Der letzte Auftritt in dieser Saison: Die Eisbären feiern das 4:3 gegen Bremerhaven am vergangenen Sonntag.
Foto: City-Press/Mathias Renner

BerlinMit einem Teammeeting wollten sich die Eisbären am Dienstagabend auf die entscheidende Saisonphase vorbereiten, um dann in den Play-offs eine bislang starke Saison mit Erfolg zu krönen. Im Laufe des Tages verdichteten sich dann die Hinweise, dass das Beisammensein eher zur Abschiedsparty werden würde. Um 18 Uhr verkündete die Deutsche Eishockey Liga (DEL) die offizielle Absage der Play-offs, gleichbedeutend mit dem sofortigen Saisonende – ein Novum in der Geschichte dieser Sportart. Einen Deutschen Meister 2020 wird es nicht geben, obwohl Red Bull München die Tabelle während der gesamten Hauptrunde angeführt hat. Gemeinsam mit den Eisbären, den Straubing Tigers und den Adlern aus Mannheim stellen sie in der kommenden Saison das deutsche Aufgebot in der Champions Hockey League.

„Dass wir die Entscheidung so treffen müssen, tut uns für alle Klubs, Partner und insbesondere Fans in ganz Deutschland unheimlich leid. Wir haben aber angesichts der aktuellen Entwicklungen die Pflicht, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen. Wir als DEL stellen die Gesundheit von unseren Fans, Spielern und Mitarbeitern in den Fokus“, ließ Gernot Tripcke, Geschäftsführer der DEL, mitteilen. Grundlage sind die Verbote diverser Bundesländer, Großveranstaltungen wie Spiele der DEL mit mehr als 1 000 Zuschauern stattfinden zu lassen.

Eisbär Jonas Müller: Frust über das Play-off-Aus

Jonas Müller, der trotz des Teammeetings kurz erreichbar war, wirkte entsprechend frustriert über die Nachricht, dass er zusammen mit den Kollegen ab sofort in den Zwangsurlaub geschickt wird. Er sagte dieser Zeitung: „Ich finde es echt scheiße. Man spielt ja die ganze Saison Eishockey, um in die Play-offs zu kommen.“ Die zähe Hauptrunde mit 52 Partien ist bekanntlich nur das Vorgeplänkel für das, was dann in der Regel im März und April folgt, wenn es in den K.-o.-Runden zur Sache geht und die Spiele interessanter, härter, einfach viel prickelnder werden. Nicht umsonst ist von der fünften Jahreszeit im Eishockey die Rede.

Besonders bitter ist die Absage aus Berliner Sicht auch deshalb, weil die Eisbären nach vielen durchwachsenen Jahren ein Team aufgebaut haben, das durchaus das Zeug zum ganz großen Wurf hatte. „Wir hatten in diesem Jahr eine echt gute Mannschaft zusammen“, sagte Müller. Die Stimmung war gut, der Stil spektakulär. Selbst bei Niederlagen bekamen die Fans, die nicht weniger geschockt über diese Nachricht waren, jede Menge geboten.

Die Kaderplanung für die kommende Saison steht an

„Ich hätte auch ohne Fans weitergespielt, aber das lohnt sich wirtschaftlich wohl nicht“, gab sich Müller bei allem Frust einsichtig, was diese konsequente Entscheidung angeht.   Denn zu spielen, ohne Einnahmen zu generieren, hätte wirtschaftlich keinen Sinn gemacht. Das bestätigte auch Geschäftsführer Peter John Lee, der in einer Klubmitteilung kurz zuvor   hatte verlauten lassen: „Wir wissen um unsere gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Wir werden uns jetzt erst einmal sammeln und alle wichtigen Informationen zusammentragen.“

Viel früher als gedacht müssen sich Lee und Sportdirektor Stéphane Richer nun die konkrete Planung für die kommende Saison angehen. Einige Verträge laufen über die Saison hinaus, der eine oder andere neue Spieler wird bereits unterschrieben haben. Aber beim einen oder anderen Spieler, dessen Arbeitsverhältnis mit den Eisbären zum Saisonende ausläuft, müssen ohne die Eindrücke der Play-offs Entscheidungen getroffen werden, ob es eine weitere Zusammenarbeit gibt oder eben nicht.   Eine gewisse Wehmut dürfte das Teammeeting am Dienstag begleitet haben. Denn in dieser Konstellation werden die EHC-Profis nicht mehr oft zusammen sein.