Berlin - Im Olympiapark stehen bereits weiße Pagodenzelte, Startblöcke sind aufgereiht, Schießstände angebracht, es wird gehämmert. In der Schwimmhalle an der Landsberger Allee katapultieren sich die Wasserspringer schon seit Dienstag von Turm und Brett. Die Vorbereitungen für die Finals, die von Donnerstag bis Sonntag in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Braunschweig stattfinden, sind in Gang: In 18 Sportarten werden 140 deutsche Meistertitel vergeben. Und in etlichen Wettkämpfen geht es für die Athleten darum, sich für die Olympischen Spiele in Tokio zu qualifizieren.

Nicht nur für die Sportler, auch für die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ist dieses Wochenende, das manche „Mini-Olympia“ nennen, der Auftakt in den Sportsommer, in dem nach der Fußball-EM im Juni vom 23. Juli an die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden sollen. Bei mehr als 25 Stunden Live-Berichterstattung in ARD und ZDF sowie in zusätzlichen Livestreams bekommen Sportarten eine Bühne, die sonst von der Omnipräsenz des Fußballs erdrückt werden. Da die Premiere vor zwei Jahren in Berlin schon gute Fernsehquoten brachte, drängte auch das Final-Four um den deutschen Handball-Pokal ins Programm des Multisportevents.

Vier Wettkampfstätten in Berlin

In Berlin sind vier Wettkampfstätten am Finals-Konzept beteiligt: Im Olympiapark findet der Deutschland Cup im Bogenschießen statt, mit dabei: Junioren und Para-Athleten. Außerdem ermitteln Moderne Fünfkämpfer und Triathleten ihre Meister. Im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark kämpfen 3x3-Basketballer und Trial-Radsportler um Meisterehren. In der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark treten die Wasserspringer um Patrick Hausding sowie die Schwimmer an. Triathlon-Start ist am Strandbad Wannsee.

AFP/Attila Kisbendek
Christina Wassen vom Berliner TSC hat sich zum Auftakt der deutschen Meisterschaften im Wasserspringen die erste Goldmedaille gesichert. Die 22-Jährige gewann im Turmspringen mit 337,10 Punkten vor ihrer Schwester und Teamkollegin Elena (328,70).

„Dass die Vielfalt des Sports in die Breite getragen wird, ist ein ganz wichtiges Signal nach der langen Zeit der Pandemie“, meint Berlins Sport-Staatssekretär Aleksandar Dzembritzki. Berlin beteiligt sich mit 1,3 Millionen Euro an der Austragung der Finals. „Die Sportstätten werden kostenfrei von der Stadt überlassen“, erläuterte Dzembritzki, der sich auf bis zu 340 Zuschauer beim Modernen Fünfkampf im Hanns-Braun-Stadion freut.

Bei den Leichtathleten geht es um die Olympia-Qualifikation

Sie sei „total überrascht“ davon gewesen, dass die Stadt vormittags 170 und nachmittags 170 Zuschauer beim Modernen Fünfkampf gestattet habe, sagte die amtierende Meisterin Annika Schleu aus Spandau: „Ich habe damit gerechnet, dass wir wie sonst eine heimliche DM austragen. Also habe ich gleich meiner Familie Bescheid gesagt, dass sie sich anmelden.“

Für die Leichtathleten in Braunschweig geht es nicht nur darum, die Normen für die Spiele in Tokio zu erfüllen, sondern auch, sich in der nationalen Konkurrenz die vordersten Plätze zu sichern. Während etwa Sprinterin Gina Lückenkemper vom SCC Berlin wegen eines Muskelfaserrisses nicht antreten kann, hofft Lisa-Marie Kwayie von den Neuköllner Sportfreunden auf ein schnelles Rennen. Im Braunschweiger Eintracht-Stadion sind 2000 Zuschauer erlaubt.

Nordrhein-Westfalen zeigt nach dem vorzeitigen Scheitern einer Olympiabewerbung nun national seine Sportstätten vor. Turnen, Rhythmische Sportgymnastik, Karate mit dem Frauenteam des SC Banzai Berlin, Taekwondo und Tischtennis finden in Dortmund statt. Kanu, Kanu-Polo mit den Frauen des KCNW Berlin und Stand-up-Paddling auf der Regattastrecke in Duisburg. Im Bochumer Ruhr-Stadion wird vor der Olympia-Premiere des Kletter-Dreikampfs Olympic Combine bei Speed und Bouldern geklettert. Dressur- und Springreiter messen sich auf dem Gelände von Schloss Wocklum in Balve.