Keven Schlotterbeck, Christopher Trimmel und Grischa Prömel beim eisernen Jubel.
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BerlinAls Journalist ist man immer auch ein wenig Schriftsteller, Geschichtenerzähler. So ist wenigstens das Gefühl, manchmal zumindest. Längst nicht auf Augenhöhe mit Egon Erwin Kisch, Jack London oder Ernest Hemingway, drei ganz Große der Zunft, Denkmäler sozusagen. Das wäre arg vermessen, aber ansatzweise, satzweise wenigstens. Vielleicht auch mit der einen oder anderen Idee, bekannte Sachverhalte in einen neuen Rahmen zu stellen.

Am Anfang des gerade zu Ende gegangenen Spieljahres, als sich mancher eher besorgt fragte, was der 1. FC Union doch für ein Abenteuer eingehe, kam mir der Gedanke ans One-Hit-Wunder, an den Ohrwurm, dessen Komponist oder Interpret nach dem einen Hit zu einem zweiten nicht mehr fähig ist.

Wie es zum Beispiel auch der Traum eines jeden Steppkes ist, der den Ball beim Jonglieren möglichst lange hochhalten kann, Weltmeister zu werden oder mindestens Nationalspieler. Einige schaffen das mit dem Nationalspieler, irgendwann geben sie ihr Debüt. Was aber ist, wenn der Anruf des Bundestrainers kein zweites Mal kommt? Ist der Frust dann größer als die Freude über den kurzen Glanz? So wie es einen „Klub der Hunderter“ gibt, warum nicht einen „Klub der Einmaligen“? Wäre das nicht ein Projekt für einen Journalisten, die Geschichten mit einem anderen Dreh zu erzählen und dabei die Schriftstellerei zu streifen?

Warum nicht die Vereine gemeinsam verewigen, denen es in der Bundesliga so ergangen ist. Die ein Abenteuer wollten, ganz im Geheimen trotzdem von einer Zukunft inmitten der Branchengrößen träumten, dann aber ihre Grenzen aufgezeigt bekamen. Es gibt sie mehrfach, diese Eintagsfliegen, die nur einen Sommer tanzten. Über diese Kometen ein Buch schreiben, die Aufs und Abs in zwei Pappdeckel klemmen, ein paar Wermutstropfen Nostalgie hineinträufeln – es könnte eine unterhaltsame Lektüre sein.

Dort hinein, wenn es schiefläuft, die Geschichte des 1. FC Union zu packen. Zumindest aufzuschreiben, welches Gefühl es ist, an die Universität des Fußballs immatrikuliert zu werden, um nach den beiden ersten Semestern zugeben zu müssen: Nein danke, dort werden Tore tatsächlich in einer anderen Liga geschossen. So wie es der SSV Ulm und Fortuna Köln, Preußen Münster und der VfB Leipzig, Greuther Fürth und aus Berlin Tasmania und Blau-Weiß 90 erfahren haben, und wie es sie auch in der DDR mit Motor Suhl und Chemie Buna Schkopau, Vorwärts Schwerin und Lichtenberg 47, Post Neubrandenburg, Motor Weimar und der SG Dresden-Friedrichstadt gegeben hat.

Das Buch könnte geschrieben werden – nur haben die Eisernen mit Rang 11 und 41 Punkten ein mögliches Alte-Försterei-Kapitel gnadenlos geerdet.

Dabei könnte man das Ganze auch von einer sympathischeren Seite betrachten: das erste Mal … Daran erinnert man sich selbst nach Jahrzehnten. Das erste Tor in der Bundesliga, das von Sebastian Andersson beim 1:1 in Augsburg; den ersten Sieg, das 3:1 gegen Dortmund; den ersten Auswärtsdreier, das 3:2 in Mainz; das erste Geisterspiel, das 0:2 ausgerechnet gegen den FC Bayern … Oder wissen Sie noch, wer nach Juri Gagarin der zweite Mensch im Weltall war und nach Neil Armstrong der zweite auf dem Mond? Na bitte.

Möchte jemand dieses Buch trotzdem schreiben, ich wäre dabei. Nicht als Journalist, eher als Geschichtenerzähler, der man irgendwie ja auch ist.