schon physisch nichts entgegenzusetzen hatte, konnte Coach Fischer so also nur den Debütanten zwischen den Pfosten, Moritz Nicolas, hervorheben. Er lobte: „Er war von der ersten Sekunden an hellwach, sonst wären wir noch früher in Rückstand geraten.“ Eine Belohnung, kein Geschenk sei der Einsatz für den 22 Jahre alten Keeper gewesen, erklärte der Schweizer Fußballlehrer. Denn: „Er hat auch Rafal (Gikiewicz, d. R.) immer wieder gepusht, darum hat er sich dieses Spiel mehr als verdient.“

Bliebe die Frage, wie der Spannungsabfall am Sonnabend denn nun im Rückblick zu bewerten wäre. Als logische, da der menschlichen Natur entsprechende Folgeerscheinung des sensationellerweise vorzeitig geschafften Klassenerhalts? Oder als Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil diverser Vereine im oberen und unteren Tabellendrittel? Fischer schien sich da am Sonnabend auch nicht so ganz sicher zu sein und plädierte für „die goldene Mitte“: Auf der einen Seite sei es „logisch, dass du nach solch einem Marathonlauf, wenn du dann über die Ziellinie läufst, auch einen gewissen Spannungsabfall hast“. Auf der anderen Seite „sollte er vielleicht nicht so groß sein. Wenn du 0:4 verlierst, entspricht das nicht dem, was du dir vorgenommen hast.“ Gegen Düsseldorf wolle man sich jedenfalls wieder anders präsentieren. Fischer versprach: „Wir werden unter der Woche wieder alles unternehmen, dass es so kommt.“