Der Sonne entgegen: Max Kruse im Trainingslager des 1. FC Union.
Foto: Matthias Koch

BerlinEs ist noch gar nicht so lange her, da hießen die Spieler, die vor einer Saison neu zum 1. FC Union gekommen sind, Dustin Heun, Paul Thomik, Bernd Rauw, Santi Kolk und Ahmed Madouni. Das soll keineswegs abwertend klingen, denn sie alle hatten ihre Vorzüge und Stärken, sie passten, der eine mehr, der andere weniger, ins rot-weiße Schema. Nur klingt das, als wäre es aus einem fernen Jahrhundert. Dabei ist die Zeitspanne bis heute lediglich die, die im Männerbereich aus einem Talent einen Könner macht: eine Dekade.

Das Transferkarussell hat sich bereits seinerzeit mit einer für viele Beobachter affenartigen Geschwindigkeit gedreht. Manchmal haben sie auch in Köpenick versucht, einen Fuß draufzubekommen, ab und an ist es nur ein halber geworden oder nur der große Onkel. Mitmischen wollten sie sowieso, aber mit anderen, mit den damals gar nicht so eisernen Möglichkeiten.

Eines ist unbestritten: Es ist den Machern aus der Wuhlheide zumeist viel gelungen auf dieser Drehscheibe für veränderungswillige Fußballer. Nur: Was vor zehn Jahren gefühlt ein Transformer war, ein Karussell, das sich in zig Richtungen drehte und auf dem man ganz schnell die Orientierung zu verlieren drohte, kommt den meisten heute vor, als sei es ein Kinderkarussell mit Pony gewesen, wobei derjenige die große Nummer gezogen hatte, der auf einem Feuerwehrauto zu sitzen kam. Urs Fischer, der Trainer aus der Schweiz, kennt das als Rösslispiel oder Rössliritti.

Klingt niedlich und ist es auch. Nur hat das mit dem heutigen Karussell rein gar nichts mehr zu tun. Heute, so mein Eindruck, geht es im Tempo und noch mehr im Umfang fast um eine Expedition zum Mars.

Was mich als einen, der es oft lieber etwas gemächlicher mag, dabei beeindruckt, ist, dass die Eisernen ohne mit der Wimper zu zucken Fahrt aufgenommen haben. Mag ihnen vor zwölf Monaten bei den Verpflichtungen von Neven Subotic und Christian Gentner der Wind kräftig um die Nase geweht haben, umgehauen hat es keine Seite von beiden. Sie haben sich weit aus dem Fenster gelehnt, die Stars wie die Rot-Weißen, ihren Status aber haben sie nicht verloren. Im Gegenteil, und das betrifft vor allem den Verein.

Union, das ist voller Hochachtung gemeint: Wie haste dir verändert!

Wie sonst wären Max Kruse, Robin Knoche und Andreas Luthe auf die Idee gekommen, gerade in Köpenick anzuheuern? Das sind einerseits zusammen 93 Jahre und damit viel Stabilität im Leben. Das sind andererseits 465 Bundesligaspiele und damit so viel Erfahrung, wie sie vor einem Jahr, und das auch nur dank Christian Gentner, der damalige Aufsteiger gerade mal im gesamten Kader hatte. Was da jetzt zusammenkommt, ist nicht gekleckert, das hat durchaus was von geklotzt.

In Wahrheit ist es so, dass sich der 1. FC Union zu einer ziemlich feinen Adresse gewandelt hat. Natürlich zieht die Spielklasse, die Bundesliga. Nur ist das längst nicht alles. Da gibt es Berlin als Stadt, klare Sache. Es gibt Köpenick als Kiez, der sich als grüne Lunge der Stadt hinter Wannsee und Grunewald nicht verstecken muss. Es gibt vor allem die Rot-Weißen, die als der etwas andere Verein immer wieder versuchen, dem Mainstream zu entkommen, und die sich neben Feinden damit auch etliche Freunde schaffen. Und es gibt die Fans, von deren lange nur im eigenen Umkreis wahrgenommenem Flair die halbe Bundesliga begeistert ist.

Wer weiß, wie die Reihe Heun, Thomik, Rauw … Kruse, Knoche, Luthe mal weitergeht.