Fabian Wiede läuft wieder für die Füchse auf.
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BerlinFür einen Moment wurde es ruhig in der Max-Schmeling-Halle. Spielmacher Fabian Wiede war beherzt auf die gegnerische Abwehr gezogen und fand sich wenige Sekunden später auf dem Boden wieder. Der Füchse-Spieler hielt sich das rechte Knie, musste auf dem Feld behandelt werden und humpelte schließlich von seinem ehemaligen Teamkameraden Evgeni Pevnov gestützt, Richtung Bank. Es war eine der vielen markanten Situationen am Donnerstag, während der körperlich betonten Partie gegen die TSV Hannover-Burgdorf, welche die Berliner letztlich mit 31:27 (12:11) für sich entscheiden konnten.

„Bei Fabi schießt mir bei jedem Zweikampf viel durch den Kopf. Klar hält man da kurz die Luft an“, berichtete Sportvorstand Stefan Kretzschmar im Anschluss. Die Sorge um den gerade erst nach zehnmonatiger Verletzungspause zurückgekehrten Nationalspieler ist selbstredend groß. Doch Wiede gab schnell Entwarnung, konnte nach den vorgeschriebenen drei ausgesetzten Angriffen erneut in das Geschehen eingreifen. Für die Berliner ein wichtiger Faktor an diesem Abend. Denn der 26-Jährige zeigte sich spielerisch auf hohem Niveau, war torgefährlich und glänzte mit einer Übersicht, die an die Zeit vor seiner Verletzung erinnert. Bei voller Leistungskraft ist der Mittelmann allerdings noch nicht: „Nach so langer Pause war es nicht leicht, wieder mit dem gleichen Druck aufs Tor zu gehen und ich habe gemerkt, dass ich auch vom Kopf her noch nicht so bereit war. Ich bin momentan bei 80 oder 90 Prozent. Aber nach dem Spiel jetzt bin ich ganz zufrieden.“

Es war Kretzschmar, der sich seinen Schützling unter der Woche zur Seite nahm und mit ihm über erwartete Leistungen und vorhandenes Potential sprach. Mit Erfolg. Wiede fühlte sich nach eigenen Angaben sicherer, verinnerlichte seine Stärken und Schwächen und reagierte dementsprechend. „Ich bin froh, dass ich mit meiner Coolness und Cleverness immer besser rein finde“, war Wiede erleichtert, „das braucht die Mannschaft.“

Nicht nur seine Leistungssteigerung war ausschlaggebend. Den Füchsen gelang es, anders als noch in den Spielen zuvor, auf nahezu allen Positionen gleichwertig zu agieren. „In der ersten Halbzeit hat noch nicht alles funktioniert, aber dann haben wir weniger technische Fehler gemacht, Torhüter-Paraden bekommen, hatten Tempo und konnten die Kräfte gut verteilen. Da haben viele Leute Verantwortung übernommen“, war Trainer Jaron Siewert zufrieden. Neben Wiede konnte der Coach ebenso auf seinen zweiten Mittelmann bauen. Marian Michalczik, der vor der Saison von der GWD Minden kam, fungierte nicht nur als Ballverteiler, sondern war mit sechs Treffern darüber hinaus der beste Werfer der Partie. „Wir haben das hier nicht mega gut runtergespielt“, war der 23-Jährige selbstkritisch, „aber wir waren mit Emotion, Kampf und Teamgeist dabei. Ich hoffe, dass mit dem Erfolgserlebnis für uns der Knoten geplatzt ist und wir so richtig in die Saison starten können.“ Das hoffen wahrscheinlich alle Füchse – mit dem Wissen, dass nicht nur bei Wiede weiter Luft nach oben ist.