BerlinEine äußerst turbulente Woche hat bei den Füchsen Berlin doch noch ein versöhnliches Ende genommen. „Ich bin froh, dass wir dort gewonnen haben. Das ist ja keine Laufkundschaft beim BHC auswärts. Und die hatten sich auch vorgenommen, mal eine Spitzenmannschaft zu Hause zu schlagen“, sagte Sportvorstand Stefan Kretzschmar nach dem 31:29-Erfolg am Samstag beim Bergischen HC.

Die einwöchige Corona-Quarantäne hatte offenbar keine großen Spuren hinterlassen. Denn das Team fand ohne größere Anpassungsprobleme in die Partie, konnte Tempo gehen und mit hoher Intensität agieren. „Die Situation ist schon nicht ganz so einfach. Aber wir haben unsere Mannschaft auch genau daraufhin eingestellt, dass das überhaupt kein Thema sein darf“, sagte Kretzschmar. Die Kraft und die Kondition waren da, in der zweiten Halbzeit konnten die Berliner sogar zulegen.

Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als günstig. Die Spieler Marian Michalczik und Milos Vujovic hatten sich in der Woche zuvor bei ihren Nationalmannschaftsreisen mit dem Coronavirus infiziert. Daraufhin musste das gesamte Team bis vergangenen Freitag in häusliche Quarantäne. „Das macht den Sieg jetzt auch umso wertvoller“, fand Kretzschmar. Nur eine Trainingseinheit hatte das Team vor dem Spiel gehabt. „Aber wer da die Jungs gesehen hat, die hatten schon große Lust zu spielen“, berichtete der Sportvorstand.

Ein wenig Kritik gab es aber doch. Vor allem für die erste Halbzeit. Da hatten die Füchse so ihre Probleme mit dem Tempo des Gegners. „In der ersten Halbzeit haben wir auf jeden Fall große Probleme im Rückzug. Da bekommen wir sieben Gegentore in der zweiten Welle“, sagte Trainer Jaron Siewert. Kretzschmar gab aber zu Bedenken: „In einem Resümee muss man ja auch immer die Begleitumstände sehen, unter denen die Mannschaft dort hingefahren ist.“

Ein Extralob gab es für Rückraumspieler Fabian Wiede, der nach seiner langen Verletzungspause langsam wieder besser in Tritt kommt. „Er hat sich gesteigert. Das wird immer besser und sieht immer mehr nach dem Handball aus, den wir von ihm kennen“, freute sich Kretzschmar. Doch nicht nur aus den eigenen Reihen gab es anerkennende Worte. „Er ist momentan der beste deutsche Entscheidungsspieler“, lobte Sky-Experte und Ex-Bundestrainer Heiner Brandt (68). Denn Wiede kommt nach seiner langwierigen Schulterverletzung auf immer besser in Schwung. Hier ein Zauberpass auf Außen oder an den Kreis, dort ein Stemmwurf aus dem Rückraum. Vier Tore und fünf Assists konnte der Linkshänder zum Sieg beitragen.

Die gute Leistung kommt nicht von ungefähr. „Ich habe in den letzten Wochen viel trainiert und an mir gearbeitet. Da hatte ich heute ein sehr gutes Gefühl und konnte meine Leistung bringen“, erklärte Wiede seine Form und gab die Anerkennung gleich an seine Teamkameraden weiter: „Ich bin mega stolz auf die Mannschaft. Wir haben mit Emotionen das Spiel an uns gerissen und gezeigt, dass wir uns untereinander pushen können.“

Mit dem Auswärtssieg sind er und die Füchse in der Handball-Bundesliga wieder ins obere Tabellendrittel gerückt. Also genau dorthin, wo sich die Berliner auch selbst sehen. „Ich bin generell optimistisch, das habe ich nie verloren“, sagte Kretzschmar. Der Ex-Profi hofft nun wieder auf mehr Spiele und weniger Unterbrechungen. Auch wenn das „in dieser Saison noch ein paar Mal passieren kann.“ Am Dienstag (20.45 Uhr/DAZN) geht es für die Füchse in der European League weiter. Denn empfangen sie daheim das slowakische Team von Tatran Presov.