Berlin wird bei den Finals von Donnerstag bis Sonntag wieder zur aktiven Sportmetropole, wenn 2200 Athletinnen und Athleten in 14 Sportarten an neun Schauplätzen vom Wannsee bis zum Brandenburger Tor 190 deutsche Meister ermitteln. ARD und ZDF verbinden die Wettkämpfe mit mehr als 25 Stunden Live-Berichterstattung zu einem Multisportevent. Neu dabei sind bei den Finals, die es erstmals 2019 gab, die Sportarten Fechten, Rudern und Trampolinturnen.

Zum Kugeln: Zum Auftakt der Finals freut sich Julia Ritter ab Donnerstag, 15 Uhr, vor dem Brandenburger Tor auf „eine richtig fette Party“. Sie erwartet viele Zuschauer am Pariser Platz. Denn spannend wird der Dreikampf zwischen der Kugelstoßerin vom TV Wattenscheid, Favoritin Sara Gambetta (SV Halle) und Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge) sicher. Sie liegen mit 18,60, 18,88, 18,80 Metern sowie erfüllter WM-Norm alle eng beieinander. Am Sonnabend und Sonntag soll die fette Leichtathletik-Party mit Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo, Sprinterin Gina Lückenkemper und Diskuswerferin Christin Pudenz im Olympiastadion weitergehen.

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Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo springt im Olympiastadion.

Schnipp, schnapp: Schwimm-Olympiasieger Florian Wellbrock, der bei der WM in Budapest gerade die Silbermedaille über 800 m Freistil gewann, hat dem Berliner Rückschwimmer Ole Braunschweig zwischen Vorlauf und Halbfinale über 100 m Rücken am Sonntag die Locken abrasiert. Braunschweig hatte eine Wette mit seinem Trainer verloren: Strähnen ab bei Halbfinal-Einzug. Der Athlet der SG Neukölln schied zwar als 16. im Halbfinale aus, war aber dennoch zufrieden – mit seiner Platzierung und der Stoppel-Frisur. Kurz darauf wurde er gar mit der Mixed-Staffel Achter – und fliegt, anders als Wellbrock, aber wie viele andere direkt aus Budapest zu den Finals in die Halle an der Landsberger Allee.

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Der Berliner Rückenschwimmer Ole Braunschweig pflügt in der Europaschwimmhalle an der Landsberger Allee durch das Wasser.

Hoch hinaus: Der frühe Vogel fängt den Wurm heißt es im Volksmund, der frühe Flieger gewinnt die Medaille könnte es für die Trampolinturner heißen. Bereits am Donnerstag, um 9 Uhr, müssen die Männer und Frauen in der Schmeling-Halle ran, 11.50 Uhr sollen Vorrunden und das Finale vorbei sein, 11.55 Uhr die Siegerehrung erfolgen. Ganz oben auf dem Podest möchte dann Fabian Vogel stehen, immerhin Vizeweltmeister und EM-Bronzemedaillen im Synchron im vergangenen Jahr. Der 27-Jährige freut sich auf die Finals in Berlin, vor allem „auf die Gelegenheit, die anderen Sportarten besser kennenzulernen“. Der Vorteil des frühen Fliegers ist der, dass er nach seinem Wettkampf praktisch dreieinhalb Tage für ganz Berlin Zeit hat.

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Die Trampolinturner Fabian Vogel und Matthias Pfleiderer fliegen in der Max-Schmeling-Halle durch die Luft.

Felsige Formationen: Das wandlerische Bild des Neptunbrunnens mag eigentlich kaum einen Berliner überraschen. Im Winter ist er stets eingebaut in den Weihnachtsmarkt, Leichtathletik-Wettkämpfe hat das Plätzchen unterhalb des Fernsehturms auch schon erlebt, Basketballer haben sich dort schon getummelt. Felsen, Baumstämme und die sonderbar anmutenden Klötze, die vor ein paar Tagen aufgebaut wurden, aber standen bislang nur im Hangar des Flughafens Tempelhof und auf dem Gelände des Jahnsportparks. Am Sonnabend und Sonntag nun werden diese Hindernisse von den Trial-Fahrern mit ihrem einem BMX-Fahrrad ähnelnden Untersatz erklommen und den Besuchern des Neptunbrunnens ein ganz neues Bild präsentieren.

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Am Neptunbrunnen wurden bereits in den vergangenen Tagen die Hindernisse für die Trial-Fahrer aufgebaut.

Hey, Keule: Was für ein Feuerwerk bringt eine Rhythmische Sportgymnastin auf die Matte, bei der ihre erste Trainerin sofort erkannte, dass sie „Pfeffer im Arsch“ hat? Bei den deutschen Meisterschaften 2021 schnappte sich Margarita Kolosov vom SC Potsdam, die in der Bundesliga für den Berliner TSC startet, alle fünf Titel: mit Reifen, Ball, Keule und Band, dazu gewann sie den Mehrkampf. Für die 18-Jährige sind die Finals 2022 der Saisonabschluss. Nach dem Weltcupsieg mit dem Ball in Taschkent in diesem Jahr und dem WM-Mehrkampf-Finale voriges Jahr, will sie in Berlin – „die Erfolge von 2021 wiederholen.“ Dafür wird sie in der Max-Schmeling-Halle ihr Spezialelement zeigen: Butterfly – flinke, filigrane Drehungen, die aussehen, als hätte der schöne Schmetterling tatsächlich Pfeffer auf den Flügeln.

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Sportgymnastin Margarita Kolosov will ihre fünf Meistertitel aus dem vorigen Jahr verteidigen.

Bitte ordentlich schupsen: Der Sieg bei den Finals im vergangenen Jahr war schon eine tolle Sache, der dritte Platz in der Champions League ein weiterer Erfolg, auf den Esra Özbay stolz sein konnte. Am Freitag aber erlebt die 25-Jährige im Speed-Kanu-Polo „ein tolles Event in meiner Heimat Berlin, wo man vor allem vor Ort von der Familie und Freunden unterstützt wird“. Die Location an der Oberbaumbrücke hat bereits bei der Premiere der Finals im Jahr 2019 viele Neugierige angelockt, diesmal können die Zuschauer mit Kanu-Polo eine Sportart sehen, von der viele Spieler sagen, es sei eine Mischung aus Rugby, Handball und Basketball. „Es ist kein zimperlicher Sport, man darf schon ordentlich schupsen“, erzählte die Berlinerin, die mit den Jugendnationalmannschaften zweimal Weltmeisterin wurde, in einem Podcast. Das will sie jetzt in der für sie schönsten Stadt der Welt auch neuen Zuschauern zeigen.

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Am Ufer der Spree werden am Wochenende wieder zahlreiche Boote der Kanuten zu sehen sein.