Kraftvoll in die neue Saison: Paul Drux beim Sieg gegen Gyöngyös, der den Einzug in die Gruppenphase der European League bedeutete.
Foto: dpa

BerlinDie Füchse Berlin sind mehr als zufrieden nach dem souveränen Einzug in die Gruppenphase der European League. Mit dem 36:24-Erfolg am Dienstagabend gegen die Ungarn aus Gyöngyös verband der  Handball-Bundesligist eine überraschend dominante Vorstellung. „Da kann man schon mal stolz sein, wie die Mannschaft aufgetreten ist. Das war sehr eindrucksvoll“, erklärte Füchse-Sportvorstand Stefan Kretzschmar.

Ein Sonderlob gab es für den neuen Coach Jaron Siewert. „Er hat die Mannschaft grandios eingestellt. Alle Spieler haben heute ihren Beitrag geleistet“, sagte Kretzschmar. Die Freude war umso größer, weil der Sportvorstand sein Team schon unter Druck sah: „Wir mussten die Gruppenphase erreichen.“ An diesem Donnerstag werden die Gruppen ausgelost.

Mit dem Weiterkommen im internationalen Wettbewerb haben die Füchse ein erstes Ziel erreicht, die ersten beiden Pflichtspiele gewonnen. „Mit einem Positiverlebnis zu starten ist immer gut. Und das Spiel mit so viel Dominanz zu gestalten gibt noch einmal Rückenwind“, sagte Siewert. Besonders freute den 26-Jährigen, dass die in der zweiten Hälfte eingesetzten A-Jugendlichen Mattes Langhoff (3 Tore) und Robin Heines (2) durchaus zu gefallen wussten: „Sie leisten ihren Beitrag – und das nicht zu gering.“

Die Jugend musste auch ran, weil die Ausfall-Liste erneut angewachsen war. Nach dem Sextett Fabian Wiede, Jacob Holm, Frederik Simak, Milos Vujovic, Johan Koch und Mattias Zachrisson konnten auch Jakov Gojun und Simon Ernst nicht auflaufen. „Das war reine Vorsichtsmaßnahme“, sagte Kretzschmar. Am Sonnabend starten die Füchse in Nordhorn in die Bundesligasaison. „Ich hoffe, dass der eine oder andere uns wieder unterstützen kann“, sagte Siewert.

Es ist ein Start mit Signalwirkung, nicht nur für die Füchse Berlin, auch für die Bundesliga. Doch die Zukunft der HBL ist mit den ersten Partien der 55. Spielzeit noch lange nicht gesichert. Zu groß sind die finanziellen Sorgen der Klubs, zu unberechenbar die Folgen der Pandemie. Ob der Ligaverband am Ende der Saison überhaupt einen Meister küren kann, ist fraglich, wenn an diesem Donnerstag die ersten vier Begegnungen ausgetragen werden.

„Eine oder zwei Spielverlegungen könnten wir irgendwie kompensieren. Wenn es zu größeren Ausfällen kommt, werden wir den Ligabetrieb, wie wir ihn eigentlich planen, möglicherweise nicht durchführen können“, sagte Ligachef Frank Bohmann. Sollte die Liga in der Hinrunde abgebrochen werden, würde die Saison annulliert.

Immerhin, es dürfen Zuschauer in die Hallen. Jedoch nicht allzu viele. Rechnet man für den ersten Spieltag die maximal mögliche Auslastung aller Hallen zusammen, kommt man auf knapp 12.000 Zuschauer – allein Titelverteidiger THW Kiel könnte unter normalen Umständen bei einem ausverkauften Haus knapp 10.000 Fans begrüßen. „Mit 20 Prozent Auslastung kann man einen Profihandballklub nicht betreiben“, stellte Bohmann  fest. Gleichwohl wertet er wie der Großteil seiner Branche die derzeit geltende Zuschauerlösung als positiv. „20 Prozent aller Plätze nutzen zu dürfen ist ein guter Start, aber es darf keinen Neid geben, wenn einer mal mehr als andere in die Halle lassen darf“, sagte Füchse-Chef Bob Hanning.

Lange halten die Klubs mit der derzeitigen Auslastung jedoch nicht durch, Bohmann prognostiziert vorsichtig, dass es bis Weihnachten so weitergehen könne. Sollten bedingt durch Corona-Fälle Spiele verlegt werden müssen, gibt es kaum Spielraum. Es droht ein Terminchaos. In der Zweiten Liga musste beispielsweise der HSV Hamburg bereits in Quarantäne, der Saisonstart des früheren Meisters wurde verlegt.