Trainer Urs Fischer zeigt es an: nach zwei Jahren bei den Eisernen soll noch mindestens ein drittes folgen. 
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BerlinWer immer sich am Sonntag zur späten Mittagszeit an die Einfahrt zum Stadion An der Alten Försterei verirrte, dem bot sich ein seltsames Bild. Denn vor dem Tor zum Parklatz warteten drei in Grün gewandete Gestalten, deren äußeres Erscheinungsbild sie unschwer als Anhänger von Werder Bremen identifizierte. Offenbar wollten sie ein Erinnungsfoto von der Stätte und der darin agierenden Mannschaft schießen, welche ihnen die Chance auf ein weiteres Wunder von der Weser eröffnet hatte. Zudem brachten sie auch noch Gerstenkaltschalen vorbei, die vor dem Kick von Bremer Seite als Motivationshilfe in Aussicht gestellt worden waren. 

In der Tat konnten die Hanseaten nur deshalb feiern, weil Union Fortuna Düsseldorf mit 3:0 geschlagen und somit dem Team von der Weser noch den Relegationsplatz beschert hatte. Was besonders einen bei den Eisernen freute, nämlich den ehemaligen Bremer Felix Kroos:  "Für mich war das heute fast wie mein wichtigstes Spiel für Werder. Ich habe oft während des Spiels daran gedacht, ich habe ja immer noch ein grün-weißes Herz. Jetzt drücken wir die Daumen, dass sie das in der Relegation noch schaffen."

Kroos gehört neben Christian Gentner nicht zu den acht Spielern, von denen sich Union verabschiedet hat. Mit beiden Kickern führt Union Gespräche über eine gemeinsame Zukunft. Bei Gentner dürfte sich das nicht all zu lange hinziehen, so voll des Lobes war Manager Oliver Ruhnert.  Bei Kroos könnte es wohl hingegen noch dauern, bis Klarheit herrscht. "Wir sind in Gesprächen, ich würde aber nicht in den nächsten Tagen mit einer Entscheidung rechnen. Ich fühle mich superwohl hier. Dieser Verein hat einen hohen Identifikationsfaktor für mich", sagte Kroos. Die Liste der Abgänge liest sich wiederum wie folgt: Sebastian Polter, Rafal Gikiewicz, Ken Reichel, Manuel Schmiedebach, Maurice Arcones-Opfermann, Yunus Malli, Keven Schlotterbeck und dann noch Michael Parensen.

Der ewige Micha, der Zweitliga-Rekordspieler der Eisernen, der seit 2009 das Trikot der Köpenicker trug, beendet seine Profikarriere. Nicht unerwartet, auch wenn ihm viele noch ein weiteres Jahr gegönnt hätten. Auch weil der 34-Jährige sportlich in neun Bundesligaspielen seinen Teil zum Klassenerhalt beigetragen hatte. "Micha hat ja einen Anschlussvertrag im Verein. Es war immer so kommuniziert, dass er dann als Spieler aufhört und alle Abteilungen durchläuft. Er ist ja eine Legende hier. Das kann man schon so sagen. Wir mussten bewerten, wie wir den Kader weiterentwickeln. Irgendwann mussten wir eine Entscheidung treffen. Das ist immer hart. Für den Spieler auch", so Ruhnert.

Michael Parensen hängt nach über elf Jahren im Trikot der Köpenicker die Töppen jetzt endgültig an den Nagel bei den Eisernen und rückt als "Azubi" in die Geschäftsstelle auf. 
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Nun steht die Suche nach Verstärkungen an. Union muss ja den Kader weiterentwickeln. Klar ist, dass in der Innenverteidigung und im Angriff nachgebessert werden muss, auf der Position des Torhüters wohl auch. Ruhnert bleibt entspannt. "Ich bin da sehr gelassen. Wir sind noch nicht mal am Ende der Transferperiode, vielleicht sogar nicht mal am Anfang. Bis Anfang Oktober wird die Transferperiode gehen. Es wird viele Dinge noch geben, wenn alle europäische Ligen beendet sind. Wir wollen trotzdem so früh wie möglich den Kader zusammenhaben", meinte der Manager. Möglichst schon zum 27. Juli, wenn die Eisernen in ihre Vorbereitung auf die neue Spielzeit starten.

Natürlich dann auch mit Trainer Urs Fischer. Der hat zwar durch den Aufstieg bedingt eine Vertragsverlängerung bis 2021 auf dem Papier stehen. Aber Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Und wer weiß denn, was in dem Schweizer tatsächlich vorgeht. Doch Befürchtungen, dass er womöglich eine Luftveränderung auf die Insel oder zu einem besser betuchten Klub anstrebt, scheinen nicht angebracht zu sein. "Träumen tue ich nicht, für mich ist entscheidend, dass ich das Bestmögliche dort versuche, wo ich bin. Ich habe nicht im Kopf, dass ich innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahre woanders sein muss. Ich genieße die Zeit bei Union und mir gefällt die Arbeit", betonte der 54-Jährige. 

Mit ein Grund ist auch wohl das Vertrauen, das die Eisernen ihm schenken. "Urs hat eine unheimlich klare Sicht auf die Dinge, und wir wissen, dass er eine wesentliche Personalie ist. Wir hätten mit ihm weiter gearbeitet unabhängig von der Liga. Und ich glaube, dass er auch das zu schätzen weiß. Ich glaube, dass der Präsident nichts dagegen hat, Gespräche zu führen", sagte Ruhnert.