Pappkameraden ersetzen keine Fans: Unions Keeper Rafal Gikiewicz wird von Gladbachs Marcus Thuram überwunden. AP/Martin Meissner

BerlinDer 1. FC Union sorgt derzeit nur für wenige gute Nachrichten. Die wohl schlechteste lautet: Ohne Publikum im Stadion sind die Eisernen nur bedingt konkurrenzfähig in der Fußball-Bundesliga. Immerhin: Den Klassenerhalt haben sie noch in der eigenen Hand.

Auch personell gibt es einen Rückschlag. Am Pfingstmontag mussten die Köpenicker das vorzeitige Saisonende von Julian Ryerson verkünden. Der Norweger stand am Sonntag bei der 1:4-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach nach seiner Einwechslung nach einer Stunde kaum auf dem Rasen, als ihn der Gladbacher Florian Neuhaus an der Mittellinie übel von hinten attackierte. Der Mittelfeldmann musste durch Joshua Mees ersetzt werden.

Ryerson flog mit der Mannschaft nach Berlin zurück. Doch am Unternehmen Klassenerhalt kann er nicht mehr mitwirken. „Es ist so ernst, dass er die restlichen Spiele nicht absolvieren kann. Er wird konservativ behandelt und unter normalen Umständen in circa sechs bis acht Wochen wieder voll hergestellt sein“, erklärte Unions Sportchef Oliver Ruhnert.

Als Ryerson in Mönchengladbach mit verbundenem rechtem Knie in Richtung Kabine humpelte, war die Partie bereits entschieden. Der Gladbacher Marcus Thuram, der wie Teamkollege Alassane Plea eine überragende Leistung zeigte, nahm Union in der 59. Minute mit seinem zweiten Treffer zum 3:1 die letzte Hoffnung. Vorausgegengen war ein Patzer von Grischa Prömel. Nur kurz durften die Gäste nach dem 2:1 von Sebastian Andersson in der 50. Minute an eine Wende glauben. In der 81. Minute setzte Plea mit dem Tor zum 4:1-Endstand sogar noch einen drauf.

Da nützte es auch nichts, dass Union nach dem Wechsel durch die Umstellung von einer Dreier- auf eine Vierer-Abwehrkette mehr Zugriff bekommen hatte und in einem 4-1-4-1-System mutiger nach vorn spielte. „Nach der Pause sind wir so aufgetreten, wie das von Beginn an hätte sein sollen. Dann kommen wir auf 2:1 heran und legen uns das 3:1 fast selbst ins eigene Tor“, ärgerte sich Trainer Urs Fischer.

Verloren hatten die Wuhlheider die Begegnung schon im ersten Abschnitt. Mönchengladbach wirkte körperlich und geistig fitter. Während Union nur Halbchancen zustande brachte, machte die Borussia als Champions-League-Anwärter Druck. Neuhaus brachte den Favoriten über den linken Innenpfosten in der 17. Minute mit 1:0 in Front. Zuvor sahen die Unioner Christopher Lenz und Marvin Friedrich nicht gut aus. Beim 2:0 durch Thuram (41.) griffen Friedrich und Neven Subotic nicht entscheidend ein. „Wir müssen diese Fehler abstellen. Wir machen es dem Gegner zu leicht und servieren die Tore auf dem Silbertablett“, monierte Ruhnert.

Union gehört zu den Mannschaften, die seit dem Corona-Neustart deutlich schwächer wirken als vorher. Das wird auch an den fehlenden Zuschauern liegen, die für sportlich schwächer besetzte Vereine eine größere Bedeutung haben. Von den letzten sechs sieglosen Bundesligapartien fanden für Union vier mit Geisterkulissen statt. Daheim gegen Bayern München (0:2) und Mainz 05 (1:1) sowie im Derby bei Hertha BSC (0:4) und in Gladbach (1:4) brachte Union nur einen Zähler zustande. „Wir hätten uns eine andere Punktzahl gewünscht“, sagte Ruhnert. Er verweist aber auch darauf, dass drei der vier bespielten Gegner aktuell eine Positivserie erleben.

Die Stimmung ist nicht euphorisch, aber auch nicht zu Tode betrübt. Wenn unserer Mannschaft wieder ein Sieg gelingt, kann sie auch einen weiteren holen.

Oliver Ruhnert

Nach Lage der Dinge reichen Union in den letzten fünf Runden vielleicht schon zwei Siege in den drei Heimspielen gegen Schalke 04, SC Paderborn und Fortuna Düsseldorf zum Ligaverbleib. „Die Stimmung ist nicht euphorisch, aber auch nicht zu Tode betrübt. Wenn unserer Mannschaft wieder ein Sieg gelingt, kann sie auch einen weiteren holen“, ist sich Ruhnert sicher. Auch das Theater um den aussortierten Stürmer Sebastian Polter würde für die Mannschaft keine Rolle spielen, so Ruhnert.

Ein Endspiel gegen Düsseldorf am letzten Spieltag will Union sicher vermeiden. Dazu müsste aber auch mal wieder auswärts gepunktet werden. In den Spielen beim 1. FC Köln und 1899 Hoffenheim ist sicher etwas drin, wenn die unbeständige Elf mal über 90 Minuten wach wäre. Dies vermisste Ruhnert bereits in der Winterpause. Geändert hat sich kaum etwas.

Im nächsten Heimspiel am Sonntag (15.30 Uhr) gegen Schalke 04 wird dies aber erforderlich sein. Von der Papierform her ist Schalke noch angeschlagener als Union. Die Königsblauen haben als einziges Team der Liga in der Geistertabelle noch nicht einen Zähler geholt. Der Druck ist auf beiden Seiten hoch. „Wir müssen das Spiel gegen Schalke so vorbereiten, dass wir wirklich ab der ersten Sekunde bereit sind“, fordert Fischer.