Berlin - Immerhin ein Drittel der Sitzplätze beim Super Bowl war besetzt. Auch in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA sind wieder Zuschauer erlaubt und bei den Australian Open dürfen bis zu 30.000 Fans täglich die Partien des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres live sehen. Während in Nordamerika oder Australien langsam wieder Fans bei Sportveranstaltungen zugelassen werden, bietet sich in Europa ein ganz anderes Bild. Leere Stadien im Fußball, leere Ränge bei den Weltmeisterschaften im Wintersport und den Hallensportarten. 

Wieder einmal gänzlich ohne Fans mussten die Füchse Berlin am Dienstagabend ihren 36:23-Sieg beim schwedischen Topclub IFK Kristianstad bejubeln. Kein Jubel von den Rängen als Lohn für die schwierige Anreise mit dem Bus, der zwischenzeitlich in Rostock gestrandet war und stattdessen in Puttgarden auf eine Fähre gefahren wurde. Kein warmer Applaus für die Übernahme der Tabellenführung in der Vorrundengruppe der European League. Stattdessen wieder einmal gähnende Leere, an der sich nach der Verlängerung des Lockdowns in Deutschland auch erst einmal nichts ändern wird.

Die Max-Schmeling-Halle, der Fuchsbau, wird auch in den kommenden Wochen eine fanfreie Zone sein. Zumindest auf dem normalen Weg. Denn: Die Füchse haben sich eine Alternative überlegt. Und der Test mit den Cheerleadern hat schon mal geklappt. Die haben nicht nur am vergangenen Sonntag beim Heimsieg gegen TuSem Essen auf dem Parkett getanzt, sondern vor wenigen Tagen von mehreren LED-Bildschirmen gelächelt. 120 sollen davon zum Topspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen am 21. Februar aufgestellt werden und einen digitalen Fanblock ergeben, der die Mannschaft optisch unterstützt. In der Handball-Bundesliga wird das eine bis dahin einmalige Aktion sein.

Auf die sich vor allem der Manager freut: „Ich finde es eine tolle Idee, die ich so in Deutschland noch nicht gesehen habe. Zum Topspiel können wir dann noch näher mit unseren Fans zusammen sein“, sagt Bob Hanning. Eine solche Form der Fan-Nähe hatte es in der NBA bereits im vergangenen Jahr gegeben. Zuschauer konnten die Fortsetzung der Saison in Disneyland zumindest digital verfolgen und lieferten, typisch amerikanisch möchte man meinen, teilweise lustige Bilder. Manch einer setzte eine Ziege vor die Kamera und erntete auf den Social-Media-Kanälen viele Lacher. Während in den USA mittlerweile auch wieder Zuschauer unter Einhaltung gewisser Regeln in die Halle dürfen, ist der deutsche Profisport davon noch weit entfernt. Natürlich bilden dabei auch die Schmelinghalle und damit die Heimspielstätte der Füchse keine Ausnahme.

Aber in der kommenden Woche eben eine Alternative zur gähnenden Leere. Das Spitzenspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen wird ein Teil der Füchse-Fans erstmals nicht nur von zu Hause auf dem Bezahlsender Sky verfolgen, sondern währenddessen live auf der Tribüne jubeln können. Große LED-Bildschirme machen es möglich und werden auf den freien Sitzschalen platziert. Dort sind sie synchron geschaltet und damit gut zu sehen für die Mannschaft sowie die Zuschauer an den TV-Geräten. In seiner endgültigen Form wird das etwas von einer riesigen Videokonferenz haben. Die Fans können ihrem Team somit wieder viel näher als sonst sein und für eine Unterstützung ihrer Spieler der etwas anderen Art sorgen. Auf 120 Plätze ist die Aktion, für die sich Fans auf der Internetseite der Füchse bewerben können, begrenzt. Und vielleicht der Startschuss für weitere Aktionen dieser Art. Bis zur endgültigen Rückkehr der Fans.